Fahrbericht Yamaha XT 660 X, Modell 2007 (Archivversion) Farbe bekennen

Der erste Blick täuscht: Es ist keine KTM. Trotz breitem Lenker, trotz knalligem Orange. Es ist die aktuellste
Version einer ebenfalls legendären, mittlerweile 31-jährigen Baureihe: Yamaha XT. Und hier die XT 660 X, das erste Modell, das mit Mutter Erde nichts mehr zu tun
haben will, sondern sich – ganz hip – mit 17-Zoll-Supermoto-Rädern dem Asphalt verschrieben hat. MOTORRAD ratterte mit der 660er bereits die 50000-Kilometer-Dauertest-Distanz herunter (Abschluss-
bilanz siehe Heft 6/2006). Fazit: Trotz schwammigem Fahrwerk, Pendeln ab 130 km/h und verbesserungsbedürftiger Ver-arbeitung ein prima Bike mit kommoder Sitzposition, geringem Spritverbrauch (im Durchschnitt nicht einmal fünf Liter auf 100 Kilometer) und zuverlässiger Technik.
Und jetzt glänzt sie orange, ist aber auch weiterhin in Schwarz und dem traditionellen Yamaha-Blau erhältlich. Doch die Leuchtfarbe signalisiert sofort: Ich bin die Neue. Sanft überarbeitet und mit einigen Detailänderungen (siehe Kasten) vor allem Euro-3-tauglich getrimmt. Sprich: Kat im Schalldämpfer, Lambdasonde im Krümmer und magerere Abstimmung. Was die urbane XT leicht in die Knie zwingt. Macht sich das eine PS, das die Neue gegenüber
dem 2006er-Modell über das gesamte Drehzahlband verliert, kaum bemerkbar, fällt auf dem Diagramm das gut sichtbare Drehmoment-Minus zwischen 2500/min und 4500/min schon eher auf.
Zum Trost: Im Fahrbetrieb bleibt der befürchtete Einbruch aus. Rein subjektiv geht die neue XT 660 X mit dem gleichen Druck zu Werke wie ihre Vorgängerin.
Wobei die Abstimmung des Motormana-gements – das nach Konstantfahrruckeln bereits an den späteren 2006er-Modellen überarbeitet wurde – geglückt ist. Kultiviert und ohne zu hacken dreht der Einzylinder aus dem Drehzahlkeller und outet sich
zwischen 4000/min und der Drehzahlgrenze bei 7200/min als typischer Single: etwas rau, aber herzlich.
Weniger technische Notwendigkeit als der Drang nach wertigerem Äußeren beschert der jüngsten XT 660 X eine neue Hinterradschwinge. Zwar genügte die vorherige, billig wirkende Schwinge funktionell, das neue Gussteil wertet die Yamaha mit attraktivem Finish jedoch definitiv auf. Steifer ist sie obendrein.
Sparfüchse wittern wohl dennoch eine Chance. Neue 2006er-Modelle – wohlgemerkt nur Euro-2-homologiert – werden derzeit etwa 1000 Euro unter dem Listenpreis (6741 Euro) der 2007er-XT 660 X gehandelt. Ob sich’s trotzdem lohnt, eine Neue zu kaufen? Für den, der Orange mag, aber keine KTM will oder dem ein aufgepepptes Styling etwas wert ist, bestimmt. Auf jeden Fall bleibt die XT 660 X auch im Jahr 2007 ihrer Tradition treu; ein prima Bike für alle Zwecke. pm

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