Fahrbericht Triumph Rocket III Touring (Archivversion) Big Bock

Ob Kenworth-Truck, Dodge-Pickup oder V8-Corvette: Der Texaner steht auf Big Block. Somit ein ideales Umfeld, um die Touring-Rocket III zu präsentieren.

Rohrbruch Road steht auf dem Straßenschild. Interessanter Name für eine Straße irgendwo im Herzen von Texas. Einladend wirkt die staubige Piste allerdings nicht gerade, also bleiben wir mit den schweren Triumph-Tourern lieber auf der namenlosen Main Road. Die ist breit wie eine Autobahn und führt – ganz dem Klischee entsprechend – schnurstracks gen Horizont.
Hier, wo der Cowboy selbst im dumpf brabbelnden Pickup noch stolz den Stetson trägt, ist der schwere Touring-Cruiser mit einem Hubraum von gigantischen 2,3 Litern der ideale Untersatz. Hier führen Straßen wie mit dem Lineal gezogen entweder von Ost nach West oder von Nord nach Süd, hier legt man den letzten Gang ein und lässt die Schaltwippe den lieben langen Tag ruhen.
209 Nm stemmt der Dreizylinder-Riese bereits bei 2000 Umdrehungen. Das entspricht im letzten Gang etwa Tempo 80. Ab Leerlaufdrehzahl nimmt der Big-Block-Antrieb mit seinen gigantischen Schwungmassen butterweich Gas an. So zuckelt man im Fünften mit 30 mph (48 km/h) durch die verstreut liegenden Ortschaften und genießt den satten Schub, der den fetten Tourer im Handumdrehen auf die erlaubten 65 Meilen pro Stunde (105 km/h) anstupst. Das ist cool, das ist the American way of driving.
Prinzipiell ist dieses eindrückliche Er­-leb­nis mächtiger, gleichwohl seidenweicher Power bereits vom Dreizylinder-Cruiser be­kannt. Der Motor der Touring-Variante ist jedoch für noch mehr Bums im Keller modi­fiziert, die Spitzenleistung gekappt. 107 PS gibt Triumph an. Allemal genug, um bei deren vollem Auskosten vom örtlichen Sheriff in Handschellen abgeführt zu werden.
Wer nun aber vermutet, bei der Touring handelt es sich einfach nur um eine Rocket III mit Scheibe und Koffern, liegt gründlich daneben. Bis auf die Brems­-anlage und das Rücklicht ist alles rund um den Antrieb neu. Weil der hintere 240er-Cruiser-Pneu gegen einen kurvenfreund­licheren 180er getauscht wurde, konnte das gesamte Heck schmaler gestaltet werden. Neu ist außerdem die Lenk­geometrie, damit das rechtwinklige Abbie­gen im amerikanischen Straßen-Karree nicht zum Eiertanz wird.
Dass sich der Aufwand gelohnt hat, wird deutlich, als ein paar Stündchen später der Horizont noch immer nicht näher gekommen ist, stattdessen zwischen sanften Hügeln ein paar sich hübsch durch die karge Landschaft windende Sträßchen auftauchen. Sicher ist die Touring-Rocket ein Koloss von einem Motorrad, dessen Masse immer und überall präsent ist. Aber im Gegensatz zum Cruiser gibt sich der Tourer weit weniger eigensinnig, läuft mit runden Schwüngen überraschend elegant und kooperativ durch die Kurven.
Auch arbeitet die Federung nicht so stukkerig wie beim Cruiser. Langstreckentauglichkeit hatte bei der Entwicklung oberste Priorität. Für einen feinen Abrollkomfort schafft schon die enorme Masse beste Voraussetzungen, die ein sehr sattes Gefühl vermittelt. Zudem sorgt der breite Sattel mit zwei unterschiedlich festen Schaumschichten für einen erstklassigen Sitzkomfort. Und die Füße der Besatzung ruhen auf üppigen Trittbrettern.
Mit Ausnahme der verchromten Plastik-Kühlerverkleidung ist alles massiv, wirkt gediegen. Etwa die per Handhebel fixierte Windschutzscheibe mit ihren soliden Edelstahl-Beschlägen, die sich im Handum­-drehen abnehmen lässt. Im Zubehör gibt es alternativ eine höhere Version, oder man cruist ganz ohne Windschutz. Und ohne Koffer. Denn die sind ebenfalls schnell abnehmbar, allerdings kommt dann ein zwar stabiles, jedoch nicht sehr ansehnliches Rohrgerüst zutage.
Um die Funktionalität zu erhöhen oder das Fahrzeug zu individualisieren, bietet Triumph ein umfangreiches Zubehörprogramm. Darunter verstellbare Rücken­stützen, Sissybars, Gepäckoptionen. Und natürlich Chrom ohne Ende, damit – in Texas besonders wichtig – die Show stimmt. Hilfreich ist dann eine kleine Ölquelle im Garten, denn für eine Handvoll Dollar gibt es das chromblitzende Schwergewicht natürlich nicht.

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