Fahrbericht Yamaha YZ 400 F (Archivversion)

Wechseljahre

Die Zeiten ändern sich: Kleine Viertakt-Crosser werden kommen und den behäbigen Dampfhämmern wie den giftigen Zweitaktern gehörig einheizen. Yamaha ebnet mit der neuen YZ 400 F den Weg.

Zweitakter sind aggressiv und handlich, Viertakter hingegen sanft und schwerfällig. Typisches Schubladen-Denken, das aber bislang im Cross-Bereich einigermaßen paßte. Bald jedoch werden die Cross-Fans umdenken müssen, denn mit der YZ 400 F bringt Yamaha ein Motorrad, das sich überhaupt nicht in bekannte Schablonen pressen läßt. Was auf die Off-Road-Gemeinde zukommen könnte, ließ schon die Testfahrt mit dem in der Weltmeisterschaft erfolgreichen Werkscrosser erahnen (Fahrbericht MOTORRAD 21/1997). Es blieb jedoch die Ungewißheit, wieviel vom Potential der mit unglaublichem Aufwand aufgebauten Werksmaschinen in der Serie übrigbleibt. Erste Eindrücke konnte MOTORRAD bei einem exklusiven Test-Termin sammeln. Zunächst regt sich Skepsis: keine Frästeile, kein Kohlefaser, kein Titan, statt raffinierter Delikatessen unspektakuläre Hausmannskost. Auch hinter der Kulisse sind viele Differenzen auszumachen. Der Hubraum ist zwar gleich, der Hub aber um vier Millimeter länger. Im Gegensatz zur Werksmaschine beruhigt eine Ausgleichswelle den Fünfventiler, und der deutlich größere Ölvorrat wird im Rahmen gebunkert. Also Ernüchterung statt Faszination? Keineswegs. Die Begeisterung ist schon nach ein paar Runden wieder da. Das kleine Ding mit den Abmessungen einer 250er geht in mancherlei Hinsicht sogar noch besser als das handgeschnitzte Vorbild. Die nahezu vibrationslos laufende YZ 400 F liefert fast ebensoviel Spitzenleistung, das nutzbare Band ist sogar noch breiter. Bereits aus niedrigsten Drehzahlen akzeptiert sie anstandslos Vollgas. Brutale Kraft aus dem Keller ist das nicht, aber immerhin maschiert die Viertakt-YZ tapfer los. Im mittleren Drehzahlbereich - so bei 5000 bis 6000/min - kommt dann der Hammer. Die Leistung wächst dramatisch, das nutzbare Band ist enorm. Bis in höchste Regionen ist immer jede Menge Power da, ein Ende der Drehzahlorgie ist kaum auszumachen. Das beste ist allerdings nicht die Leistung, sondern die Art, wie diese einsetzt. Kein anderer Viertakter verhält sich so spontan und direkt, jeder minimale Dreh am Gasgriff wird ohne Verzögerung umgesetzt. Eine kleine Rampe genügt, um eine Reihe von gemeinen Waschbrett-Wellen zu überspringen, in denen ein träger Hubraumriese gnadenlos zerschellen würde. Bei den großen Viertaktern oder den 500er Zweitaktern sucht man vergeblich nach vergleichbaren Charakteren. Parallelen lassen sich allenfalls bei 250er Crossern finden, auch die Rundenzeiten bewegen sich auf diesem Niveau. Bei aller Euphorie sollten einige kleine Kritikpunkte nicht vergessen werden. Beim Ankicken verhält sich die YZ 400 F trotz des kleinen Hubraums wenig kooperativ. Das Gemisch will per Kickstarter auf weniger als ein Zwölftel des Zylindervolumens komprimiert werden, da heißt es kräftig durchtreten. Für heikle Fälle gibt es wie beim Renn-Vorbild einen Heißstartknopf, der Frischluft direkt in den Ansaugkanal läßt. Fahrwerksseitig kann die YZ nicht ganz mit dem Werkscrosser mithalten. Die Gabel schlägt beim Anbremsen hart durch, sie scheint etwas weich ausgelegt. Die Folge ist ab und zu ein Hang zum Lenkerschlagen. Vielleicht nur eine Frage der Abstimmung, das kann nur ein ausführlicher Test klären. Auf den müssen Neugierige nicht lange warten, noch im Dezember soll die Auslieferung an die Händler beginnen. Bleibt nur eine Frage: Wird Yamaha genügend Exemplare der neuen Wunderwaffe liefern können?
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Die Enduro-Version (Archivversion) - Harte Konkurrenz für europäische Sport-Enduros

KTM, Husaberg und Husqvarna waren bisher unter sich, wenn es im Gelände hart zur Sache ging. In diese Phalanx will Yamaha mit der blau lackierten WR 400 F einbrechen, einer Enduro-Variante der YZ 400 F. Die beiden Versionen unterscheiden sich nur wenig. Der Motor bleibt unangetastet und dürfte daher ebenso agil und kraftvoll zu Werke gehen. Eine Lichtmaschine speist die obligatorische Beleuchtung. Der Zwölf-Liter-Tank vergrößert die Reichweite für längere Etappen. Pausen kann die WR auf dem Seitenständer verbringen. Dazu kommt ein 18-Zoll-Hinterrad, eine weiter gespreizte Getriebe-Übersetzung sowie ein leiserer Schalldämpfer.Die WR ist keine Straßen-Enduro, sondern eine reinrassige Wettbewerbs-Maschine. Demzufolge wird sie hierzulande nicht homologiert, sondern muß von Händlern in Einzelabnahme zugelassen werden. Mit welcher Leistung und zu welchem Preis das gelingt, steht noch nicht fest.

Yamaha YZ 400 F (FB) (Archivversion)

Yamaha YZ 400 FTechnische DatenMotorWassergekühlter Einzylinder-Viertaktmotor, zwei obenliegende, über Kette angetriebene Nockenwellen, fünf über Tassenstößel betätigte Ventile, Naßsumpfschmierung mit Ölpumpe, Keihin-FCR-Flachschiebervergaser, Ø 39 mm, kontaktlose Kondensatorzündung (CDI), Kick-StarterBohrung x Hub 92 x 60,1 mmHubraum 399 cm³Nennleistung 55 PS bei 9000/min Drehmoment Max. Drehzahl 11 000/minVerdichtungsverhältnis 12,5 : 1KraftübertragungPrimärantrieb über Zahnräder, Mehrscheiben-Ölbadkupplung, Fünfganggetriebe FahrwerkEinschleifenrahmen aus Stahlrohr mit geteilten Unterzügen, angeschraubtes Rahmenheck, Upside-down-Gabel, Standrohrdurchmesser 46 mm, mit einstellbarer Zug- und Druckstufendämpfung, Zweiarmschwinge aus Alu-Profilen, Zentralfederbein, über Hebelsystem angelenkt, mit verstellbarer Federbasis, Zug- und Druckstufendämpfung, Scheibenbremse vorn mit Doppelkolbensattel, Ø 245 mm, Scheibenbremse hinten mit Einkolbensattel, Ø 220 mm, SpeichenräderFederwege vorn: 300 mm hinten: 315 mmReifengröße vorn 80/100-21hinten 110/90-19Maße und GewichteGewicht ohne Benzin 107 kgTankinhalt 8,7 LiterRadstand 1490 mmLenkkopfwinkel 62,5 GradPreis 12 690 Mark

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