Gebrauchtberatung Honda CB Seven Fifty (Archivversion)

Kultur-Gutachten

Hondas Allrounder CB Seven Fifty ist für die einen ein eher langweiliger Dauerläufer ohne Ecken und Kanten, für die anderen jedoch die nackte Kanone par excellence. Und die hat eben ihren Preis.

Ein Montag kurz nach Frühlingsanfang. Anstatt das Internet zu konsultieren, bemühe ich auf der Suche nach einer preisgünstigen CB Seven Fifty ausnahmsweise das noch druckfrische lokale Anzeigenblatt. Vier Stück des 73 PS starken Allrounders werden angeboten. Eine 1993er mit nachträglich angebauter Vollverkleidung, 60000 Kilometern auf der Uhr, VB 2100 Euro, erscheint mir zu alt. Eine Spalte weiter gibt’s eine 1997er mit nur 15500 Kilometer,»außerdem Sportauspuff, Streetfighterlenker, Ölwechsel«– nein, bitte kein Kunstwerk eines passionierten Schraubers. Doch wie wär’s damit: »Nahezu neuwertig, ideale Reisemaschine«. Klingeling. »Bedaure, heute geht’s nicht mehr, mein Mann ist auswärts. Und morgen kommt schon einer zum angucken. Rufen Sie doch morgen vormittag noch mal an«, erklärt die Frau am Telefon kurz und knapp. Wenigstens kriege ich noch heraus, dass die Honda rot ist, in der Garage steht und derzeit nicht zugelassen ist. Den Grund für Letzteres erfahre ich am nächsten Morgen. »Ich verkaufe die CB im Auftrag, denn mein Freund, der Besitzer, ist letzten Herbst urplötzlich verstorben. Daher steht die Maschine noch so da, wie er sie zuletzt abgestellt hat.« Die luftgekühlte Honda ist beim Besichtungstermin gegen Mittag tatsächlich etwas eingestaubt. Vor dem Winter sei sie aber noch einmal, so versichert man mir, zur Inspektion samt TÜV-Abnahme bei der örtlichen Honda-Vertretung gebracht worden. Nach einem realistischen Marktwert befragt, habe der Werkstattleiter so »um die 3000 Euro« geschätzt. Und, so erklärt mir der Verkäufer, er habe sich ernsthaft mit dem Gedanken getragen, seine alte BMW R 80 zu veräußern und die Honda zu fahren. »Aber so´n Vierzylinder, des isch nix für mich«, meint der pensionierte Fahrlehrer aus dem Remstal. Schlappe 24500 Kilometer zeigt der Tachostand, als wir das Verkaufsobjekt, nachweislich Baujahr 1995, aus der Garage rollen und inspizieren. Die Felgen sind ziemlich verdreckt, die Schalldämpfer zeigen noch Spuren der Stiefelabsätze von der letzten Tour, der Alugriff an der Sitzbank hat einige Kratzer, der Lack an den Lenkerenden ist abgerieben, aber sonst findet sich nichts Berunruhigendes. Selbst die angebauten Motorschutzbügel weisen keine Macken auf. Die Kette ist, was den Verschleiß angeht, noch im grünen Bereich, unschön nur das Gemisch aus Dreck und zu viel Kettenschmiere oberhalb der Schwingenlagerung. Beim besten Willen lässt sich nichts finden, was einen Hinweis auf unfreiwilligen Straßenkontakt geben könnte. Die Staubkappen an der Gabel weisen keinerlei Ölfilm auf, sind wie geleckt. Dazu zwei nagelneue Metzeler ME Z4, die noch »Bartstoppeln« tragen, der Auspuffsammler hat leichte Rostnarben, die bei einem Motorrad dieser Altersklasse jedoch normal sind. Sogar die Nippel an den Fußrastenunterseiten hatten noch nie Asphaltkontakt.Die Seven Fifty ist aus erster Hand, alle Inspektionen wurden, so versichert der Anbieter, gemacht. Leider ist das Serviceheft abhanden gekommen. »Seine Frau hat es überall gesucht, ohne Erfolg. Aber der Händler kann Ihnen sicher bestätigen, dass ich Ihnen keine Märchen erzähle.« Schön und gut, aber ein abgemeldetes Fahrzeug anbieten – wer kauft schon die Katze im Sack? Kenner, so argumentiert der Verkäufer, sähen doch auf den ersten Blick, dass dies eine gepflegte Reisemaschine eines reiferen Semesters sei und keine Bastelbude. Und außerdem wäre die Seven Fifty bekannt für ihre Anspruchslosigkeit. Einspruch stattgegeben. Trotzdem oder eben drum fahre ich eine Runde, nachdem das mitgebrachte rote Kennzeichen am Heck verschraubt ist. Die 73 PS des ab 1992 verkauften Naked Bikes melden sich auf den ersten Knopfdruck. Keine Spur vom ab und zu bei der Seven Fifty auftretenden Bremsenrubbeln. Auch die unteren Gänge rasten sauber ein, die Kupplung trennt so, wie sich’s gehört. Nachdem sämtliche Lagerstellen die Rüttel- und Rastpunktprobe erfolgreich bestanden haben und sich der Smalltalk um heutige Motorradfahrer im Allgemeinen und Naked Bikes im Besonderen dem Ende neigt, geht’s schließlich ums Geld. Es stand ja lediglich 2900 Euro in der Anzeige, ohne Angabe von Verhandlungsbasis oder Festpreis. Nun ja, groß nach unten korrigieren könne und wolle er den Preis nicht, zumal es noch die beiden Koffer und den Magnet-Tankrucksack als Dreingabe gebe. Ich suche nach Argumenten, ohne pingelig zu erscheinen, erbitte mir mangels Geistesblitz etwas Bedenkzeit und werde auf den zweiten Interessenten hingewiesen, der nach Feierabend kommen wolle.Er kam, zahlte 2800 Euro – wie ich wenig später erfuhr – und ist nun stolzer Besitzer einer technisch perfekten und gerade mal eingefahrenen CB Seven Fifty mit kleinen Schönheitsfehlern, die laut Schwackeliste eigentlich deutlich billiger sein müsste. Dennoch ein Schnäppchen? Auf jeden Fall ein guter Kauf für diejenigen, die sich auf die Seven Fifty eingeschossen haben. Sich im richtigen Moment zu entscheiden ist eine Kunst. Ich entschied mich anders – nämlich eine zweite Seven Fifty anzuschauen.
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Honda CB 750 Seven Fifty (Archivversion) - Hoch hinaus

Ein Bike im Originalzustand verkauft sich am besten. Kann eine einzige Veränderung potenzielle Käufer abschrecken? Eigentlich nicht – vorausgesetzt, der Preis stimmt.
Ein Dorf am Rand der Schwäbischen Alb. Es ist früher Nachmittag, der Verkäufer erwartet uns bereits und entfernt die Plane von der schwarzen Honda. Er habe das 1996er-Modell neu gekauft, der Tacho zeigt 31500 Kilometer. Der 830 Millimeter breite Fehling-Lenker ist ein echter »Apehanger« und sieht auf der Seven Fifty gewöhnungsbedürftig aus, die Bowdenzüge und Bremsleitung passen noch so lala. Der Besitzer hat sich gut vorbereitet, erzählt ein, zwei Anekdoten zum Thema TÜV und präsentiert ein makelloses Serviceheft sowie alle Rechnungen. Er habe zuvor eine Kawasaki Zephyr 750 gefahren (»die hat gesoffen wie ein Loch«) und sich wegen der hohen Werkstattkosten im Sommer 1996 für die Honda entschieden. Verkaufsgrund heute: Zeitmangel. »Ich komme einfach nicht mehr zum Fahren«, erklärt er. Wegen eines Umfallers wurde der Kupplungshebel durch ein Zubehörpendant ersetzt.Die kurze Probefahrt bestätigt, was mir schon vorher klar war: Der Lenker ist nichts für mich, verdirbt jeden Fahrspaß. Das Bike hat einige Gebrauchsspuren, am vorderen Schutzblech blättert der Lack ab, der Tacho ist innen leicht beschlagen, der Sitzbankbezug hat zwei, allerdings winzige Löcher. Außerdem ist der vordere Bridgestone-Reifen ziemlich am Ende, der hintere würde eine Italientour ebenfalls kaum überleben. Bemäkeln lassen sich zudem die nahezu verschlissenen Bremsbeläge. Der Kettensatz wurde nachweislich bereits nach 17500 Kilometern getauscht. »Das war enttäuschend«, erklärt der Verkäufer. Verhandlungsbasis 3300 Euro stand in der Anzeige – trotz der Mängel und der augenblicklichen Softchopper-Sitzposition will er nicht mehr als 100 Euro nachlassen, denn er hat es nicht eilig mit dem Verkaufen. Zwei Anwärter seien gestern schon dagewesen. Ob sie sich noch mal melden? Ich bedanke mich herzlich und suche lieber weiter.

Honda CB 750 Seven Fifty (Archivversion)

MOTORRAD-Checkpoint Honda CB Seven FiftyMotorLuftkühlter Vierzylinder-Viertakt-Reihenmotor, Hubraum 747 cm³; zwei obenliegende, kettengetriebene Nockenwellen, vier über Hydrostößel betätigte Ventile pro Zylinder, Nasssumpfschmierung, vier Keihin-Gleichdruckvergaser, ( 34 mm, kontaktlose Transistorzündung, keine Abgasreinigung, E-Starter, Batterie 12 V/14 Ah, Fünfganggetriebe, Kettenantrieb. Nennleistung54 kW (73 PS) bei 8500/minMax. Drehmoment62 Nm (6,3 kpm) bei 7500/minFahrwerkDoppelschleifen-Stahlrohrrahmen, Telegabel, Standrohrdurchmesser 41 mm, Zweiarmschwinge aus Aluprofilen, zwei Federbeine mit fünffach verstellbarer Federbasis, Doppelscheibenbremse vorn, ( 296 mm, Scheibenbremse hinten, ( 240 mm, Reifengröße vorn 120/70 ZR 17, hinten 150/70 ZR 17.Maße und GewichteRadstand 1495 mm, Lenkkopfwinkel 64 Grad, Federweg v/h 130/110 mm, Sitzhöhe 780 mm, Tankinhalt/Reserve 20/3 Liter, Gewicht vollgetankt 234 kg, zulässiges Gesamtgewicht 425 kg.Service-DatenService-Intervalle alle 6000 km; Öl- und Filterwechsel alle 12000 km/3,0 l; Reifenluftdruck solo vorn/hinten 2,5/2,9 bar Messwerte (MOTORRAD 4/2002)Höchstgeschwindigkeit (solo) 200 km/hBeschleunigung 0-100 km/h (solo) 3,9 sekDurchzug 60-140 km/h (solo) 13,9 sekVerbrauch 5,8 l bis 7,5l/100 km

Honda CB 750 Seven Fifty (Archivversion)

ExpertentippAuffällige Schwächen sind bei der Honda CB Seven Fifty nicht bekannt. Für den Gebrauchtkäufer heißt dies, das Reinfälle so gut wie ausgeschlossen sind, vor allem bei scheckheftgepflegten Modellen. Die Vergaser reagieren empfindlich auf Verschmutzung. Vor dem winterlichen Einmotten unbedingt die Schwimmerkammern ablassen. StärkenHoher Wiederverkaufswert, durchzugsstarker, umkomplizierter Motor, hohe Reisetauglichkeit, spurstabilSchwächenRelativ schwer, weich abgestimmtes FahrwerkTests in MOTORRAD*Fahrbericht Honda CB 750Seven Fifty 6/1992Test 9/1992Vergleichstest 11/1992Vergleichstest 9/1994Test 21/1995Gebrauchtkauf 13/1997Vergleichstest 4/2002

Honda CB 750 Seven Fifty (Archivversion)

Modellpflege/-historie1992: Markteinführung (5772 Euro); Modellcode RC 42, Drosselversion 27 und 50 PS; ab 1999: nur noch offene Variante mit 73 PSDer Grundstein zur CB Seven Fifty wurde bereits 1983 mit der Markteinführung der CBX 650 E (unten links) gelegt. Hondas neuer Reihenvierzylinder mit hydraulischem Ventilspielausgleich, vornehmlich für den US-Markt gefertigt, leistete 75 PS und besass einen wartungsarmem Kardan. Kritikpunkte: Mangelnde Fahrstabilität, schlappe Hinterradfederung. Schon 1984 präsentierte Honda die halbverkleidete, 91 PS starke CBX 750 F (unten mitte). Ab 1991 konnten sich US-Kunden über die CB 750 F Nighhawk (unten rechts) freuen, deren Schwächen (Simplex-Trommel hinten, weich abgestimmtes Fahrwerk) bei der Nachfolgerin grösstenteils ausgemerzt wurden.Gebrauchtpreise laut Schwackeliste1994 (75000 km) 1775 Euro; 1996 (58000 km) 2375 Euro; 1998 (41000 km) 2950 Euro; 2000 (25000 km) 3800 Euro; 2001 (16000 km) 4525 EuroBestand zirka 19000 StückImporteurHonda Motor Europe (North) GmbH, Sprendlinger Landstraße 166, 63069 Offenbach, Telefon 069/8309-0, Fax 832020www.honda.de Spezialisten/ZubehörMAB Motorrad Auspuffbau: Michael Klein, De-Vos-Strasse 18, 25524 ItzehoeTelefon 048 21/87 871, Fax 048 21/87 974www.mab-auspuffanlagen.deEdelstahl-AuspuffanlagenHonda Strauch: Karlstrasse 32, 70794 Filderstadt, Telefon 0711/701918, Fax 7079855, Tuning bis 90 PS mit TÜVRW Superbike-Shop: Loisachauen 15a, 82487 Garmisch-Partenkirchen, Telefon 08821/76963, Fax 08821/94 58 64, www.rw-superbike-shop.deZubehör, Kettenräder, KomplettumbausatzSpeed Products: Zum Kaisersbusch 20, 48165 Münster, Telefon 0251/962540, Fax 0251/9625444, www.speedpro.deZurückverlegte Fußrasten, Auspuffanlagen Wirth-Federn: Osterdiecksfeld 23, 21274 Underloh, Telefon 04189/81 10 20, Fax 04189/81 10 40, www.wirth-federn.de, verstärkte Gabelfedern Internethttp://claus.fellermann.bei.t-online.dehttp://www.hubertmaassen.dehttp://www.cb-sevenfifty.dehttp://home.t-online.de/home/reiner.struwehttp://www.mpi-hd.mpg.de/be/homes/holger/Bike/Bikehttp://www.kleinjung.de/techdata/cb750n.htmhttp://www.forumromanum.de/member/forum/forum.cgi?USER=user_133105

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