Gebrauchtberatung: billige, kleine Viertakter (Archivversion) Kost’ fast nix

Nur weil etwas aus der Mode ist, muss es nicht gleich völlig out sein. Im Gegenteil: Ist der Nutzen hoch, der Preis aber unten, lohnt der Kauf von unmodischen Dingen wie kleinen Viertaktern.

Das schwarzweiße, bebömmelte Pa-lästinenser-Tuch, modisches Relikt der Achtziger und frühen Neunziger, ist heutzutage bestenfalls noch im Second-Hand-Shop gefragt. Nicht mehr trendy, genau wie die Maschinen, auf denen die Tuchträger seinerzeit zur Arbeit oder Uni düsten: 250er-Viertakter ohne Schnörkel, die einfach ihren Dienst taten.
Modelle wie eine vor neun Jahren als Neufahrzeug umgerechnet lediglich 3500 Euro teure Honda CB 250 Two-Fifty oder eine heute immerhin noch 7000fach zugelassene Suzuki GN 250 sind solche
Arbeitstiere. Zuverlässig, stressfrei, sparsam. Die 250er-Viertakter kosten nur
18,40 Euro Steuern im Jahr, die Haftpflicht schlägt, je nach Versicherung, bei jungen Einsteigern mit jährlich rund 100 Euro zu Buche, ältere Fahrer mit hohem Schadenfreiheitsrabatt brauchen bei günstigen Versicherern sogar nur rund zwei Euro pro Monat zahlen. Ähnlich preiswert: die im Vergleich jüngeren Midi-Cruiser Kawasaki EL 250 und Yamaha XV 250. In den Neunzigern gelang es ihnen nicht so recht, auf der allgemeinen Chopper-Erfolgswelle zu reiten. Genau wie Palästinenser-Tücher gerieten sie in Vergessenheit. Heutzutage gibt es die Ladenhüter von einst als Second-Hand-Ware oftmals zum super Preis-Leistungs-Verhältnis.
Das wissen auch Wohnmobilisten mit Motorradführerschein zu schätzen. Sie nehmen gerne Viertelliter-Chopper und
-Straßenmaschinchen per Huckepack mit
in den Urlaub, um sie vor Ort flexibel
als motorisierten Lastesel einzusetzen, der außerdem auch für kleinere Ausflüge und Touren herhalten kann. Speziell leichte Einzylinder-Maschinen wie die Suzuki GN 250 mit ihren vollgetankt 150 Kilogramm sind für diesen Einsatzzweck prädestiniert. Derartige Reisebegleiter sind auf dem
Gebrauchtmarkt für unter 1000 Euro zu kriegen und damit nicht teurer als andere Freizeitgeräte wie Mountainbikes, Paddelboote oder Surfbretter.
Die niedrige finanzielle Barriere beim Kauf einer Brot-und-Butter-250er ist für junge Motorrad-Einsteiger mit schmalem Geldbeutel ebenfalls ein schlagendes Argument. Nicht zuletzt empfehlen sich
die Billig-Bikes aufgrund ihrer einfachen Handhabung, denn zum Herantasten an
das eigene Fahrkönnen eignen sie sich ganz ausgezeichnet als Erstmaschine. Sogar länger als nur für eine Saison. Und auch als Zweit- oder gar Drittmaschine
für schwerstabhängige Motorradjunkies machen sie eine klasse Figur. Zum Beispiel für Pendler oder Kurzfahrten im Stadtverkehr, die man einer neuwertigen Edelmaschine nur ungern zumuten würde.
Allgemein geht der Trend im Motorradmarkt zu leistungs- und hubraumstarken Maschinen. Mit der Folge, dass Einsteiger sich mit ihrem ersten Bike manchmal
komplett überfordern. Oder nach dem Führerscheinerwerb zunächst gar nicht fahren, weil das Traummotorrad finanziell unerreichbar ist.
Deshalb: Die Ansprüche herunterschrauben, eine einfache Kosten-Nutzen-Rechnung anstellen und das Angebot kleiner Gebraucht-Viertakter durchforsten. MOTORRAD stellt neben den vier 250ern außerdem noch einige ähnlich preisgünstige Alternativen vor (siehe Seite 61). Übrigens: Bei jungen Trendsettern auf Schulhöfen, Rockfestivals oder im Skatepark werden seit Neuestem wieder Palästinenser-Tücher gesichtet.

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