Fahrbericht Triumph Speed Triple (Archivversion) Der feine Unterschied

Verschärft und verfeinert präsentiert sich die Speed Triple, Modell 2008. Optische Retuschen, mehr Soziuskomfort und bessere Bremsen werten die Speedy sachte auf.

Sie traf den richtigen Nerv, die Speed Triple. 1994 noch als wuchtiger, betörend schöner Café Racer, ab 1996 als echter Trendsetter: sportlich-drahtig, aggressiv, unverwechselbar. Seither gehören die glubschäugigen Doppelscheinwerfer zu ihr wie das Plätzchen zum Five o‘ Clock Tea. 46269 Käufer in den vergangenen 14 Jahren fanden dieses Bekenntnis von einem Motorrad einfach anders, ganz und gar englisch. Nun erscheint 2008 das besonders erfolgreiche 1050er-Modell weniger gedrungen, aber immer noch stämmig und stimmiger in den Proportionen.
Das umgekrempelte Heck wirkt Wunder: zwei Zentimeter länger, mit filigranem Kennzeichenhalter und üppigerer Sitzbank bestückt. Dazu die Soziusrasten an längeren Auslegern fünf Zentimeter tiefer platziert, und schon kann man das Speed-Triple-Feeling mit einem Sozius teilen. Ziemlich aufrecht und erhaben serviert die Speedy ihrem Treiber gehobenen Landschafts- wie Kurvengenuss. Den breiten, nun aus Aluminium gefertigten Magura-Lenker umfassen und dann dem Lockruf der Landstraße erliegen ...
Wroop, wroop, wroop, föhnt‘s die Flimmer­härchen. Der unveränderte Dreizylinder ist ein Traum von einem Motor, röhrt kehlig aus der Airbox, faucht prachtvoll aus den hochgelegten Schalldämpfern und grummelt bei geschlossenen Drosselklappen wie ein englischer Fußball-Fan, der nicht zur Europa-Meisterschaft darf.
Aus dem Schiebebetrieb heraus geht der Drilling hart ans Gas. Sonst aber hängt er sanft und sehr elastisch am Kabel. Kommt weich von der Kupplung und ist dank breiten nutzbaren Drehzahlbands extrem benutzerfreundlich. Drückt bereits ganz unten und dreht locker und geschmeidig bis in den »Red light district« bei 10000 Touren. Bei Tempo 130 liegen im sechsten Gang gerade mal 5000/min an. Trotz des bei allen 1050er-Modellen modifizierten Schaltmechanismus bleibt das Getriebe ein wenig knorrig.
Ehrlich und unverfälscht macht die Speedy 100-prozentig, was der Fahrer will, ist nicht zickig oder nervös-überhandlich. In schnellen Wechselkurven muss man sogar ein wenig ackern. Passt zum Konzept. Die Upside-down-Gabel, sie stammt wie das Federbein von Showa, trägt nun edles Schwarz, genau wie der Motor, das charakteristische »U-Tube« von Brückenrahmen und die neuen Kühlerabdeckungen. Satt liegt die Triumph, federt und dämpft knackig. Die einstellbaren Federelemente sagen klipp und klar, was unter ihnen los ist, ohne unkomfortabel zu sein. Auf den neuen Rädern sitzen aber mäßig haft-freudige Dunlop Qualifier. Mit ihnen taumelt die Speed Triple bei niedrigem Tempo.
Vorzüglich ist die Transparenz der nun per Radialpumpe betätigten, radial verschraubten Brembos; man weiß stets, was sich da vorn abspielt. Kräftig, jedoch nicht wütend beißen die Vierkolben-Stopper zu. Bremst man in Schräglage, stellt sich die Triple allerdings deutlich auf.
11440 Euro kostet die 2008er-Speed Triple, 200 Euro mehr als im Vorjahr. Und sie bleibt, was sie war: ein ultimatives, feines Feuerzeug für die Landstraße.

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