Fahrwerk: BMW gegen Kawasaki (Archivversion) Alleskönner <br /><br /> kontra Sportler

Neue Wege beschreitet die K 1200 S auch im Fahrwerksbereich. Doppellängslenker führen das Vorderrad. Das
Duolever (siehe Kasten Seite 29) getaufte System ist aber nur die Spitze des Eisbergs. Als Sonderausstattung bietet BMW für 650 Euro eine elektronisch geregelte Federbasis- und Dämpfereinstellung, ESA genannt. So kann vor Antritt der Fahrt zwischen drei verschiedenen Grundeinstel-
lungen der Federvorspannung gewählt werden. Während der Fahrt ist es möglich,
zwischen drei verschiedene Dämpfereinstellungen hin- und herzuspringen – je nach Fahrbahnbelag und Tempo. Das funktioniert spürbar und einwandfrei.
Beachtlich ist außerdem die Fahrwerksgeometrie. Durch den weit nach vorn geneigten Motor ergibt sich ein langer Radstand von 1571 Millimetern. Das sind 12,1 Zentimeter mehr als bei der Kawasaki
ZX-12R, die in dieser Klasse das Referenz-Fahrwerk stellt. In Kombination mit dem flachen Lenkkopfwinkel von 60,6 Grad und dem langen Nachlauf von 112 Millimeter spricht theoretisch alles gegen ein gutes Handling der K 1200 S – in der Praxis verblüfft sie damit. Bis auf die gelungene
Ergonomie, von der das Handling profitiert, kann man’s eigentlich nicht richtig erklären.
Zurück zu ESA: Für den alltäglichen Gebrauch empfiehlt sich der Normalmodus, mit einem Helm im Display angezeigt. So bietet die BMW reichlich Komfort, ohne dabei unsportlich zu sein. Im Rennen gegen die Uhr, also auf dem Top-Test-Slalom-
parcours und der Kreisbahn, werden da-
gegen die besten Zeiten mit der Sporteinstellung erzielt. Mit einer Geschwindigkeit von knapp 105 km/h und einer Zeit von 20,8 Sekunden erzielt die K respektable Ergebnisse. Dennoch muss sie sich der ZX-12R, die den Parcours mit gut 110 km/h und in 20,1 Sekunden durcheilt, in dieser Disziplin geschlagen geben. Grund hierfür sind die starken Lastwechselreaktionen der BMW am Umkehrpunkt.
In der Kreisbahn liegt die BMW, die sich hier gegenüber dem Testmotorrad des Top-Tests in MOTORRAD 20/2004 verbessert zeigt, knapp vorn. Die ZX-12R dagegen muss dem mächtigen 200er-Hinter-
reifen Tribut zollen, der sie immer wieder aus der Bahn laufen lässt. Reifen sind auch bei der BMW ein Thema. Wurde die
K 1200 S bislang nur mit Metzeler Sportec M-1 getestet, kamen diesmal auch zum
direkten Vergleich Bridgestone BT 014 zum Einsatz, ebenfalls Erstausrüstung. Während die Metzeler beim Härtetest nur durch eine leichte Kickbackneigung und ihre sehr
kurze Lebensdauer negativ auffallen, muss der Lenkungsdämpfer bei der BT 014-bereiften K 1200 S Schwerstarbeit verrichten, um den Lenker wieder zu beruhigen.
Mit noch mehr Leistung, einem kürzeren Radstand und ohne Lenkungsdämpfer hat auch die ZX-12R mit Bodenwellen
zu kämpfen. Das leicht werdende Vorderrad kündigt im Gegensatz zur Bridge-
stonebereiften BMW die Tendenz zum
Lenkerschlagen jedoch frühzeitig an. In der
Summe gibt das elektronisch einstellbare Fahrwerk der BMW in diesem Kapitel den Ausschlag zu gunsten der K 1200 S.

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