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Eicma 2010: Bilanz Fazit: Das war die Motorradmesse in Mailand

Während der Zweiradmarkt Italiens tief in der Krise steckt, entpuppte sich die Mailänder Motorradmesse als voller Erfolg – mit vielen, wenn auch meist traditionellen Neuheiten.

Die Zahlen kamen fast gleichzeitig: Mehr als eine halbe Million Besucher verzeichnete die Eicma  in Mailand und stellte damit einen neuen Rekord auf. Auf der anderen Seite sinken die Zulassungszahlen in Italien so dramatisch  wie nie zuvor – im gerade zu Ende gegangenen Oktober setzte es ein Minus von knapp 30 Prozent.

Auf der Messe, die vom 2. bis 7. Oktober dauerte, präsentierte Italien eine heile Motorradwelt: proppenvolle Hallen, zahlreiche Neuheiten, umlagerte Stände, begeisterte Reaktionen des Publikums. Die Hersteller haben die Krise aber voll im Blick und lassen sich auf keine Experimente ein. Die ungewöhnlichsten Neuheiten in Mailand waren daher Mischformen altbekannter Motorradtypen, etwa die Diavel von Ducati, die Cruiser und Sportler vereint. Deutlich gemäßigter ließ es Honda mit der Crossrunner angehen, deren Name zwar auf eine Mischform hindeutet, bei der es sich im Grunde aber um ein Straßenmotorrad mit leichten Enduro-Anklängen handelt. Extreme Motorräder gab es nur als Studie: Die Mille3 von Husqvarna  mischt gekonnt und ansprechend gleich drei Stile, nämlich Crosser, Sportler und Custom-Bike. Gebaut wird sie aber nicht.

Viele Hersteller besinnen sich da lieber auf Bewährtes, wie in Mailand deutlich zu sehen war. Piaggio nimmt seinen Klassiker Vespa PX mit Zweitaktmotor und Handschaltung erneut ins Programm, Honda offeriert nach längerer Pause wieder den günstigen Sportler CBR 600 F, und BMW kehrt zum GS-Einzylinder zurück, auch wenn er statt F 650 GS nun G 650 GS heißt. Die Königin der Messe, von den Leser der italienischen Zeitschrift "Motociclismo" noch während der Eicma gekürt, kommt ebenfalls nicht gerade aus der revolutionären Ecke: Die MV Agusta F3, ein Dreizylinder mit 675 Kubik, ist ohne Zweifel wunderschön, orientiert sich optisch aber voll am Supersportler F4 aus dem gleichen Haus.

Ein - zumindest kleines - Experiment kündigte BMW in Maiand an: Die Deutschen wollen wieder in den Rollermarkt einsteigen und zeigten auf ihrem Stand die Roller-Studie Concept C, wobeil das "C" für "commuter" (engl. für "Berufspendler") steht. Details der Studie, wie zum Beispiel die Kamera-Monitor-Kombination an Stelle von Rückspiegeln, wird es beim Serienmodell sicher nicht geben, aber insgesamt zeigt Concept C, wie sich BMW die Roller des Hauses für die nächsten Jahre vorstellt.

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Wirklich Innovatives kam in Mailand eher von Quereinsteigern wie dem Amerikaner Craig Bramscher. Seine beiden Elektro-Motorräder Enertia und Empulse zeigen neben neuer Technik auch ganz neue Linien. Ob man sie schön findet, ist Geschmackssache, aber innovativ und inspirierend wirken solche Neuheiten allemal.

Wenn die Mailänder Messe also auch weiterhin ein wenig im Zeichen der Krise stand, macht sie doch viel Hoffnung.  Traditionshersteller wie Honda, die letztes Jahr noch nicht mal auf der Messe vertreten waren, zeigen wieder Neuheiten, zudem setzen Quereinsteiger extreme und interessante Akzente. Ebenfalls Hoffnung machen die erstaunlich vielen jungen Besucher der Mailänder Messe. 16-Jährige zogen in Gruppen von Stand zu Stand und saßen auf 125ern Probe, Twens bewunderten Einsteigermodelle, aber auch teure Big Bikes. Für den Nachwuchs scheint also gesorgt – und den werden sich die Hersteller bestimmt nicht entgehen lassen.


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