Gebrauchtberatung BMW K 1200 S (Archivversion)

Gebrauchtberatung BMW K 1200 S

Bis 2004 wurden Vierzylinder von BMW in Sportfahrer-Kreisen nur milde belächelt. Dann kam die K 1200 S, und alles wurde anders. Als junge Gebrauchte ist die fesche Münchnerin ein gefragtes Modell und keinesfalls billig zu haben.

Die alte K-Reihe von BMW, im Volksmund gerne als »flying brick« verspottet, wollte sich den Treibern japanischer Rennsemmeln nie so recht erschließen. Zu behäbig, hieß es oft an den Stammtischen. Doch dann brachten die Münchner mit einer aggressiven Werbekampagne (»Face the Power«) und einem vollmundigen Leistungsversprechen die neue K 1200 S in die Läden. 167 PS sollte die 1200er leisten, was die MOTORRAD-Tests bestätigten.
Auf der Straße wusste die K von Anfang an zu überzeugen. MOTORRAD-Tester Werner Koch attestierte der »bärenstarken, komfortablen Maschine« im Top-Test (Heft 20/2004) faszinierendes Potenzial »auf kurvigen Landstraßen ebenso wie beim Marathon-Touren«. Einziges Manko: »Die Trinksitten der K 1200 S bedürfen einer Nachbesserung.« 6,8 Liter pro 100 Kilometer rauschten bei Tempo 130 in die Brennräume. Und in der Abschlussbilanz des MOTORRAD-Dauertests (Heft 24/2006) zeigte sich der Bayern-Four mit durchschnittlich 6,6 Litern nicht minder durstig. Zumal zur optimalen Leistungsausbeute teures Super Plus in den Tank muss. Aufgrund der Klopfsensorik verdaut der Motor zwar auch weniger Oktan, kontert das allerdings mit Leitungsverlust.
Highlight der neuen K-Generation ist und bleibt das revolutionäre Fahrwerk mit Duolever-Vorderradaufhängung, bei der die Lenkkräfte mittels Scherengelenk übertragen werden. Gekrönt wird das Ganze durch die Sonderausstattung ESA. Per Knopfdruck lässt sich das Fahrwerk in Dämpfung und Federvorspannung elektronisch justieren. Auf dem Gebrauchtmarkt finden sich viele Maschinen, die über dieses Extra verfügen. Ohnehin ist die neu rund 15000 Euro teure BMW von vielen Erstbesitzern ab Werk mit zahlreichen Extras geordert worden, »nackte« Basisvarianten sind die Ausnahme. Insgesamt ist das Angebot aber so vielfältig, dass sich Gebrauchtkäufer die K mit Wunschausstattung herauspicken können. Und da bei dieser in der Regel bereits die Macken der Erstserie behoben wurden, kann einem die 1200er mehr Spaß bereiten als manchem Vorbesitzer.
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MOTORRAD-Tests (Archivversion)

Die neue K musste bei MOTORRAD richtig ran. Zwar räumte sie im Top-Test mit 746 Punkten
fett ab und setzte sich damit an die Spitze der Bestenliste. Doch damit hatte sie noch lange
nicht alle Schäfchen im Trockenen. Neben
diversen Vergleichstests folgte der bravourös gemeisterte 50000-Kilometer-Langstrecken-
test. Zudem trat der neue Vierzylinder in einem
Konzeptvergleich auf der Isle of Man gegen
Honda Fireblade, Kawasaki ZZR 1200, Suzuki Hayabusa und Yamaha FJR 1300 A an. Und
nach dem unfreiwilligen Relaunch von 2005 fühlten die MOTORRAD-Tester dem überarbei-
teten Ventiltrieb mit einem Dauer-Härtetest
auf den Zahn: 8000 Kilometer, von denen 4000
unter Volllast auf dem Highspeedoval von
Nardo/Italien gefahren wurden.

20/2004 (TT), 22/2004 (KV), 07/2005 (T),
09/2005 (VT), 12/2005 (ABS-VT),
12/2006 (VT), 16/2006 (LT), 24/2006 (LT)

*Nachbestellungen: Tel. 0711/182-1229; T=Test, TT=Top-Test, KV=Konzeptvergleich, VT=Vergleichstest, LT=Langstreckentest

Besichtigung (Archivversion)

Die K gilt in der Regel als sehr zuverlässig. Bei der Besichtigung sollte man vor allem auf eine lückenlose Scheckheftpflege achten. Empfehlenswert ist außerdem, beim BMW-Vertragshändler anhand der Fahrgestellnummer überprüfen zu lassen, welche Arbeiten genau gemacht wurden. Wer ganz sicher gehen will, vereinbart einen Werkstatt-Check, der kostet im Schnitt rund 50 Euro. Ein Zubehör-Schalldämpfer bringt bisweilen einen schlechteren Motorlauf. Beim Kauf sollte deshalb der Originaltopf noch vorhanden sein.

Marktsituation (Archivversion)

Der 1200er-Four wird rege gehandelt, das Angebot ist groß und vielfältig. Bis Ende 2006
sind knapp 6000 Motorräder des Typs in Deutschland (weltweit zirka 17000) zugelassen worden. Die Offerten verteilen sich relativ gleichmäßig auf die Jahrgänge 2005 und 2006 und kommen in der Hauptsache von Händlern. Privat wird die K 1200 S kaum angeboten. Der Vierzylinder von BMW ist gebraucht ab knapp 10000 Euro zu haben. In dieser Preisklasse handelt es sich überwiegend um 2005er-Modelle mit rund 30000 Kilometer Laufleistung. Ab 12000 Euro gibt es den Jahrgang 2006 mit rund 10000 Kilometern auf der Uhr. Die meisten Offerten sind mit zahlreichen Extras (Bordcomputer, ESA-Fahrwerk, Heizgriffe) ausgestattet.
Modell Baujahr Verkäufe
K 1200 S 2004 581*
2005 3164
2006 2083

*Aufgrund des Auslieferungsstopps sind viele
Bestellungen aus dem Jahr 2004 erst 2005 ausgeliefert
und zugelassen worden.
Baujahr km-Stand Preis in Euro
2005 um 30000 9500–10500
um 10000 10900– 11500
2006 um 15000 11800– 12500
um 20000 12800–13800

Technik (Archivversion)

Motor
Wassergekühlter Vierzylinder-Viertakt-Reihenmotor, zwei Ausgleichswellen, je zwei oben liegende, über Zahnräder und Kette getriebene Nockenwellen, vier Ven-
tile pro Zylinder, Schlepphebel, Trocken-
sumpfschmierung, Einspritzung, Ø 46 mm, geregelter Katalysator, hydraulisch betätigte Mehrscheiben-Ölbadkupplung, Sechsganggetriebe, Kardan.
Bohrung x Hub 79,0 x 59,0 mm
Hubraum 1157 cm3
Nennleistung
123 kW (167 PS) bei 10250/min
Max. Drehmoment
130 Nm bei 8250/min
Fahrwerk
Brückenrahmen aus Aluminium, vorn Doppellängslenker aus Stahl (mit ESA: verstellbare Zugstufendämpfung), Zweigelenk-Einarmschwinge aus Aluminium, Zentralfederbein mit Hebelsystem, verstellbare Federbasis und Zugstufendämpfung (mit ESA: verstellbare Feder-
basis, Zug- und Druckstufendämpfung), Doppelscheibenbremse vorn, Ø 320 mm, Vierkolben-Festsättel, Scheiben-
bremse hinten, Ø 265 mm, Doppelkolben-Schwimmsattel, Verbundbremse, ABS.

Alu-Gussräder 3.50 x 17; 6.00 x 17

Reifen 120/70 ZR 17; 190/50 ZR 17
Maße und Gewichte
Radstand 1571 mm, Lenkkopfwinkel 60,6 Grad, Nachlauf 112 mm, Federweg v/h 115/135 mm, Sitzhöhe 825 mm, Gewicht vollgetankt 254 kg, Zuladung 196 kg, Tankinhalt 19 Liter.

Fahrleistungen
Höchstgeschwindigkeit* 280 km/h
Beschleunigung
0–100 km/h 3,0 sek
Durchzug
60–100 km/h 3,6 sek
100–140 km/h 3,5 sek
Verbrauch
Landstraße 6,3 l/100 km, Super Plus

Modellpflege (Archivversion)

2004 Verkaufsstart im Herbst zum Preis von 14850 Euro, dann aber Auslieferungsstopp, weil Fehler
bei der Beschichtung der Schlepphebel (Ventiltrieb) auftraten.
2005 Erneute Aufnahme der Serienproduktion ab Januar. Ab August (Beginn Modelljahr 2006) werden die Abgaswerte an die Euro-3-Norm angepasst. Entfall der Warnblinktaste, die Funktion wird durch gleichzeitiges Drücken beider Blinkschalter aktiviert. Bordcomputer als Sonderausstattung verfügbar. Preis: 14850 Euro.
2006 Ab August (Start Modelljahr 2007) Umstellung auf die neue ABS-Generation (Integral-ABS II), modifizierte Getriebeübersetzung und Gangabstufung, überarbeitete Zünd- und Einspritzkennfelder, Bordcomputer (Extra) um Ölstandswarner erweitert, Reifenluftdruckkontrolle als Sonderausstattung erhältlich. Preis: 15200 Euro.

Rückrufe und Überarbeitungen

2005 Fertigungstoleranzen in den Kugelgelenken des Duolevers, wird bei betroffenen Maschinen (zumeist aus der Erstserie) auf Kulanz getauscht; Hauptständer (Extra) zwecks Standfestigkeit verlängert; geänderte Bremsscheibenlagerung, um Quietschen zu beseitigen.
2006 Austausch der Hohlschraube bei Modellen mit neuerem Integral-ABS von FTE; Austausch ABS-Sensor plus geänderte Kabelführung, um Fehlverlegungen nach Rad-oder Reifenwechsel zu verhindern.
2007 Einbau eines Ventils in den Verschlussdeckel des Ölbehälters, um Undichtigkeiten bei Kälte vorzubeugen; geänderte Öldüse, um Kupplungsrutschen beim Anfahren zu vermeiden.

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