Fahrbericht Wüdo-BMW R 1150 GS (Archivversion) BESSEr ANDERS

Helmut Wüstenhöfers Firma Wüdo geht seit 30 Jahren ihren eigenen Weg. Mit technischen und gestalterischen Lösungen, die BMW-unüblich sind. So wie an diesem Funbike auf Basis der R 1150 GS.

Wer BMW sagt, meint einen Zylinder links, einen Zylinder rechts und
dahinter warme Füße. So denken viele
Gummikuh-Treiber, ein- und vierzylindrigen
Modellen aus Bayern zum Trotz. Und wer
Boxer-Tuning sagt, meint oftmals Wüdo. Der Markenname steht für WÜstenhöfer DOrtmund – auch wenn die Traditions-Firma mittlerweile in Holzwickede, am Dortmunder Flughafen, residiert. Gegründet als Kfz-Elektrikbetrieb von Helmut Wüstenhöfer – vor 30 Jahren, am 1. März 1975.
Bereits ein Jahr später startet das
rennerfahrene Wüstenhöfer-Team als beste deutsche Truppe in der Langstrecken-WM auf BMW. Seit 1977 verkauft und war-
tet Wüdo ausschließlich Motorräder, 1978 entwickelt die Firma erstes Spezialzu-
behör für Boxer. Viel Erfahrung steckt
also in dieser andersartigen Test-R 1150 GS im hellblauen Sonderlack. Sie rollt auf 17-zölligen Leichtmetall-Rädern aus dem Sportler R 1100 S.
Platz für den 180er-Heckschlappen schafft ein sensationell kompakter Schalldämpfer: 28 Zentimeter lang, 21 breit, 13 hoch. Damit passt er komplett vors Hinterrad, so groß ist sonst allein der Sammler. Ein kurzes Endröhrchen bläst die Abgase links vom Rad ins Freie. Daher die Bezeichnung »Sidepipe«. Kaum zu glauben, der zierliche Endtopf ist mit Lambdasonde plus G-Kat bestückt, hat sogar ABE. Nur nicht mehr Sound, er klingt dezent.
Ein leichtes Powerplus fährt die Mini-Tüte bloß zwischen 3300 und 4200 Touren ein. Jenseits von 5000/min kostet sie leidlich Leistung. Der Boxer drückt 79 statt einst 85 PS. Doch im Fahrbetrieb stört das wenig. Zum einen tut sich unten herum
genug, zum anderen nerven bei hohen
Drehzahlen ohnehin kribbelnde Vibrationen in Lenkergriffen und Einzelsitz – Soziusplatz und -fußrasten fehlen.
Ein für allemal eliminiert die Wüdo-Doppelzündung nerviges Konstantfahrruckeln durch effizientere Verbrennung.
Die Zusatz-Kerzen stecken im Unterschied zu modernen Serienmaschinen auf der
Zylinderoberseite. Alle einfachzündenden Vierventilboxer ab 1993 kann Wüdo mit Doppelzündung bestücken.
Das 17-Zoll-Vorderrad würde den Nachlauf dramatisch verkürzen, dies soll eine neue untere Gabelbrücke ausgleichen. Aus dem Vollen gefräst, integriert sie eine Bohrung für die Bremsleitung. Kunst in Metall. Ein geänderter Frontkotflügel, Wave-Bremsscheiben von ABM und edle Öhlins-Federbeine vorn und hinten komplettieren den Fahrwerksumbau.
Der fährt sich bestens. Allenfalls minimale Taumeltendenz bei langsamer Fahrt kündet von der diffizilen Arbeit an der Fahrwerksgeometrie. Bei Topspeed macht das Funbike keine Zicken, rennt geradeaus wie am Schnürchen. Vollflächig, und erst dank Wüdo-Adaptern in der Neigung verstellbar, schirmt eine große Scheibe aus der Adventure den Oberkörper des Fahrers ab. Ohne große Turbulenzen oder störende Windgeräusche.
Eine Einzelanfertigung stellt die schnabellose Frontmaske mit integrierten LED-Blinkern dar. Kämpferisch-entschlossen hinterm breiten ABM-Lenker thronend, bewegt der BMW-Pilot eine echte Größe. In schnellen Wechselkurven fällt diese GS-Spezies irre handlich in volle Schräglage. So lenkpräzise, als sei sie ferngesteuert, brennt die 1150er durch Kurvenradien aller Durchmesser.
Griffige Bridgestone-Straßenreifen des Typs BT 012, hinten in supersofter Mischung, erledigen ihren aufreibenden Job höchst Vertrauen erweckend. Immer wieder raspeln die kniefreundlich nach unten verlegten Fußrasten über den Asphalt. Und die fein ansprechenden Öhlins-Federbeine lassen Tele- und Paralever selbst über übelste Sträßchen gleiten, sanft und komfortabel wie ein Luftkissenboot. Nur viel stabiler. Eben besser anders .

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