Fahrwerksabstimmung (Archivversion) Der richtige Dreh

Wer mit Schwung über die Kerbs räubern will, muss nicht nur sich, sondern auch sein Fahrwerk voll im Griff haben.

Sportlich gesehen leben wir Motorradfahrer in rosigen Zeiten. Zigfache Einstellmöglichkeiten an den Fahrwerken erlauben eine exakte Abstimmung auf den gewüschten Einsatzbereich. Doch die Spielerei an all die vielen Knöpfchen und Rädchen mit bis zu 40 fachen Verstellmöglichkeiten bringt nicht immer nur Segen. Bei falscher Einstellung wird aus einem ursprünglich agilen Rennpferd schnell ein sturer Maulesel. Drei Tage testete MOTORRAD im italienischen Imola, um ein Fahrwerkssetting zehn begehrter Sportler herauszufahren, das auf nahezu jeder Rennstrecke Europas passt. Die Feinabstimmung vor Ort - abhängig von Fahrergewicht, Fahrkönnen und Fahrstil - muss jeder dann selber vornehmen.Wer mit der Abstimmung experimentieren will, sollte sich sowohl auf der Landstraße als auf der Rennstrecke an einige Grundregeln halten.1. Bevor wild an allen möglichen Knöpfen hantiert wird, zuerst die Serieneinstellung notieren oder sich im Fahrerhandbuch vergewissern, dass selbige dort aufgeführt ist.2. Beim Abstimmen niemals mehrere Veränderungen gleichzeitig vornehmen, sondern Schritt für Schritt vorgehen.3. Alle Einstellwerte von Zug- und Druckstufe werden grundsätzlich von der zugedrehten Maximalposition aus angegeben.4. Härte ist nicht alles. Auch für sportliches Fahren auf der Rennstrecke gilt: so weich wie möglich, so hart wie nötig.Die häufigsten Schwachpunkte, die es bei sehr sportlichem Einsatz mit Serienfahrwerken zu bekämpfen gilt, sind das Vorderradstempeln beim harten Anbremsen, störrisches Einlenkverhalten in Kurven und träges Handling in Schikanen, mangelnde Bodenfreiheit, Zielungenauigkeiten im Kurvenradius und ein pumpendes Heck beim Herausbeschleunigen. Jede Menge Probleme also, deren Ursache vor allem bei den japanischen Maschinen meist in der sehr weichen, komfortablen Grundabstimmung zu finden ist. Durch ein schrittweises Verstellen der Federbasis, was ein Anheben der Front oder des Hecks zur Folge hat, können Federwegsreserven vorn wie hinten mobilisiert werden. Das Zudrehen der Druckstufendämpfung und die damit verbundene Verringerung der Einfedergeschwindigkeit helfen ebenfalls, ungewollt starkes Durchfedern zu verhindern.Mehr Zugstufe sorgt für eine verlangsamte Ausfederbewegung und kann unkontrolliertes Aufschaukeln wie ein pumpendes Heck beruhigen. Außerdem wirkt sich die dadurch minimierte Eigenbewegung des Fahrzeugs positiv auf Handling sowie Zielgenauigkeit und zudem stabilisierend in der Kurvenfahrt und beim Herausbeschleunigen aus.Das Anheben der Heckpartie durch eine Niveauverstellung mittels Gewindespindel, wie sie zum Beispiel bei Kawasaki zu finden ist, fördert ebenfalls die Agilität. Ist keine Verstellmöglichkeit vorhanden, lässt sich der gleiche Effekt durch das Durchschieben der Gabelstandrohre, also die Absenkung der Fahrzeugfront, bewirken. Aber hierbei sollte man nicht gleich übertreiben, denn ein zu hohes Heck bedeutet instabilen Geradeauslauf und nachlassenden Grip am Hinterrad.

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