Gebrauchtberatung Kawasaki KLE 500 (Archivversion)

Kawasaki KLE 500

Mangelnde Eigenständigkeit kann man der Kawasaki KLE 500 nun wirklich nicht vorwerfen. Doch wie ist es um Alltagstauglichkeit und Zuverlässigkeit bestellt?

Wer zwischen den Stühlen sitzt, braucht Durchhaltevermögen. Wie die Kawasaki KLE 500, die sich seit immerhin 15 Jahren erfolgreich jeder Schublade verweigert. Offroadtypisch mit 21-Zoll-Vorderrad und Stollenbe-
reifung ausgestattet, gibt sie im Gelände allerdings keine glückliche Figur ab:
zu hoch das Gewicht, zu gering die Nehmerqualitäten von Gabel und Federbein. Als Reisemaschine geht sie ebenfalls nicht durch. Zu schmal und zu weich die Sitzbank, und der 15-Liter-Tank begrenzt die Reichweite des durstigen Bikes auf bescheidene 150 bis 200 Kilometer. Und den
Sportler findet man nur im Stammbaum der KLE. Sie hat zwar den gleichen Motor wie das Schwester-
modell GPZ 500 S, muss sich aber seit 1996
mit etwas zäh wirkenden 48 PS bescheiden. Was
die 500er freilich nicht daran hindert, als wuseliger Landstraßenfeger dem Begriff »Funbike« alle Ehre zu machen. Vorallem weniger routinierte Piloten erfreuen sich am mühelosen Handling und der aufrechten Sitzposition. Außerdem gefallen Fahrstabilität und Lenkpräzision, nicht jedoch die auch im Straßenbetrieb zu weiche Gabel und die zahnlose Vorderradbremse. Trotz kleiner Schwächen zählt eine KLE 500 zu den empfehlenswerten Gebrauchtmaschinen. Weil sie nicht nur in Sachen Marktpräsenz Durchhaltevermögen beweist, sondern ebenso mit ihrer ausgereiften Technik.
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Technik (Archivversion)

Motor
Wassergekühlter Zweizylinder-Viertakt-Reihenmotor, zwei oben liegende, ket-
tengetriebene Nockenwellen, vier Ventile pro Zylinder, zwei Keihin-Gleichdruckvergaser, Ø 34 mm, Batterie 12 V/
10 Ah, mechanisch betätigte Mehrscheiben-Ölbadkupplung, Sechsganggetriebe, O-Ring-Kette.
Bohrung x Hub 74 x 58 mm
Hubraum 499 cm3
Verdichtungsverhältnis 9,8:1
Nennleistung
35 kW (48 PS) bei 8500/min
Max. Drehmoment
45 Nm bei 6500/min

Fahrwerk
Doppelschleifenrahmen aus Stahl, Telegabel, Ø 41 mm, Zweiarmschwinge aus Stahl, Zentralfederbein mit Hebelsystem, verstellbare Federbasis, Scheibenbremse vorn, Ø 300 mm, Scheibenbremse hinten, Ø 230 mm.
Speichenräder 1.85 x 21; 2.50 x 17
Reifen 90/90 S 21; 130/80 S 17

Maße und Gewichte
Radstand 1510 mm, Lenkkopfwinkel
63 Grad, Nachlauf 105 mm, Federweg v/h 220/200 mm, Sitzhöhe 860 mm, Gewicht vollgetankt 205 kg, Zuladung 175 kg, Tankinhalt 15 Liter.


Fahrleistungen
Höchstgeschwindigkeit 168 km/h
Beschleunigung
0–100 km/h 5,8 sek
Durchzug
60–120 km/h 13,7 sek
Verbrauch 4,8 bis 7,1 l/100 km, Normal

Modellpflege (Archivversion)

1991 Start der KLE 500 (Typ LE 500 A), wahlweise
mit 50 oder 27 PS, zum Preis von 8810 Mark
1993 Getriebe überarbeitet, um das zuvor kritisierte
Herausspringen der Gänge zu unterbinden (9710 Mark)
1994 Dezentes Facelift mit neu gestaltetetem Verkleidungsoberteil, bequemer gepolsterter Stufensitzbank und
verbessertem Steuerkettenspanner; neues Basistriebwerk ist die gut abgestimmte Drosselvariante mit 34 PS (50 PS durch Entdrosselung bei Händlern). Preis 10720 Mark
1996 Überarbeitung von Vergaser, Luftfilter und Schall-
dämpfer aufgrund strengerer Geräusch- und Abgasgrenzwerte; längere Getriebeübersetzung; Maximalleistung
sinkt auf 48 PS (10820 Mark)
1997 Neu: Sekundärluftsystem (10820 Mark)
1999 Kotflügelverlängerung hinten entfällt, Haltegriffe
statt Riemen für Beifahrer; Preissenkung auf 9990 Mark
2003 Automatische Tageslichtfunktion (5430 Euro)
2004 KLE 500 nicht mehr im Kawasaki-Programm
2005 Comeback mit 45 PS, U-Kat für Euro-2-Abgasnorm, neu gestalteter Verkleidung mit Doppelscheinwerfer, geändertem Cockpit, modifizierter Sitzbank und überarbeiteter Gabel (Typ LE 500 B1H/B1P); Preis 5540 Euro
2006 Keine Änderungen (5605 Euro)

-Tests* (Archivversion)

Typ LE 500 A: 13/1991 (T), 5/1992 (VT),
18/1993 (T mit 34 PS), 15/1994 (VT), 8/1997 (VT)
Typ LE 500 B1H: 11/2005 (T)

Besichtigung (Archivversion)

Als Oldie im Kawasaki-Programm zählt die
KLE 500 zu den ausgereiften Motorrädern. Typische Schwächen sind rar und beschränken sich hauptsächlich auf die Baujahre vor 1994.
l Motor: An frühen KLE 500 gibt es häufiger hakende Schaltungen und herausspringende Gänge sowie abbrechende Stehbolzen an
den Auspuffkrümmern. Bis 1994 sind defekte Steuerkettenspanner nichts Ungewöhnliches. Also Vorsicht, wenn es bei kaltem Motor klappert.
l Vergaser: Dynojet-Vergaserkits sind beliebt, nach Umbau erlischt die Betriebserlaubnis.
l Federbein: Dämpfung lässt häufig bereits nach 20000 Kilometern stark nach.
l Gabel: Ab Werk mit viel zu weicher Feder, was den Einbau progressiver Gabelfedern erfordert.
l Rost: Verarbeitung stellenweise nachlässig; auf Rost an Rahmen, Auspuff und Tank achten.
l Bremse: Vordere Scheibe auf Verzug prüfen, speziell bei höheren Laufleistungen.

Marktsituation (Archivversion)

Das Interesse an gebrauchten KLE 500 hält sich in Grenzen, eine gezielte Nachfrage ist selten. Die KLE verführt eher zu Spontankäufen von Anfängern und Wiedereinsteigern, sofern Preis, Zustand und Laufleistung passen. Als preisliche Obergrenze gelten beim Privatverkauf derzeit rund 2500 Euro, teurere KLE mutieren oft zu Standuhren.

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