Fahrbericht Victory V 92 SC (Archivversion) Schneekönigin

Erst seit 1998 in der Motorradszene aktiv, liefert Snowmobil-Hersteller Polaris nun seinen zweiten Beitrag zum Thema Cruiser. Name: Victory V 92 SC. Auftrag: Sport.

Colorada, USA. Die Straße schwingt in weiten Bögen gen Westen, die Morgensonne hat schon erstaunliche Kraft. Was für ein Tag zum Motorradeln. Unter dem Fahrersitz bollert ein dicker V2. Aber nicht der aus Milwaukee, sondern einer aus Minneapolis/Minnesota. Dort werden die Victory-Motorräder gebaut, die seit eineinhalb Jahren Amerikas Straßen um ein weiteres einheimisches Markenlabel bereichern. Produziert von Polaris, einer Firma, die sich außer mit Snowmobilen mit All Terrain Vehicles und Personal Watercrafts einen Namen gemacht hat.Bislang nur durch den Cruiser namens V 92 C auf dem Motorradmarkt vertreten (siehe MOTORRAD 23/1998), hat Polaris nun eine Variante ihres Erstlingswerks auf die Räder gestellt: die V 92 SC. Das Kürzel SC steht für Sport-Cruiser. Ziemlich verwegen, sind Sport und Cruisen doch zwei völlig verschiedene Paar Schuhe. Aber ganz daneben ist die Bezeichnung nicht. Die SC gibt sich tatsächlich erstaunlich handlich und direkt. Sieht man von ganz engen Kehren ab, zieht der immerhin 315 Kilogramm schwere Brocken im Kurvenbereich locker und unbeirrt seine Bahn.Die Unterschiede zum Basismodell beschränken sich auf wenige Fahrwerksveränderungen. So trägt die SC 17- statt 16-Zoll-Räder mit sportlichen Dunlop-Reifen und eine neue, längere Marzocchi-Telegabel mit mächtigen 50er- statt 45er-Standrohren. Zudem fallen Radstand und Bodenfreiheit geringfügig größer aus.Die Federwege sind für einen Cruiser ordentlich bemessen. Zum Glück – denn die Asphaltdecken der Highways bei der Probefahrt fernab der Stadt Denver ähneln mitunter gut ausgefahrenen, deutschen Feldwegen. Da hat das Fahrwerk einiges zu schaffen. Und der Motor auch. Immerhin spielt das Ganze auf fast 1600 Metern Höhe. Doch anhaben kann die dünne Luft dem 1507 cm3 messenden V2 nur wenig, da er mit einer Einspritzanlage ausgestattet ist, die auf Änderungen des Luftdrucks reagiert.Laut jüngsten Polaris-Messungen soll das Aggregat 70 PS bringen. Verwertbare Power gibt’s aber erst ab 2500/min. Eine Panne, die auf die neue, geräusch- und schadstoffreduzierende Motorabstimmung zurückzuführen ist. Hat der 50-Grad-V-Twin die Schlappe im Keller überwunden, schiebt er ordentlich an. Seine Stärke liegt eindeutig im mittleren Drehzahlbereich. Zwischen 3000 und 4500/min ist schaltfaules Straßenkreuzen angesagt. Dass das Drehzahlniveau in den einzelnen Gangstufen um rund 500 Touren höher ausfällt als bei der C, liegt an der kürzer gewählten Gesamtübersetzung, die für etwas mehr Temperament beim Beschleunigen sorgt. Die Fahrleistungen sind für amerikanische Verhältnisse absolut ausreichend. Gleiches gilt für die Leistung der Brembo-Doppelscheibenbremse vorn. Trotz der langen Gummileitungen lässt sie sich gut dosieren.Natürlich muss ein Sport-Cruiser anders ausgestattet sein als ein herkömmlicher Cruiser. Drum sind die Trittbretter und der Chopper-Lenker verschwunden. Die SC besitzt echte Fußrasten und einen normalen Tourenlenker, dessen Enden ohne Stretchübungen zu erreichen sind. Deutlich gekappt wurde zudem der hintere Kotflügel.Dadurch mutiert die V 92 SC freilich noch lange nicht zum Sport-Bike, aber eine Alternative zum Basismodell oder anderen Cruisern ist’s allemal. Auf den deutschen Markt sollen die Victory-Modelle im Jahr 2001 kommen. Übrigens: Die SC trägt artgerecht eine Zwei-in-eins-Auspuffanlage mit dickem Endschalldämpfer zur Schau. So gerüstet kostet sie umgerechnet etwa 28800 Mark.

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