Fahrbericht Voxan Café Racer (Archivversion) Avec Sucre

Es soll gar nicht mehr allzu lange dauern, bis die französische Motorradschmiede Voxan auch deutschen Bikern mit ihrem Café Racer das Leben versüßen möchte.

Passt wie angegossen: Die Oberschenkel schmiegen sich saugend in die abgerundeten Tankeinbuchtungen, die Sitzbank ist schmal und niedrig, die Lenkerstummel sind angenehm gekröpft und nicht allzu tief angeschellt, und die Füsse ruhen entspannt auf den gummierten, vibrationsentkoppelten Rasten. Wären da nicht dieses tiefe Wummern aus den beiden Aluminium-ummantelten Endtöpfen der Voxan Café Racer und der mächtige Schub aus niedrigsten Drehzahlen, man könnte sich auf einem smarten, kleinen 500er-Flitzer wähnen. Der 72-Grad-V2 mit vollem Liter Hubraum kommt nämlich mit erstaunlich knapper Verpackung aus. Und das Wenige ist zudem noch äußerst appetitlich angerichtet und mit einer Vielzahl pfiffiger Details veredelt.Wie das bereits seit einem Jahr in Frankreich verkaufte Roadster-Modell baut auch der neue Café Racer auf einer Rahmenkonstruktion auf, bei der Lenkkopf- und Schwingenbereich aus Aluminiumguss mittels zweier, über den Motor gebogener Stahlrohre verbunden werden. Dass das Lenkkopfgehäuse als Luftfilterkasten und die Schwingenaufnahme gleichzeitig als Ölbehälter der Trockensumpfschmierung fungiert, ist ebenso praktisch wie platzsparend und leicht. Die Alu-Schwinge und der 18 Liter fassende Tank aus Kunststoff sorgen ebenfalls dafür, dass es die schlanke Französin vollgetankt gerade mal auf 198 Kilogramm bringen soll.Angesichts dieser vergleichsweise geringen Masse fällt nicht auf, dass die Testmaschine für Frankreich von rund 110 auf 100 PS gedrosselt ist. Schon ab 2000/min drückt der V2 absolut ruckfrei nach vorn, legt bei 4000/min richtig zu und lässt sich bis nahe an den roten Bereich willig anfeuern. Befremdend dabei ist lediglich das nervöse Zucken der Nadel des elektronischen Drehzahlmessers, die laut Voxan durch Störsignale der Zündung zum tänzeln verleitet wird. Doch daran wird zur Zeit gearbeitet.Insgesamt wirkt der Café Racer bereits recht ausgereift. Höchstens kleinere Änderungen in der Fahrwerksabstimmung könnten der Voxan zu etwas mehr Fahrstabilität auf schlechten Straßen verhelfen. Zwar lassen sich die Upside-down Gabel von Paioli und das unter dem Motor liegende White Power-Federbein leicht in der Dämpfung verstellen, die zu schlaffe Basisabstimmung lässt sich damit allerdings nicht ganz kompensieren. So beginnt die Voxan vor allem in schnellen, welligen Kurvenpassagen leicht zu pendeln an.Ansonsten stimmt das Konzept. Das agile Fahrwerk harmoniert perfekt mit dem druckvollen V2-Antrieb. Enge Landstraßen kommen der Voxan genauso gelegen wie ein kurzer Zwischenspurt auf der Autobahn. Tacho 240 lassen sich dem Café Racer selbst in der gedrosselten Version abringen, ohne dass sich ihr Fahrwerk dabei eine Schwäche im Geradeauslauf anmerken lässt.Leichter tut sich da die italienische Bremsanlage. Die Brembo-Stopper reagieren zwar nicht sonderlich bissig, kommen mit der gebotenen Fahrdynamik aber bestens zurecht und bieten auch bei vehementer Verzögerung eine ordentliche Rückmeldung. Außerdem lassen sich - anders als beim Roadster-Modell - jetzt auch die Handhebel von Bremse und hydraulisch betätigter Kupplung in der Weite verstellen.Bleibt nur noch zu hoffen, dass die junge Motorradschmiede in Issoire bald die Nachfrage im eigenen Land befriedigt, um anschließend genügend Kapazitäten für den europäischen Markt bereit zu stellen. Denn Deutschland soll als erstes Land mit dem umgerechnet rund 23000 Mark teuren Schmuckstück beliefert werden.

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