Fortschritt in Tippelschritten? (Archivversion)

Wer die CBF 600 S, Jahrgang 2008, im Vergleich neben ihrer Vorgängerin sieht, ahnt bereits, was sich bei der gemeinsamen Probefahrt bestätigt. Es gibt mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede. Und das, obgleich neben dem neuen Motor auch der Alu-Rahmen nichts mehr mit dem Stahlgerüst der Vorgängerin gemein hat. Außer der Bauart (Zentralrohr) natürlich.

Bezüglich der Abmessungen blieb fast alles beim Alten. Eine etwas längere Schwinge und daraus resultierend zehn Millimeter mehr Radstand – das war es auch schon, was beide trennt. Und natürlich die geänderte Abstimmung der Gabel und des Federbeins. Vor allem die Gabel überzeugt mit größeren Dämpfungsreserven und lässt sich nun durch eine variable Vorspannung dem Beladungszustand anpassen. Insgesamt gibt sich das Fahrwerk der Neuen so einen Tick harmonischer, woran auch die besser dosierbare, teilintegrale Verbundbremse ihren Anteil hat. Der Druckpunkt ist klarer definiert als bei der Zweikolbenanlage, an der Wirkung gibt es hüben wie drüben nichts zu meckern.

Wohl aber an der Performance der Motoren im unteren und mittleren Drehzahlbereich. Beider, wohlgemerkt, denn wer die Leistungs- und Drehmomentkurven sowie die Messwerte (siehe Seite 22) vergleicht, kommt schnell dahinter, dass sich nicht allzu viel tat. Maximal trennen 2,3 PS und 1,5 Newtonmeter Drehmoment alt und neu, aber erst in Regionen jenseits der 8000/min. Darunter herrscht auf dem Prüfstand weitgehend Gleichstand, während in der Praxis die alte Vergaser-Version spürbar sanfter ans Gas geht als der Einspritzer. Darüber trösten auch die geringfügig besseren Beschleunigungs- und Durchzugswerte der Neuen nicht hinweg, und der Minderverbrauch von einem Zehntel Liter fällt eher unter das Kapitel Messtoleranz.

Deutlich spürbar hingegen ist der kultiviertere Motorlauf, während die Alte besonders auf der Autobahn kribbelt wie ein Sack Flöhe. Dazu eine Wegfahrsperre, eine Tankuhr statt schnöder Warnlampe, ein größerer Tank (20 statt 19 Liter) und –nicht zuletzt – ein hörbar satterer Sound. Das ist doch auch etwas, wenn man berücksichtig, dass der Preis gleich blieb.

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