Fahrwerke (Archivversion)

Wichtiger als der Antrieb - über die Leistung kann ja bestimmt keiner meckern - dürfte das Fahrwerk sein. Wer den ganzen Tag auf solchen Mördergeräten im Gelände unterwegs ist, lernt ein sanft ansprechendes Fahrwerk mit Reserven für Notfälle schätzen. Federung und Dämpfung: Geht es um Komfort, hat die Husky die Nase vorn. Ihre Marzocchi-Gabel hatte zwar bisher in puncto Abdichtung nicht den besten Ruf, konnte im Test aber ohne Abstriche überzeugen. Butterweich planiert sie kleine Unebenheiten, trotzdem sind gewisse Reserven für tiefe Wellen da. Auf holprigen, harten Pisten klebt das Vorderrad förmlich am Boden. Das schafft viel Vertrauen, gerade beim Freizeit-Enduristen. Positives ist auch über die hintere Federung zu berichten, die Husky ist nicht crossmäßig, sondern endurotypisch soft und ausgewogen abgestimmt. Nur Spitzensportler werden vielleicht beanstanden, daß die Husky-Federung in ausgefahrenen Bodenwellen etwas tief in den Seilen hängt. Härte vermißt man beim reinrassigen Leistungssportler von KTM nicht. Wenngleich die Federung gar nicht einmal so straff und hinten auch nicht sehr progressiv ist, unterbindet die Druckdämpfung der WP-Gabel auch in der offenen Einstellung das Durchschlagen der Federung wirksam. Der Preis: Wer locker sitzend dahinrollt, bekommt gnadenlose Schläge ins Kreuz, die KTM will immer unter Zug und oft im Stehen gefahren werden. Eben eine sehr sportliche Einstellung. Auch in der Husaberg reagiert die WP-Gabel wenig sensibel, wenn auch nicht ganz so störrisch. Das schwedische Leichtgewicht überzeugt in erster Linie dann, wenn kräftig Gas gegeben wird. Ist allein das Hinterrad belastet, bügelt der Öhlins-Dämpfer alle Bodenunebenheiten wirklich hervorragend weg. An steinigen, mit rechtwinkligen Kanten gespickten Bergauf-Passagen drückt er das Hinterrad förmlich an den Boden, was guten Grip bringt. Berg runter ist es nicht ganz so spaßig: Sobald die Gabel belastet wird, kommt Unruhe ins Fahrwerk.Lenkverhalten: Zeit wird in den Enduro-Sonderprüfungen hauptsächlich in Kurven gewonnen, und dort ist die Husaberg unschlagbar. Willig und präzise folgt die handliche Schwedin den Wünschen des Fahrers, der somit auch ganz enge Linien wählen kann. Auch kann er rechtwinklig aus einem Anlieger heraus nach innen abbiegen, was mit der ansonsten neutralen Husqvarna nicht so leicht ist, die bei Kurskorrekturen mehr Körpereinsatz verlangt. Mit viel Konzentation und noch mehr Gewichtsverlagerung nach vorn kriegt auch der KTM-Fahrer zügig die Kurve. Die SXC tendiert aber etwas dazu, übers Vorderrad aus dem Anlieger zu schieben. Diffizil wird es dann, wenn ein Anlieger fehlt, der Untergrund glatt und rutschig ist.Geradeauslauf: Diesbezüglich läßt sich die KTM durch nicht beirren und zieht stur ihre Bahn, nur beim Bremsen kommt von der schlecht ansprechenden Gabel auf harten Kanten manchmal ein Anflug von Unruhe in den Lenker. Absolut tadellos verhält sich hier die Husky, mit lockerer Hand läßt sie sich kräfteschonend selbst über total zerfurchte Pisten dirigieren. Richtig unangenehm, manchmal sogar gemeingefährlich kann es auf der Husaberg werden, wenn die Kräfte nach langen Tagesetappen allmählich schwinden. Sobald man nicht unter Zug fährt, muß sie mit eisenhartem Griff auf Kurs gehalten werden. Beim Anbremsen tut sie ihr möglichstes, den Fahrer durch hinterhältiges Lenkerschlagen abzuwerfen.Handling: Beim Endurofahren ist der Geradeauslauf nur ein Aspekt, oft wird trialmäßige Fortbewegung durch schwierigste Sektionern gefordert. Hier ist die Husaberg unumstrittene Königin, hier kann sie ihre Leichtigkeit und den niedrigen Schwerpunkt ausspielen. Die Husky und vor allem auch die KTM tun sich mit ihrem Gewichtshandicap von fast zehn Kilogramm schwerer. Bremsen: Guter Brembo-Standard bei allen dreien. Trotzdem sind geringe Unterschiede zu vermelden. So neigt die KTM hinten stark zum Stempeln, auch wenn die Kupplung gezogen wird.

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