Funsport Skatejetting Ja nicht bremsen!

Schneller. Tiefer. Und immer der Bahn nach. Die Dreads fliegen, das Herz rast. Mit Inlinern und motorisiertem Funsportgerät einem schnittigen Fahrvergnügen auf der Spur.

Am schwierigsten ist das Bremsen. Wie ein Motorrad geht der Skatejet beim Zug am Bremshebel vorne in die Knie und reckt sein Schwänzchen in die Höh´. Wegen des leichten Hecks aber viel extremer. Ein sanfter Griff bei geringster Geschwindigkeit und – pardauz! – das Gerät überschlägt sich wie eine Dreckschippe. Oha. Wer bremst, verliert – diese alte Wahrheit trifft des Skatejets Kern.
Auf dem Parcours des Herstellers schließe ich dennoch bald Freundschaft mit dem zweirädrigen Langschnabel. Beschleunigt wird mit Hebel statt mit Drehgriff. Als ich vor der ersten Kurve vom Gas gehe, bleibt die erwartete Motorbremse aus. Eiskalt erwischt mich ein Nachschub. Eieiei. Ich drücke den Jet instinktiv möglichst flach auf seine linke Seite und: Die Kurve ist unser! Auf das Bremsmoment hätten sie bewusst verzichtet, erklärt ein Instruktur. Damit sich keiner auf die Nase packt, wenn der Motor das Gerät abrupt stoppt.
Na bitte, geht doch. Gefahr gemeistert, der Ehrgeiz wächst, und ratzfatz macht das Ding nur noch Spaß! Vor allem links rum – meine Schokoladenseite – schaffe ich in relativ kurzer Zeit eine beachtliche Schräglage. Einmal mit dem Schnabeltier quer durch eine Großstadt, Berlin oder so, alle Passanten in Panik, ich souverän mitten durch, rängtängtäng... Nur geträumt. Denn jetten in der City oder auf geteerten Feldwegen ist hoffnungslos illegal.
Mit der Zeit zerrt das Gewicht des Jets ganz schön an den Unterarmen. Vor allem, weil zwei Finger ständig am Gashebel ziehen. Dadurch muss die Resthand mehr Schwenk- und Drückarbeit für den Richtungswechsel leisten. Die Konzentration lässt nach einer Viertelstunde erschreckend nach. Am Nachmittag geht´s dann in des Skatejets ureigenstes Revier: die Kartbahn. Hier trainiert ein Trüppchen von zehn Mann für das erste Rennen des Skatejet Race Cups. 3500 Euro kostet die Ausführung Race. Und das Basismodell immer noch stolze 2970 Euro. Hoher Preis? Nun, die Jets werden eben nur in geringer Stückzahl gefertigt.
Der Asphalt glänzt nass. Außerdem haben die Karts genau auf der Ideallinie ihre Gummiräder abgerubbelt, um mir eine glitschige Falle zu stellen. Das trübt den Fahrspaß immens, peitscht dafür den Adrenalinspiegel hoch. Allerdings versaubeuteln nicht die Zweitaktaggregate, sondern die Rollen der Inliner den nötigen Grip. Schade, ausgerechnet jetzt, wo ich das Ding halbwegs handhaben kann... Na gut, koste ich die mögliche Highspeed von 70 Stundenkilometern eben nicht aus. Während der Zitterpartie um die engen Kehren, inzwischen bei feinem Nieselregen, pfeifen sich die Skatejets kollektiv genug Wasser durch die Ansaugstutzen, um einer nach dem anderen abzusaufen.
Ob ich´s noch mal versuchen würde, wollen die Jungs von mir wissen. Ich zögere. Spaß hat´s gemacht, nur wo fahren? Aber... eigentlich... reizen tät´s mich ja doch...

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