Gebrauchtberatung Honda CB 500 (Archivversion)

Musterschüler

Zickt nicht rum, ist günstig und funktioniert mustergültig. Die CB 500 bekommt beste Noten von Fahrlehrern. Motorrad-Einsteiger mögen die etwas blasse Honda auch. Die meisten jedenfalls.

»Wenn ich die Führerscheinprüfung bestanden habe, würde ich am liebsten eine BMW R 1200 GS haben. Das Geld reicht aber wohl nur für die 1100er. Trotzdem mein Traummotorrad.«

»Junge, lass dir sagen: Fang erst mal klein an. Das Motorrad, auf dem du gerade sitzt, ist das Richtige für Einsteiger. Fahr so etwas im ersten Jahr. Wenn du dann ein wirklich sicherer Motorradfahrer geworden bist, kannst du auf eine größere Maschine umsteigen.«
»Aber...«

Kein »Aber«. Nicht im Dialog zwischen Jakob Walcher und seinem Fahrschüler Matthias Haug. Das hat einen einfachen Grund: Walcher ist seit 33 Jahren Fahrlehrer und seit über 40 Jahren Motorradfahrer, Student Haug hat gerade seine vierte Fahrstunde auf einer Honda CB 500 absolviert. Ein ausgesprochener Motorrad-Neuling. Also kein »Aber«, denn der Fahrlehrer hat schon einige solcher Aspiranten an zu großen, zu starken, zu wilden Traummotorrädern scheitern sehen. Er weiß
von einem Späteinsteiger zu berichten,
der partout einen schweren, unhandlichen Tourer fahren wollte, das Motorrad aber in Fahrtrichtung hingestellt bekommen musste, damit er überhaupt vom Hof kam. Mit einer Honda CB 500 scheitert man nicht. So die feste Überzeugung von Walcher. Die verzeihe es, wenn man aus Versehen die Kupplung schnalzen lasse oder beim Anfahren zu stark Gas gebe. Ein ideales Anfängermotorrad, eines der gutmütigsten Motorräder. Dazu günstig und zuverlässig, wirbt Walcher für die Honda.

»Die Maschine bekommst du nicht klein. Mit ein bisschen Pflege und regelmäßiger Wartung kannst du lange was von ihr haben. Wir haben schon die zweite CB 500 in der Fahrschule. Die erste lief immer anstandslos. Die hier jetzt auch. Du musst alle paar tausend Kilometer die Kette nachspannen und regelmäßig fetten, gelegentlich den Ölstand kontrollieren und das ganze Motorrad immer schön putzen. Das
ist aber schon das ganze Geschäft,
das du mit diesem Motorrad hast. Nur
die Kratzer von kleineren Stürzen und
Umfallern trüben ein wenig das Bild.
So etwas passiert jedem Anfänger, auch außerhalb der Fahrschule. Kann man jedoch alles für kleines Geld ersetzen, dann sieht sie wieder aus wie vorher.«

»Aber...«

Nix »aber«. Zugegeben, das Aussehen
besticht nicht gerade. Brav, bieder. Da fehle der Pfiff, wendet Fahrschüler Haug ein. Sehe halt aus wie ein Motorrad, aber eben nicht mehr. Klar, er suche schon etwas, das auch für den Weg zur Uni oder zur Stuttgarter Innenstadt mit ihren knappen Parkplätzen als Transportmittel taugt. Dafür wäre die CB schon ideal. Doch jetzt, wo endlich genügend Geld für ein Motorrad zusammengespart, die Theorieprüfung bestanden sei und er bald den Führerschein besitze, orientiere er sich als Gebrauchtkäufer dann doch in eine andere Richtung. Wie gesagt, so eine große BMW, die wäre...

»Glaub’ mir Junge, überdenk’ das Ganze noch mal. Ziehe 1000 Euro von dem Geld, das du für das Motorrad anlegen willst, ab. Für Versicherung, Steuern und unvorhergesehene Reparaturen. Kauf kein Motorrad, das älter als fünf Jahre ist. Ansonsten musst du nämlich ganz genau hinschauen, damit du kein faules Ei erwirbst. Eine zwei, drei Jahre alte CB 500 im Superzustand bekommst du vergleichsweise billig. Spar dein Geld, und wenn du später weißt, was
du für ein Motorradtyp bist, kannst
du immer noch in dein Traummotorrad
investieren. Bis dahin wirst du mit so einer CB 500 sehr glücklich.«

»Ja, aber ich bin fast 1,90 Meter. Die 60 Minuten Fahrstunde gehen immer sehr gut, doch für längere Fahrten passt mir die CB nicht. Der Kniewinkel ist zu spitz, ich sitze da drauf wie ein Affe auf dem Schleifstein. Wenn ich zehn Zentimeter kleiner wäre, würde ich mir vielleicht tatsächlich dieses Motorrad kaufen, weil ich mich damit sehr sicher fühle. Aber die Honda ist mir einfach zu klein.«

Dem Argument seines großgewachsenen Fahrschülers kann Walcher kein »Aber« entgegensetzen. Kleinere Menschen sollten hingegen auf die Worte des Fahrlehrers hören, denn die Honda CB 500 ist tatsächlich eines der empfehlenswertesten Gebrauchtmotorräder auf dem Markt. Nicht nur für Anfänger.
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(Archivversion)

Modellgeschichte
Die CB 500 im Renneinsatz? Da lachen ja die Hühner! Deshalb besonderes Kuriosum innerhalb der Modellgeschichte: Honda bot diverse Cup-Veranstaltungen in Frankreich, Großbritannien und Italien an. 1999 gab es im französischen Le Mans sogar ein spezielles 24-Stunden-Rennen für CB 500. Von den 41 angetretenen Teams musste keines wegen technischer Defekte aufgeben. Mögen die Kritiker bezüglich
der Sporttalente dieses ausgesprochenen Brot-und-Butter-Motorrads lachen, in Sachen Langstreckentauglichkeit lässt sich die Honda nur wenig vormachen. Das wissen deutsche CB-Besitzer, auch ohne Rennen zu fahren. Seit Markteinführung der 500er hatten sie kaum Grund, an ihrer Maschine
zu mäkeln. Hondas Konzept, ein preisgünstiges und gleichzeitig besonders zuverlässiges Motorrad zu bauen, ging auf.
Viele kostenbewusste Alltagsfahrer wie etwa Berufspendler mit Motorradführerschein oder Kurierfahrer entschieden sich für die CB 500 als Sparmobil. Und um möglichst viele Einsteiger zu überzeugen, luden die Japaner zur Präsentation der 500er nicht nur ausgewählte Fachjournalisten ein, sondern auch eine Gruppe von Fahrlehrern. Denen gefiel die Maschine, dito den Presseleuten, später ebenso den vielen Motorrad-Novizen, die in der Fahrschule Erstkontakt mit der CB 500 hatten.
Das Mittelklasse-Bike verkaufte sich jedenfalls auf Anhieb sehr gut. In der Modellpflege tat sich nicht viel. Was die Kunden nicht störte, denn Anfang der Neunziger kam es aufgrund des hohen Yen-Kurses in dieser Kategorie Motorrad mehr auf einen attraktiven Preis als auf technische Highlights an. Der Twin
lief gut, das nur 8960 Mark teure Motorrad war schnörkellos und fuhr sich quasi idiotensicher.
Warum also etwas ändern? »Never change a running system«, lautete offensichtlich die Devise der Honda-Mannen. Beim Modellwechsel der intern als PC 26 bezeichneten Maschine zur PC 32, die seit dem Modelljahr 1997 in Italien vom Band rollte, spendierten die Ingenieure dem kleinen Naked Bike immerhin hinten eine Scheiben- statt Trommelbremse. 1998 kam mit der CB 500 S eine Variante mit Cockpitverkleidung hinzu, die sich technisch ansonsten aber nicht unterschied. Nach rund zehn Jahren Bauzeit verabschiedete sich die kleine Honda letztes Jahr vom Markt und ist heute trotz oder gerade wegen ihres fast schon bescheidenen Auftritts ein gefragtes Gebrauchtmotorrad.

Marktsituation
Das Angebot an gebrauchten CB 500 lässt kaum Wünsche offen, weil es schier unerschöpflich ist. Jungspunde mit schmalem Taschengeld werden ebenso fündig wie alte Hasen, die vielleicht ein
neuwertiges Zweit- oder Alltagsmotorrad suchen. Schließlich wurden nach Honda-Angaben ursprünglich mehr als 26000 Maschinen neu verkauft, von denen heute immer noch deutlich mehr als 20000 auf deutschen Straßen anzutreffen sind. Über
die Hälfte der Zulassungen sind 34-PS-Varianten. Ein Zeichen dafür, dass die CB 500 hauptsächlich im Visier von Einsteigern steht. Diese suchen häufig Offerten bis 2000 Euro. Angeboten bekommen sie dafür meist Modelle bis 1997, also die PC 26 mit Laufleistungen um die 30000 Kilometer.
Da der Motor viel wegsteckt, lohnt für Sparfüchse
die Jagd auf Schnäppchen mit höheren Laufleistungen. Vereinzelt finden sich ältere und gut
gepflegte CB 500 mit mehr als 50000 Kilometern
für 1000 bis 1500 Euro. Wer mehr Geld anlegt,
etwa 2500 Euro, bekommt auf dem Privatmarkt
eine große Auswahl von PC 32 bis Baujahr 1999
mit einem Tachostand zwischen 10000 und 20000 Kilometern. Noch mal 500 Euro draufgelegt, und
es gibt ein topgepflegtes Fahrzeug mit geringer Laufleistung, oft aus erster Hand. Die neu etwas teurere »S«-Version mit Cockpitverkleidung wird als Gebrauchte in der Regel nur für rund 100 Euro mehr verkauft.
Ab 3500 Euro in der Tasche kann sich der Käufer auf die Suche nach einer CB 500 oder CB 500 S im Fast-Neuzustand machen. In dieser Preisliga empfiehlt sich der Weg zu einem Händler. Gerade jüngere
Besitzer bekommen vom Händler teilweise attraktive Inzahlungnahme-Angebote, wenn sie nach zwei, drei Jahren von ihrer CB 500 auf eine größere Neumaschine wie etwa eine CBF 600, CBR 600 oder Hornet umsteigen. Der Händler seinerseits bringt eine CB 500 aus erster Hand vergleichsweise einfach an den Mann oder die Frau, denn Neu- oder Späteinsteiger mit Interesse an diesen Gebrauchtmaschinen gibt’s überall genug.
Natürlich werden manche Maschinen absolut überteuert ausgeschrieben. Tipp: Möglichst viele verschiedene Offerten vergleichen und dann in Ruhe eine Auswahl der Maschinen treffen, die man vor
Ort besichtigen und Probe fahren möchte. Keine Eile! Da das Angebot so groß ist, findet sich meist etwas
Vergleichbares, falls einem das Wunschobjekt vor der Nase weggeschnappt wird.

Besichtigung
Die Bilanz des MOTORRAD-50000-Kilometer-Langstreckentests fiel 1996 knapp und freundlich aus: Außer Spesen nichts gewesen. Während größere Maschinen am harten Testbetrieb gescheitert sind, konnte die CB 500 als Dauerläufer voll überzeugen. Das bestätigen auch viele Besitzer und Händler. Gebrauchtkäufer brauchen sich dementsprechend nicht um hinterhältige Tücken und Macken zu sorgen. Der 500er-Paralleltwin läuft und läuft und läuft, tadelloser Kaltstart sowie runder Motorlauf sind Standard.
Das insgesamt einfache und ehrliche Motorrad gab es in verschiedenen Leistungsvarianten: 34, 50 und 57 PS. Eine nachträgliche Leistungsänderung mittels Ansaugstutzen sowie Hauptdüsen ist bei dieser Honda vergleichweise günstig und schlägt inklusive Arbeitslohn und TÜV mit zirka 200 Euro zu Buche. Vor dem Kauf sollte man unbedingt nach Stürzen oder Unfällen fahnden. Auffällig ist eine Maschine mit vielen Kilometern, die keine Gebrauchspuren an den wenigen Verkleidungsteilen oder dem Tank aufweist. Eventuell will der Verkäufer durch neue Teile einen größeren Schaden verbergen. Negativ ist zudem, wenn viele Vorbesitzer im Brief eingetragen sind, das Motorrad aber nur wenige Kilometer auf dem Tacho hat. Dann nach einem lückenlosen Kundendienst-Heft fragen.
Neben der Fahndung nach Sturzschäden (beschädigter Lenkanschlag, Kratzer an Schwinge, Rahmen, Auspuff) sollte man bei der Besichtigung auf den Zustand von Verschleißteilen wie Lenkkopflager, Kettensatz, Reifen oder Bremsbeläge achten, um zusätzliche Kosten zu vermeiden. Achtung: Die ersten PC 32 ab Baujahr 1997 aus Italien korrodierten stärker als die Vorgängerinnen aus japanischer Produktion, deshalb unbedingt den Tank auch innen auf Rost untersuchen. Beliebt als Zugabe beim Kauf sind Schutzbügel und ein Koffersystem von Hepco & Becker.
Weitere Infos und gute Tipps finden sich im Internet unter www.cb500.de.

(Archivversion)

Motor: wassergekühlter Zweizylinder-Viertakt-Reihenmotor, zwei oben liegende, kettengetriebene Nockenwellen, vier Ventile pro Zylinder,
Tassenstößel, Nasssumpfschmierung, keine Abgasreinigung, zwei Gleichdruckvergaser, Ø 34 mm, Transistorzündung, Lichtmaschine 300 Watt, Batterie 12 V/9 Ah, mechanisch betätigte Mehrscheiben-Ölbadkupplung, Sechsganggetriebe, O-Ring-Kette.
Bohrung x Hub 73 x 59,6 mm
Hubraum 499 cm3
Verdichtungsverhältnis 10,5:1

Nennleistung
42 kW (57 PS) bei 7500/min
Max. Drehmoment
47 Nm bei 8000/min

Fahrwerk: Doppelschleifenrahmen aus Stahl, Telegabel, Ø 37 mm, Zweiarmschwinge aus Stahl, zwei Federbeine, verstellbare Federbasis, Scheibenbremse vorn, Ø 296 mm, Doppelkolben-Schwimmsattel, Scheibenbremse hinten, Ø 240 mm, Einkolben-Schwimmsattel.

Alu-Gussräder 2.50 x 17, 3.50 x 17
Reifen 110/80 H 17, 130/80 H 17

Maße und Gewichte: Radstand 1430 mm, Lenkkopfwinkel 63 Grad, Nachlauf 113 mm, Federweg v/h 115/117 mm, Sitzhöhe* 790 mm, Gewicht vollgetankt* 196 kg, Zuladung* 182 kg, Tankinhalt/Reserve 18/2,5 Liter.
Fahrleistungen
Höchstgeschwindigkeit 180 km/h

Beschleunigung
0–100 km/h 4,7 sek
0–140 km/h 9,8 sek
Durchzug
60–100 km/h 7,5 sek
100–140 km/h 9,4 sek

Verbrauch
4,3 bis 6,4 l/100 km, Normalbenzin

(Archivversion)

1993 Markteinführung des Modells
PC 26 zum Preis von 8960 Mark
1997 Das Modell PC 32 wird nun in
Italien statt in Japan gebaut, hinten ersetzt eine Scheibenbremse die Trommelbremse
1998 Erscheinen der CB 500 S mit
Cockpitverkleidung und geänderten Instrumenten
2000 Die Verlängerung des hinteren Schutzblechs entfällt. Nur der Jahrgang 2000 und 2001 wird mit goldenen statt silberfarbenen Gussfelgen ausgerüstet
2002 Produktionsende,
2003 Abverkauf der letzten Modelle

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