Fahrbericht Voxan Café Racer (Archivversion) Kaffeemaschine

Unverfälschtes Zweizylinder-Aroma für pulsbeschleunigenden Genuß: Der Café Racer von Voxan dreht - wenn auch noch im Prototypen-Stadium - seine ersten Runden.

Die Hausaufgaben sind gemacht: Seit Mitte Januar läuft bei Voxan die Motorradproduktion, und ab März werden die lang ersehnten 1000er Zweizylinder - zunächst im Roadster-Outfit - bei den Händlern stehen. Fürs erste freilich nur auf dem heimischen französischen Markt.Grund zu erleichtertem Durchatmen also für die Väter des ambitionierten Projekts. Jedoch kein Anlaß, die Füße hoch und die Hände in den Schoß zu legen. Nein, die Mühlen bei Voxan mahlen in Sachen Entwicklung munter weiter - wie der Café Racer zeigt, der im Herbst das Modellangebot erweitern soll, jetzt aber schon ins Rollen gekommen ist.Für dieses sportliche Derivat des Basismodells sind bereits 100 Vorbestellungen eingegangen. Das ist ein Vertrauensvorschuß für die aus dem Nichts entstandene Firma, vor allem aber ein Beweis für Akzeptanz der Formensprache, die Designer Stéphane Valdant beim Entwurf des Café Racers gewählt hat.Doch was heißt Formensprache? Wie bei der unverkleideten Roadster ist es der V2-Motor, der das Machtwort spricht. Sein Korsett, ein origineller Brückenrahmen aus Stahlrohr und Aluminium-Gußteilen, bleibt optisch im Hintergrund, während Tank, Sitzbank und Bikini-Verkleidung ihr Bestes geben, dem Triebwerksblock in vornehmer Zurückhaltung zu schmeicheln, seine Dominanz zu unterstreichen.So kompakt der Café Racer auf Fotos anmutet, so kompakt erweist er sich im richtigen Leben. Niedrig, feingliedrig und leichtgewichtig - ein kleines, elementares Motorrad. Das gleichwohl bekömmliche Lebensbedingungen bietet: Die Fahrhaltung ist sportlich, dank der beträchtlichen Höhendifferenz zwischen Sitzpolster und Lenkerhälften aber nicht extrem gebückt.Auch an Nebenschauplätzen gibt sich der Café Racer konziliant. Die Kupplung ist leichtgängig und ausgezeichnet dosierbar, die sechs Gänge der Schaltbox lassen sich mit beispielhafter Geschmeidigkeit wechseln, die rechte Hand findet beim Öffnen der Drosselklappen wenig Widerstand.Fast zu wenig, denn der elektronisch gemanagte Einspritzmotor hängt gierig am Gas und ist allzeit bereit, ein Leistungsfeuerwerk abzubrennen, das bei 9000/min mit 120 PS einen eindrucksvollen Höhepunkt findet. Ebenso einducksvoll die Geräuschkulisse - ein kräftiges Lied, das von den Zündabständen des 72-Grad-Zylinderwinkels kündet.72 Grad und keine Ausgleichswelle - damit läßt sich die Voxan auf das Spiel ungezügelter Massenkräfte ein: Sie vibriert. Das ist unproblematisch bei normalem Betrieb mit häufig wechselnden Drehzahlen, kann auf ausgedehnten High speed-Etappen aber die Hände in den Schlaf zittern.Keinen Grund zum Zittern gibt das Fahrwerk des Café Racers. Gegen den Trend, der Supersportlern immer kürzere Radstände, immer radikalere Lenkgeometrien und immer frontlastigere Radlastverteilungen beschert, tritt die Voxan mit einem vergleichsweise konservativen Layout an. Das letzte Quentchen Agilität, das damit womöglich auf der Strecke bleibt, wird freilich nicht vermißt: Die Maschine lenkt leicht und neutral ein, trifft und hält den angepeilten Kurs präzise, wuselt frohgemut durch Wechselkurven - Konsequenzen der niedrigen Schwerpunktlage und der mit bloßem Auge erkennbaren Konzentration der Masse um die Fahrzeugmitte.Einen Beitrag zu diesem Zentralismus leistet die Hinterradfederung mit unter dem Triebwerksblock plaziertem Federbein, das - wie auch die Upside-down-Gabel - von White Power stammt. In puncto Ansprechverhalten bieten die Radaufhängungselemente beim derzeitigen Stand der Dinge ein gehobenes Komfortangebot. Bei größeren Unebenheiten wirken sie dagegen überdämpft, was ihre Reaktionsfähigkeit bei größeren Bodenunebenheiten einschränkt.Uneingeschränkt auf der Höhe ist hingegen die Bremsanlage. Die vordere Doppelscheibenanlage mit Vierkolbensätteln - made by Beringer - überzeugt durch präzisen Druckpunkt und brachiale Wirkung.Keine Frage, der Voxan Café Racer ist - obwohl noch im Vorserienstadium - jetzt schon eine runde Sache. Ein etwas besserer Windschutz und ein weniger abruptes Ansprechverhalten des Motors sollten bis zum Serienanlauf hinzukriegen sein. Dann dürfte auch der Preis - die Rede ist von knapp 25 000 Mark - kein Hindernis für die Akzeptanz des französischen V2-Sportlers sein.

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