Film: Die Reise des jungen Che (Archivversion) Reisen bildet

Ab 28. Oktober im Kino: Che Guevara und sein Freund Alberto auf Norton 500. Ein Film über ihre Reise durch Südamerika. Und ein Film, der zeigt, wie diese Reise ihre Persönlichkeit veränderte.

Che ist Ikone. Mit rotbesterntem Barret, diesem schönen, ernsten Gesicht, den Blick gerichtet auf das, was kommen wird. Revolution, nicht nur in Kuba. Alberto Kordas Foto kennt jeder. Der Kontext,
die Geschichte ist schon längst hinter
diesem von der Popkultur auf T-Shirts
und Postern vereinnahmten Signet zurück-
getreten. Natürlich ziert diese Ikone auch
das Kinoplakat. Obwohl der brasilianische Regisseur Walter Salles sich vorgenommen hat, mit seinem Film gerade diesen Kontext wieder herzustellen, den Anfang der Geschichte zu erzählen, die 1967 endete. Als Ernesto Guevara im bolivianischen Dschungel gefangen genommen und auf Betreiben der CIA erschossen wurde.
1952 macht sich der 23-jährige Medizinstudent Ernesto Guevara mit seinem fünf Jahre älteren Freund, dem Arzt Alberto Granado, auf eine Reise durch den südamerikanischen Kontinent. Von Argentinien über die Anden nach Chile, von dort weiter nach Peru, Kolumbien und Venezuela. Sie starten auf einer klapprigen Norton 500, Baujahr 1939, die sie Poderosa nennen, und als die schlapp macht, schlagen sie sich als blinde Passagiere, zu Fuß, per
Anhalter, Floß und Flussschiff durch. Was sie dabei erleben, schreiben sie auf, in
ihren Tagebüchern. Das von Che wurde unter dem Titel »The Motorcycle Diaries« zum Filmstart neu aufgelegt (Kiepenheuer & Witsch, 8,90 Euro).
Der Film folgt diesen Aufzeichnungen, erzählt aber eine andere Geschichte, eine Heilsgeschichte. Die Geschichte des Sohnes aus gutem Hause, den diese Reise zum Revolutionär macht. Was daran liegen mag, dass Regisseur und Drehbuchautor wissen, was Che damals noch nicht wuss-
te. Dass er sein Leben hingeben sollte
für die Armen. In Ches Buch vollzieht sich diese Entwicklung zwar ebenfalls als logischer und humaner Prozess, begründet durch die Erfahrungen während der Reise. Doch diese Veränderung der eigenen Person gestaltet sich bei weitem nicht so vor-
dergründig wie im Film. Dort ist Che von Anfang an einer, der auf die Erleuchtung wartet. Einer, der reist, um zu suchen, was er eigentlich schon gefunden hat.
Also stilisiert der Film, doch das macht er gut. Wesentlichen Anteil an seiner imposanten Bildsprache hat der französische Kameramann Eric Gautier, der die Farbenpracht Südamerikas in einer von Sepia-
tönen dominierten Farbpalette beschränkt. Stilisiert wird auch die Handlung. Indem weggelassen wird, was nicht zum Bild
des künftigen Heroen passt. Dass er Wein klaute, einen Hund erschoss, den er für
einen Puma hielt. Dass er aus dem ersten Stock auf das Obst schi..., versehentlich, das sein Gastgeber zum Trocknen in den Hof gestellt hatte. Dass er die Zeche prellte, absichtlich. All das schreibt Che selbst. Herrlich ironisch, herrlich sarkastisch. Da erinnern seine Aufzeichnungen manchmal an einen Schelmenroman. Diese Lebendigkeit, diese Raffinesse geht dem Film ab. Der dennoch überzeugt – mit grandiosen Bildern, überzeugenden Darstellern und
einer Story, die irgendwie doch korrekt ist. Nicht nur politisch.

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