Gebrauchtberatung 125er-Klasse (Archivversion)

Die Durchstarter

Aller Anfang ist eigentlich gar nicht schwer. In der 125er-Klasse bietet der Gebrauchtmarkt beste Chancen, selbst mit einem sehr beschränktem Budget sofort aufzusatteln. Spitzen-Spielzeuge gibt’s schon ab 1000 Euro.

Autofahren mit 17 Jahren – das ist seit Anfang 2008 in der ganzen Bundesrepublik möglich. Händler und Fahrlehrer berichten seitdem von einem spürbaren Interessensschwund an 125ern. Erstaunlich, denn Auto fahren ist nur in Begleitung unter strengen Auflagen erlaubt. Eigenmobilität haben die Jugendlichen also nicht gewonnen. Besorgte Eltern jedoch ein Argument mehr gegen das Motorrad. Dabei sind gerade die 125er eine hochinteressante Klasse, nicht nur für den Nachwuchs. Gebraucht gibt es eine Riesenauswahl an wirklich guten Maschinen, die sich extrem sparsam und narrensicher bewegen lassen. Für Pendler und Großstädter eine Überlegung wert, vom teuren Auto umzusteigen. Egal ob Zweitakt-Heißsporn, preisgünstiger Viertakt-Dauerbrenner, quirlige Supermoto oder gelassener Chopper – zum richtigen Durchstarten ist die 125er-Klasse genau richtig.
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Honda CBR 125 R (Archivversion)

Es gäbe einiges zum Rumnörgeln. Die 125er-CBR ist nicht nur klein, sie ist mickrig. Magersüchtig mit knochendürren Reifen, hinten ein 100er, das ist ja wohl ein Witz. Außerdem ist die Honda recht gewöhnlich, abgesehen von einer farbenfrohen Replica-Race-Verkleidung hat man sich nicht viel einfallen lassen, die 125er irgendwie sexy aussehen zu lassen. Unterm Kleid: überwiegend konventionelle Technik, ganz so, wie man es von einem billigen Transportmobil made in and for Asia, aber nicht von einem stolzen Sportler mit dem Namenszusatz „CBR“ erwartet. Man könnte weiterstänkern, über enge Platzverhältnisse, langweiligen Sound. Was aber einfach unangebracht ist, denn seit 2004 über 18000 verkaufte CBR 125 R allein in Deutschland zeichnen ein anderes Bild. Und man muss einfach mal festhalten: Dieser Superbestseller passt jedem, verbreitet eine Menge gute Laune und kann deutlich mehr, als man der Kleinen zutraut. Der sehr sparsame, etwas über 13 PS starke Viertakt-Einzylinder puscht stoisch nach vorn, und in engem Kurvengeläuf kann die 124 Kilogramm leichte Honda mit superbem Handling stärkere Konkurrenten sogar locker abhängen. Die zugegeben viel zu schmalen Reifen lassen sich problemlos mittels Freigabe durch deutlich voluminösere Pneus ersetzen (zum Beispiel Bridgestone BT 45, vorn 100/80, hinten 120/80). An der Qualität der einfachen Anbauteile gibt es nichts zu mäkeln, sie erfüllen ihren Zweck und sind preisgünstig bei der Wiederbeschaffung. Die Kette hält bei ordentlicher Pflege meist 15000 Kilometer und kostet rund 90 Euro, ein abgebrochener Kupplungshebel schlägt mit weniger als 20 Euro zu Buche. Werkstätten schwören auf die Zuverlässigkeit der 125er – von über 50000 Kilometern ohne größere Motorrevision ist da die Rede. Auch das 2007 überarbeitete, minimal leistungsstärkere und etwas teurere Einspritzmodell hält sich schadlos. Also: Unterm Strich ist die CBR 125 R ein Sorglos-Motorrad. Kaufen!

Plus
Verbrauch sehr gering, unter drei Liter/100 km
Handling erstklassig durch geringes Gewicht
Gebrauchtpreise günstig und fair

Minus
Platzverhältnisse für Fahrer ab 1,80 Meter etwas beengt
Reifendimensionen sehr schmal, nicht zeitgemäß


Marktsituation
Der 125er-Bestseller ist auch auf dem Gebrauchtmarkt sehr stark vertreten. Bei Händlern werden 2004/2005er-Modelle mit rund 15000 Kilometern ab 1200 Euro angeboten, uneingeschränkt empfehlenswerte Exemplare mit weniger als 10000 Kilometern finden sich in der Preisklasse 1500 bis 1800 Euro, ab 2000 Euro gibt’s neuwertige Maschinen, die höchstens zwei Jahre alt sind – die Einspritzmodelle ab 2007 sind nicht stärker gefragt. Privatanbieter können da ohne extremes Preisdumping kaum mithalten.


Daten
Wassergekühlter Einzylinder-Viertaktmotor, 125 cm³, 9,7 kW (13,2 PS) bei 10000/min, Gewicht 124 kg, Zuladung 180 kg, Tankinhalt 10 Liter, Sitzhöhe 790 mm, Höchstgeschwindigkeit 110 km/h, Verbrauch (Landstraße) 3 l/100 km Normal


Internet
Fansites: www.cbr125-forum.de, www.youngbiker.de
Gebrauchtangebote: https://www.1000ps.de/gebrauchte-motorraeder

Kaufcheck (Archivversion) - Acht Punkte, auf die man unbedingt achten sollte

Auf Sturz-, Umfaller- und sonstige Beschädigungen (etwa durch Anketten an Laternen) untersuchen.

Verschleißteile prüfen: Diverse Anbauteile wie zum Beispiel Kettensatz, Instrumente, Züge oder Armaturen sind aus Kostengründen ab Werk nicht von besonders hoher Qualität, bei nachlässiger Pflege drohen Folgeschäden.

Nach unbedarften „Tuning-Versuchen“ und Umbauten ohne Betriebserlaubnis fahnden. Insbesondere den Auspuff inspizieren: Illegale „Renntüten“ sind sehr populär.

Vorsicht, wenn äußeres Erscheinungsbild und Tachostand nicht zusammenpassen wollen: Bei 125ern wird öfters mal am Tacho gedreht!

Nicht nur den Kaufpreis, sondern auch die Folgekosten berücksichtigen, insbesondere Verbrauch (Zweitakter) und Ersatzteilkosten (speziell bei Baumarkt-125ern und chinesischen No-Name-Produkten), sonst kann es später teuer kommen.

Jugendliche Klientel ist leider oft unsensibel im Umgang mit dem Motor und vernachlässigt sorgfältiges Warmfahren, vor allem bei den Viertaktern. Da fast immer Vollgas gefahren wird, generell hohe mechanische Beanspruchung von Kupplung und Motor, speziell bei Drosselversionen. Deshalb besser nach ungedrosselten 125ern von älteren Autofahrern schauen und diese nachträglich drosseln.

Felgen sind durch ruppigen Bordsteinkontakt nicht selten verformt. Drahtspeichen können sich lockern.

Sehr hoher Wertverlust bei wenig gefragten Modellen.

MZ 125 SM/SX (Archivversion)

Es geht um den Style. Nicht nur bei jungen Extremsportarten wie Snowboarden oder Skaten, sondern eben auch auf dem Motorrad. Supermotos bieten beste Grundlage, am Style zu feilen. Und die SM ist – obwohl „nur“ eine 15 PS starke 125er – eine Vollwert-Supermoto, die mit klasse Fahrwerk, breitem Lenker und aufrechter Sitzposition zu unglaublichen Schräglagen und Drifts verführt, durch moderne Viertakt-Kultur jedoch niemanden überfordert. So was kommt gut an, und mit diesem Modell hatte der nicht unbedingt mit Erfolg verwöhnte sächsische Hersteller 2001 einen Coup gelandet. Die ebenfalls recht beliebte Enduro-Schwester 125 SX unterscheidet sich lediglich durch eine andere Besohlung (21 Zoll vorn, 18 Zoll hinten statt 17 Zoll bei der SM). Beide Modelle wirken irgendwie erwachsener als die meisten Klassenkameraden, sind zuverlässige Kumpels. Frisch, sportlich, gleichermaßen standfest und sparsam – das ist die Formel, wie man junge Einsteiger und auch ältere 125er-Freunde für sich gewinnt. Die beiden Hochbeiner sind jedenfalls sehr gefragt und aufgrund reichlich verkaufter Neumaschinen auf dem 125er-Gebrauchtmarkt problemlos zu ergattern. Bei einem guten Angebot heißt es also zugreifen, denn trotz der MZ-Firmenpleite ist die Ersatzteilversorgung auf viele Jahre hin gesichert. Aber bitte vor dem Kauf, insbesondere von privat, ein paar Dinge beachten! Die Steuerkette, die alle 6000 Kilometer kontrolliert werden sollte, schlägt bei zu starker Längung gegen das Motorgehäuse und kann teure Schäden verursachen. Dito die Sekundärkette. Die Erstausrüstung ist so mies, dass sie kaum 3000 Kilometer durchhält. Besser frühzeitig durch ein Qualitätsteil vom Nachrüstmarkt ersetzen, bevor die verschlissene Kette an der Alu-Schwinge nagt und böse Kerben hinterlässt. Vor Korrosion blühende Alu-Felgen deuten auf weniger gut gepflegte Draußensteher und Winterbetrieb hin. Nur eine Äußerlichkeit, aber die Maschine muss halt gut aussehen – nicht nur wegen des Styles.


Plus
Motor für ein Leichtkraftrad brillant
Fahrwerk erste Sahne, passt für Einsteiger und Fortgeschrittene
Ergonomie auch für Fahrer über 1,85 Meter bequem

Minus
Steuerkette ist anfällig
Sitzbank zu schmal und weich gepolstert
Kunststoffteile bei Exemplaren bis 2002 teilweise Qualitätsmängel


Marktsituation
Privatanbieter sind zwar in der Mehrheit, und deren Preisforderungen beginnen bei 1200 Euro. Derart billige Angebote sind jedoch kaum zu empfehlen – zu viele Gebrauchsspuren und Mängel schreien geradezu nach Folgekosten. Beim zur Gewährleistung verpflichteten Händler geht zwar selten was unter 2000 Euro, die Obergrenze liegt jedoch bei 2500 Euro, und dafür darf der Käufer ein lückenloses Scheckheft erwarten. Die Laufleistungen liegen meist deutlich unter 20000 Kilometern, empfehlenswerte Gebrauchte sind selten älter als fünf Jahre.


Daten (Baujahr 2003)
Wassergekühlter Einzylinder-Viertaktmotor, 124 cm3, 11 kW (15 PS) bei 9000/min, Gewicht 130 kg, Zuladung 190 kg, Tankinhalt/Reserve 12,5/3,6 Liter, Sitzhöhe 830 mm, Höchstgeschwindigkeit 108 km/h, Verbrauch (Landstraße) 3,4 l/100 km Normal


Internet
Fansites: www.mz-forum.de, www.youngbiker.de
Gebrauchtangebote:https://www.1000ps.de/gebrauchte-motorraeder

Privat oder Händler (Archivversion) - Gut oder billig

Werden heiß gefahren, sind heiße Eisen: 125er. Die meisten Händler lassen deshalb lieber die Hände davon, schließlich müssen sie ein Jahr lang (wenn nicht im Kaufvertrag extra vermerkt, sind es sogar zwei Jahre) für den beim Verkauf technisch einwandfreien Zustand gewähren. Da sie häufig arg geschundene Exemplare zunächst aufpeppeln müssen, sind ihre Angebote etwas teurer. Jedoch nur auf den ersten Blick, denn derartige Kosten können, wenn’s mies läuft, auch beim vermeintlichen Privat-Schnäppchen anfallen. Etwa für eine neue Kupplung, frische Bremsbeläge, neue Reifen oder einen Qualitäts-Kettensatz mit Einbau für 150 bis 200 Euro. Und eine große Inspektion mit Motorcheck liegt bei mindestens 200 Euro. Daher die Empfehlung: Wenn möglich, beim Händler kaufen. Von privat ist’s dann interessant, wenn Vorbesitzer und Maschine gut bekannt sind, wenn der Käufer ein versierter Schrauber ist oder wenn die Offerte deutlich unter 1500 Euro liegt und so Geld für etwaige Reparaturen übrig bleibt.

Standpunkt (Archivversion) - Startet selber durch!

Damals, weißte noch, die geilen Mopeds? Nur 80 Kubik, aber Spaß ohne Ende, und wir sind überall hin. Zur Disko mit der netten Biene, Steffi – oder wie hieß sie noch gleich? Und saubillig war’s... Halt, stopp! Leichtkraftrad fahren war nie billig und ist heute nicht teurer. Die Rückschau zeigt: 1988 gab es in Deutschland ab umgerechnet 1800 Euro Neumaschinen, die Auswahl von 22 Modellen war eher mau. Zehn Jahre später waren es rund 65 Modelle zwischen 2000 und 5000 Euro. Heutzutage, trotz heftiger Preissteigerung allerseits, sind rund 75 Leichtkrafträder im Angebot, neu ab 1500 Euro zu bekommen. Und bei Gebrauchten ist die Vielfalt an guten Offerten deutlich größer als vor 20 Jahren. Im Gegensatz zu den Gurken von einst weisen junge 125er moderne Viertakter, gute Bremsen und stabile Fahrwerke auf, die nicht nur Einsteiger überzeugen. Liebe Youngster, lasst euch von uns alten Säcken sagen: Damals war nicht alles besser. Und: Startet selber durch! Oder wollt ihr lieber von Mama zur Disko kutschiert werden?

Yamaha XV 125 Virago (Archivversion)

Die kleine 125er-Virago ist ein angestaubter Chopper. In jüngster Vergangenheit, also einer Zeit, in der Ressourcenknappheit und gestiegene Energiepreise ein großes Thema sind, scheint die XV 125 jedoch die Staubschicht wieder abzuschütteln. Im wahrsten Sinne, denn Werkstätten berichten, dass häufiger Exemplare von älteren Besitzern zu Besuch sind, die nach jahrelangem Stillstand zur allgemeinen Kontrolluntersuchung geschickt werden. Nach kleineren Wartungsarbeiten ist die grundsolide und völlig unproblematische Virago in der Regel wieder startklar. Als preisgünstiges, gut verarbeitetes Stadtfahrzeug oder Pendlermobil ist der Mini-Chopper mit kommodem, auch für Kleingewachsene passendem Sitzplatz und geringem Spritdurst nämlich ausgesprochen zeitgemäß. Bei ihrer Markteinführung 1997 galten freilich noch andere Werte: Chromblitzend, als erste Vier-takt-125er auf dem Markt, sollte sie möglichst viele Jugendliche wie auch Späteinsteiger auf die edle Chopper-Schiene bringen. Sie komplettierte die sehr erfolgreiche Virago-Reihe, deren Mittelklasse-Modell XV 535 noch heute die Bestandsliste des Kraftfahrt-Bundesamts anführt. Die kleinste Virago wurde ebenfalls zum Bestseller ihrer Klasse, 2003 dann jedoch endgültig vom Cruiser Drag Star 125 abgelöst. Das Angebot an sehr preisgünstigen und guten Maschinen ist derzeit groß. Das dürfte wohl auch der in der Regel low-budgetierten Jugend gefallen, wenngleich Fahrdynamik und Leistung nicht unbedingt überzeugen können. Vollgaspiloten rümpfen da natürlich die Nase. Aber es scheint genügend kühl kalkulierende Youngbiker zu geben, die Anschaffung und Unterhalt zusammenrechnen und dann der XV 125 den Zuschlag geben. Vielleicht sind sie der Zeit voraus.


Plus
Sitzplatz und Fahrwerk sehr bequem und komfortabel
Vau-Zwo zuverlässig, sparsam
Bremsen gut

Minus
Leistung gering, etwas schwachbrüstig
Sound säuselnd, wenig überzeugend
Aussehen altbacken


Marktsituation
Die kleinste Virago wird gebraucht recht häufig angeboten, Händler- und Privat-Offerten halten sich die Waage. Ordentliche Angebote, die um die zehn Jahre alt sind und weniger als 30000 Kilometer auf der Uhr haben, starten schon unter 1000 Euro. Um 1500 Euro finden sich einwandfrei gepflegte und gewartete XV 125 mit weniger als 10000 Kilometern. In dieser Preisklasse ist die Auswahl so groß, dass Anbieter kaum Chancen haben, bei Ansagen über 2000 Euro einen Interessenten oder gar Käufer zu finden.


Daten (Baujahr 1999)
Luftgekühlter Zweizylinder-Viertakt-V-Motor, 124 cm3, 7,6 kW (10 PS) bei 8500/min, Gewicht 153 kg, Zuladung 177 kg, Tankinhalt/Reserve 9,5/2,6 Liter, Sitzhöhe 815 mm, Höchstgeschwindigkeit 96 km/h, Verbrauch (Landstraße) 3,3 l/100 km Normal

Internet
Fansites: www.125er-forum.de, www.youngbiker.de
Gebrauchtangebote: https://www.1000ps.de/gebrauchte-motorraeder

Alternativen (Archivversion)

Hoher Verbrauch plus umgerechnet ein Schnapsglas teures Öl auf den Liter Benzin – Zweitakter sind eigentlich nicht mehr zeitgemäß. Kolben und Zylinder ereilen je nach Modell häufig ein früher Tod, moderne 125er-Viertakter stehen insgesamt deutlich besser da. Andererseits reizt die simple Zweitakt-Technik zum Do-it-yourself, geschickte Heimschrauber können teure Werkstattkosten sparen. Viele Modelle sind außerdem gebraucht sehr günstig zu bekommen. Und: Giftiger Elan und sonores Räng-Täng gehören für den Liebhaber zum guten Ton, wenn er an schwerfälligeren Viertaktern vorbeifliegt. Zweitakter haben also nach wie vor ihre Daseinsberechtigung.

Zweitakter:
Cagiva Mito
Hübsch, super­sportlich, seit fast zwanzig Jahren auf dem Markt – doch die Mito ist ein sehr anfälliges und entsprechend teures Motorrad. Nur was für echte Fans.

Honda NSR 125
Wie die Mito ein giftiger Vollsportler, aber zuverlässiger. Das Gebrauchtangebot ist recht gut, ver­nünftige Händler-Offerten beginnen bei 1500 Euro.

Yamaha DT 125 R
Second­hand-Offerten gibt’s en masse. Und viele günstige und gute Angebote sind darunter. Die bewährte DT ist unkompliziert und zuverlässig.

Yamaha TDR 125
Gib Gas, hab‘ Spaß! Dieses solide und empfehlenswerte Funbike beschert Motorrad-Einsteigern einen tollen Start. Noch gut bezahlbar, klasse Gegenwert.

Kawasaki KMX 125
Kleiner Gernecross – mit sportlichem Fahrwerk und starkem Motor, für wenig Geld zu haben. Dünnes Angebot an gepflegten Fahrzeugen.

Sachs XTC 2T
Heimatverbunde mit Faible fürs Exklusive und Schraubertalent fahren mit der deutschen Sachs gut: sexy Gitterrohrrahmen, sportlicher Auftritt, starke Bremse.

Viertakter:
Daelim Roadwin
Angenehm Konventionelles aus Korea – kein Renommee, dafür günstig in der Anschaffung (Exemplare ab 2004 mit wenig Kilometern schon um 1000 Euro).

Honda Varadero 125
Als teures Neufahrzeug für Youngster kaum erschwinglich, gebraucht ist die sehr erwachsen wirkende und extrem standfeste Honda eine echte Empfehlung.

Kawasaki Eliminator 125
Preisgünstig, aber keine windige Billignummer. Für tipptopp gepflegte Exemplare mit Scheckheft fallen selten mehr als 1500 Euro an.

MZ RT 125
Moderner, äußerst zuverlässiger Motor, extrem sparsam im Verbrauch, prima Fahrwerk. Ein unbedingt empfehlenswertes Motorrad zu fairen Gebrauchtpreisen.

Suzuki DR 125
Um 1000 Euro sehr passable Offerten. Geländegänger erhalten mit der kostengünstigen und sparsamen DR eine gute Alter­-native zu Zweitakt-Enduros.

Suzuki VL 125 Intruder
Ordentliche Platzverhältnisse auch für großgewachsene Fahrer ab 1,85 Meter. Etwas schwerfällig, zum stressfreien Cruisen aber ideal.

Aprilia RS 125 (Archivversion)

So wie die Italiener es verstehen, dass der Kaffee einen Tick besser schmeckt, der Anzug perfekt sitzt und die Schuhe einen Hauch mehr Stil haben, so gelingt es ihnen auch, ihren Motorrädern deutlich mehr Emotion einzuhauchen. Schließlich träumt man ja gerne mal, etwa von heißblütigen Überholmanövern oder Siegerposen beim Zieleinlauf. Aprilias RS 125 kommt direkt von der Rennstrecke, versprüht mit ihrem feinen Alu-Chassis, der üppigen Upside-down-Gabel und riesigen Bremsscheiben viel Grand-Prix-Esprit. Ungedrosselt bis zu 30 PS Leistung, damit lässt sich auch nach dem Erwerb des „großen“ Führerscheins sehr gut leben, so dass die Aprilia nicht nur in der Leichtkraftrad-Szene ein Zuhause hat. Auf dem Markt ist die exklusive und als Neuanschaffung extrem teure (über 5000 Euro) Zweitakt-125er jedenfalls gut vertreten. Seit 1992 hat die Maschine schon allein durch ihr hochsportives Auftreten massenhaft Jung-Einsteiger zum Aufsatteln animiert. Das Fahren – standesgemäß Vollgas zu heizen – löst ebenfalls Hochgefühle aus, denn kaum eine andere 125er bietet so viel Potenzial, seine Fahrkünste auszureizen. Generell gilt die RS als solide und qualitativ hochwertig, allerdings frisst der temperamentvolle Rennmotor verglichen mit braven Viertaktern einem buchstäblich die Haare vom Kopf. Nach dem Rausch kommt eben der Kater: Vollgas-Etappen werden mit einem Spritkonsum von bis zu acht Litern auf 100 Kilometer plus Ölanteil quittiert. Kolben, Zylinder und Dichtungen gehören alle paar Tausend Kilometer geprüft und oftmals getauscht. Eine größere Motor-Revision inklusive Kurbelwellenlager-Tausch (rund 1000 Euro) steht bei spätestens 24000 Kilometern an. Da poltern die Münzen nur so aus dem Geldbeutel. Nun ja, wer große Liebe will, darf halt nicht knickrig sein.


Plus
Qualität hochwertig
Fahrwerk stabil mit üppig dimensioniertem Alu-Rahmen
Emotionsfaktor hoch

Minus
Gebrauchtpreise tendenziell überteuert
Nebenkosten schlagen ordentlich zu Buche
Verbrauch bis zu acht Liter/100 km


Marktsituation
Der Secondhand-Markt für die RS ist riesig. Wobei in der Regel eine Vielzahl von Vorbesitzern die Maschinen gefahren (und leider oftmals auch malträtiert) haben. Gute Angebote an gepflegten, regelmäßig von Profis gewarteten Exemplaren sind sehr überschaubar. Als Daumenregel gilt: Unter 1000 Euro wird fast nur Schrott geboten, bis 2000 Euro finden sich vereinzelte Händlerangebote sowie ordentliche Privatofferten (ab Baujahr 2000, unter 10000 Kilometer) mit Scheckheft, über 3000 Euro wird’s schwer, eine gebrauchte RS loszuschlagen.


Daten (Baujahr 2005)
Wassergekühlter Einzylinder-Zweitaktmotor, 125 cm³, 21 kW (29 PS) bei 10500/min, Gewicht 141 kg, Zuladung 176 kg, Tankinhalt/Reserve 14/3,5 Liter, Sitzhöhe 815 mm, Höchstgeschwindigkeit 155 km/h, Verbrauch 4,3 l Super/100 km, 0,5 l Öl/1000 km


Internet
Fansites: www.aprilia-forum.de, www.youngbiker.de
Gebrauchtangebote: https://www.1000ps.de/gebrauchte-motorraeder

Nebenkosten (Archivversion) - Was sonst noch so anfällt

Ferienjob gemeistert, Maschine endlich im Stall – doch wie viele Euros müssen 125er-Piloten danach in die Hand nehmen? Für die Kfz-Versicherung: Führerschein-A1-taugliche, auf 80 km/h gedrosselte Leichtkrafträder kosten in der Teilkasko-Versicherung mit 150 Euro Selbstbeteiligung (empfohlen) bei Starter-Schadensfreiheitsrabatt (SF 0) um die 800 Euro Jahresbeitrag. Tipp: Jugendliche Fahrer können den Vertrag in der Schadensklasse SF ½ auf einen Elternteil laufen lassen – die Teilkasko liegt jährlich dann bei rund 500 Euro. Eine ungedrosselte 125er (lediglich mit „großem“ Führerschein ab 18 Jahren) schlägt nach zwei schadensfreien Jahren in der Teilkasko übrigens nur noch mit rund 80 Euro zu Buche. Von der Kfz-Steuer sind Leichtkrafträder erfreulicherweise befreit, als 125er-Kraftrad angemeldet liegt der Betrag auf dem Niveau einer Bestellpizza: 9,20 Euro pro Jahr. Deutlich teurer wird’s beim Führerschein. Laut der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände (BVF) müssen die Nachwuchsfahrer für den Führerschein A1 je nach Region und Fahrkönnen zwischen 900 und 1400 Euro berappen. Nach diesen Ausgaben sparen junge Einsteiger oft an der Sicherheitsausstattung. Fatal, und laut Gesetzgeber ist lediglich ein Helm vorgeschrieben, den gibt’s beim Discounter schon für schlappe 30 Euro. Eine mit gutem Gewissen empfehlenswerte Vollausstattung besteht jedoch aus festen Lederstiefeln (ab 70 Euro), einer Textilkombi mit wasserdichter Klimamembran (günstige Hausmarke oder runtergesetzte, eventuell auch Secondhand-Markenware ab 300 Euro), zuverlässigen Handschuhen (wasserdicht, Klettriegel, ab 30 Euro) und einem vertrauenswürdigem Helm mit guter Passform, Belüftung und Bedienung, den man unbedingt als Neuware erwerben sollte (ab 100 Euro akzeptable Angebote). Macht also mindestens 500 Euro für die Klamotten. Neben der Anschaffung der Maschine benötigt man summa summarum etwa 2000 Euro im ersten Jahr zum Durchstarten, im Folgejahr noch rund 400 Euro plus Sprit, Wartungs- und etwaige Reparaturkosten. Für ältere Motorradfahrer entpuppen sich speziell die soliden Viertakt-125er (ungedrosselt) indes als regelrechte Spardosen, nicht zuletzt wegen des niedrigen Benzinverbrauchs von teilweise unter drei Litern.

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