Fahrbericht Triumph Speed Triple von LSL (Archivversion) Fein-Tuning

Auf der Autobahn, im Fast-Forward-Modus, mutieren Seitenstreifen und Straßenbegleitgrün zu einem schmalen Farbrauschen in der Chromlampe. Völlig gelassen zieht das Flacheisen seine Bahn. Immerhin stehen über 263 Sachen auf dem Digitaltacho an. Macht echte 240. Mehr als genug, so ganz ohne Windschutz.
Dass der fehlt, ist nicht schlimm, denn die »Café Racer Speed Triple« der Tuning-Schmiede LSL macht auf Landstraßen am meisten Laune. Also, pulverbeschichteten Rahmen und Tank zwischen die Oberschenkel geklemmt, die Füße wegen der
filigranen LSL-Rasten ein wenig höher und weiter hinten platziert. Und in Würde gebückt: In der Regel machen LSL-Lenkerumbauten aus Supersportpiloten aufrechte Menschen. Hier ist es umgekehrt, die
Lenkerstummel »Tour-Match« verwandeln den Streetfighter zum Sportler.
Selbst ohne handlingfördernde breite Lenkstange wedelt die 220 Kilogramm leichte Speed-Triple cremig durchs Kurvenlabyrinth. Die Erklärung? Neue Gabelbrücken senken das Gabeloffset von 40 auf 30 Millimeter, das Niveau aktueller Supersportler. Somit schrumpft der Radstand, der Nachlauf wächst. Die griffigen Bridgestone-Gummis BT 012 in Supersport-Mischung fallen leicht in Schräglage, stellen sich in selbiger allerdings beim Griff zur Serien-Vorderbremse mächtig auf.
Das Fahrwerks-Gesamtpaket erzielt
einen guten Kompromiss aus Stabilität
und leichtem Handling. Zumal sich mit Adaptern auch ein breiter Rohrlenker
montieren ließe. Obacht: Die geänderte Geometrie begrenzt den Lenkanschlag. Imposante 6,90 Meter Wendekreis sind
die Folge, da klemmt’s schon mal. Nicht aber am Federungskomfort, das voll einstellbare Wilbers-Federbein mit roter Feder reagiert sensibel aufs Fahrbahnrelief.
Vom erheblichen Umbau-Aufwand bis ins Detail offenbart der Info-Kasten nur die wichtigsten Positionen. Schlank und rank geriet die Linienführung, von vorn bis hinten. Statt der Doppelscheinwerfer tragen die gefrästen Lampenhalter einen einzelnen Klarglasscheinwerfer. Das Glanzlicht indes bildet ein sanft gerundetes Heck im Stil der legendären T 509.
Darunter lümmelt sich verführerisch eine Underseat-Auspuffanlage. Sie gibt rechts ungestört den Blick auf das in der Einarmschwinge ruhende Hinterrad frei. Links veredelt eine Karbon-Abdeckung die Exzenter-Klemmfaust. So kommt die Technik richtig zur Geltung.
Kernig klingen die Edelstahl-Schalldämpfer, nicht übermäßig laut. Sie haben ihre ABE verdient. Herrlich grummelt der technisch unveränderte 120-PS-Triple im Schiebebetrieb, das macht süchtig. Oder liegt das eher daran, dass die LSL-Triumph gerne mal das Vorderrad lupft? tsr

Artikel teilen

Anzeige

Aktuelle Gebrauchtangebote