Fahrbericht Triumph Tiger 1050 (Archivversion) Ganz schön scharf

Sieben Jahre haben die Briten sich Zeit gelassen, ihrem Tiger so richtig die Krallen zu schärfen. Nach Hubraumaufstockung auf 955 Kubikzentimeter im Jahr 2001 und leichten Fahrwerksverbesserungen 2004 heißt es nun: alles neu. Einen Prototyp konnte MOTORRAD bereits im Sommer dieses Jahres fahren (Heft 20/2006). Nun ist die Serienproduktion angelaufen. Die neue Katze ist 17 Kilogramm leichter und zehn PS kräftiger. Das allein macht den Unterschied jedoch nicht aus. Auf der ersten Ausfahrt des
Serienmodells im verwinkelten spanischen Hinterland brachte die Raubkatze sogar eingefleischte BMW-GS-Fans ins Grübeln.
Die Tiger lässt sich leicht und präzise durch Radien aller Größe scheuchen und bleibt dabei immer katzenhaft leichtfüßig. Selbst extreme Schräglagenwechsel gelingen ohne nennenswerten Widerstand, und engste Kehren verlieren ihren Schrecken. Die montierten Michelin Pilot Road in 120/70 und 180/55 in 17 Zoll harmonieren gut mit dem Chassis. Die Maschine läuft stabil und gibt sich gleichzeitig sehr handlich. Letzteres erwartet man auf den ersten Blick nicht unbedingt. Denn trotz Abspeckmaßnahmen ist und bleibt die Tiger ein mächtiges Motorrad, das kleineren Menschen Respekt abringt. Hat man die 835 Millimeter Sitzhöhe aber erst mal erklommen, erwartet den Fahrer ein ergonomisch gestalteter, übersichtlicher Arbeits- und Vergnügungsplatz. Im Cockpit dominiert ein zierliches Informationsdisplay, das in ähnlicher Form auch in der Daytona 675 und der Speed Triple zum Einsatz kommt. Der breite, weit geschwungene und verchromte Stahlrohrlenker verströmt beim ersten Kontakt touristischen Charme. Die Lenkung ist sehr direkt. Straff abgestimmte
Federelemente mit jeweils 150 Millimeter Federweg filtern
kleinste Unebenheiten, geben sich durchschlagssicher und
liefern gutes Feedback.
So gut, dass die komfortable Fun-Maschine mit starken Superbikes auf der Landstraße im wahrsten Sinn Katze und Maus spielen kann. 114 PS bei 9400/min und rund 100 Newtonmeter Drehmoment zwischen 3500 und 7500 Touren (Herstellerangabe) kommen dem Jagdtrieb entgegen. Schon ab 2000/min wirkt der Dreizylinder kräftig, hängt sehr gut am Gas und dreht willig hoch. In etwas geänderter Konfiguration treibt der 1050er-Motor auch die Speed Triple sowie die Sprint ST an. Um die Maschine tourentauglicher zu trimmen liefert Triumph sehr umfangreiches Zubehör. Vom GPS über Hauptständer, Heizgriffe, Scheibe, 12-Volt-Steckdose, Tankrucksack und verschieden hohe Sitzbänke bis hin zu einem voluminösen Gepäcksystem ist alles dabei.
Die Tiger steht bereits bei den Händlern und kostet 10050 Euro plus 240 Euro Überführungskosten. Gegen 900 Euro Aufpreis ist ab Februar 2007 ein Nissin-ABS erhältlich. rhe

Artikel teilen

Aktuelle Gebrauchtangebote