Gebrauchtberatung Suzuki GSX 1400 (Archivversion) die dicke

Viel Masse hat sie. Und viel Klasse. Zudem fährt sie sich überraschend behende.
Ein feines Gebrauchtmotorrad zum
fairen Preis.

Die »Dicke« nennen viele Besitzer ihre GSX 1400 – nicht gerade schmeichelhaft, aber durchaus zutreffend für dieses bullige Big Bike. Im Sommer 2001 stellte Suzuki die 1400er dem Verkaufshit GSF 1200 Bandit zur Seite. Zwei große, unverkleidete Vierzylinder aus demsel-
ben Haus? Seltsame Modellpolitik. Keineswegs, denn während die vergleichsweise schlanke Bandit vornehmlich als S-Version mit Halbschale erfolgreich auf Käuferfang ging, sollte die ausschließlich nackt angebotene GSX besonders markentreue Kunden abwerben: Motorradfahrer mit Faible für Neoklassiker wie Yamaha XJR 1300, Honda CB 1300 oder Kawasaki ZRX 1200.
Um in dieser Premium-Liga vorn mitzuspielen, klotzte Suzuki statt zu kleckern: Der neu konstruierte, hochmoderne und drehmomentstarke Einspritzer-Vierzylinder mit dem in dieser Klasse einmaligen Hubraum von 1402 cm3 gibt ein Musterbeispiel für Laufkultur und Durchzug ab. Das voll einstellbare Fahrwerk ist mit den beachtlichen 260 Kilogramm Gewicht niemals überfordert. Außerdem erfreuen schmucke Alu- und Edelstahlteile, alles präsentiert sich viel schöner und wertiger als
beim Massenmodell Bandit. Kurzum, eine
ideale, im Fahrbetrieb erstaunlich handliche Maschine für spaßige und gediegene Landstraßen-Ausflüge, mit der man sich sehen lassen kann. Und sie ist, entsprechend ausgerüstet, wegen ihrer breiten und langen Sitzbank sowie der auch für großgewachsene Menschen angenehmen Ergonomie ein guter Reisetransporter für zwei. Allerdings kostete die Suzuki schon 2001 umgerechnet rund 9500 Euro, bewegt sich damit auf dem Preisniveau von Platzhirsch XJR 1300.
Die selbstbewusste 1400-Kubikzentimeter-Kampfansage wirkte zwar anfänglich wie ein Paukenschlag, dennoch
konnte der Hubraum-Klassenprimus zu keiner Zeit die ihm gebührende Aufmerksamkeit erregen. Technisch gab es in
der bisherigen Bauzeit nur geringfügige Änderungen. Um die unterschiedlichen Geschmäcker zu bedienen, variierten von Modell zu Modell dezente Ein- und auffälligere Zweifarb-Lackierungen.
Seit 2004 wird die Suzuki mit un-
geregeltem Kat ausgerüstet, womit sie
der Euro-2-Norm genügt. Beim aktuellen 2005er-Modell ersetzt ein einzelner, enorm großer Schalldämpfer die zwei hübschen Endrohre, die vormals das Motorrad
zierten. Viele GSX-1400-Liebhaber stehen zwar auf dick, empfanden nach erster
Inaugenscheinnahme der Neuen den
Auspuff jedoch offensichtlich als allzu
speckige Problemzone und griffen noch schnell zum Vorjahresmodell.
Marktsituation
Die GSX 1400 ist mit über 4000 zugelassenen Fahrzeugen kein Massenmotorrad wie etwa die Bandit 1200 (über 30000 Stück im Bestand). Das Angebot bei Vertrags- und Gebrauchthändlern ist dementsprechend überschaubar, was sich mit einer nur mittelmäßigen Nachfrage die Waage hält. Die meisten Händler nehmen das nackte Big Bike gerne in Zahlung, obwohl es ihnen nicht gerade aus den Händen gerissen wird. Sie haben Geduld und hoffen zu Recht
auf gut informierte Käufer, die um die Vorzüge
der 1400er gegenüber der preisgünstigeren, einfacher zu verkaufenden GSF 1200 wissen.
Dabei müssen Interessenten im direkten Vergleich nur unwesentlich tiefer in die Tasche greifen, denn speziell bei älteren Gebrauchtmaschinen fällt die Preisdifferenz zwischen nackter Bandit (Neupreis 7850 Euro) und der 1400er (Neupreis 9530 Euro) weniger stark
ins Gewicht. Mit ein bisschen Mühe finden Schnäppchenjäger vorwiegend über Privatannoncen gepflegte 2001er- und 2002er-Modelle als Garagen- oder Sommerfahrzeug mit lediglich einem Vorbesitzer um die 5500 Euro.
Zum Vergleich: Zwischen 4800 und 5500 Euro verlangen Verkäufer auch für die zehnmal so häufig angebotene, große Bandit mit ähnlichen Eckdaten. Diese bietet jedoch nicht annähernd den Gegenwert der hochwertigeren GSX und bringt höhere Inspektionskosten mit sich. Fahrzeuge der Baujahre 2003 und 2004 werden indes selten unter 7000 Euro offeriert – fast schon Neupreis-Niveau einer Bandit. Und mancher Händler verkauft die GSX 1400 als ungefahrenes Vorjahresmodell, Importfahrzeug oder neuwertigen Vorführer um die 8000 Euro zu günstigen Finanzierungskonditionen.
Weil die 1400er noch nicht einmal vier Jahre auf dem Markt ist und ihre Besitzer sie meist für kürzere Touren einsetzen, bewegen sich
die Laufleistungen unabhängig vom Alter der Maschine in der Regel zwischen 5000 und
20000 Kilometern. Der robuste Vierzylinder-Motor ist da gerade mal eingefahren und
wird bei entsprechender Wartung noch ein Vielfaches abspulen. Folglich spielen niedrige Laufleistungen bei der Preisgestaltung eine untergeordnete Rolle.

Besichtigung
Die meiste Kritik ernteten die undichten Federbeine, vornehmlich bei den Baujahren 2001 und 2002. Etwa jede zehnte Maschine war
betroffen. Suzuki tauschte sie in der Regel kostenlos aus. Bei der Begutachtung sollte man dennoch besonderes Augenmerk auf diese – fast einzige – Schwachstelle legen, denn manche Ersatzfederbeine verloren nach einigen tausend Kilometern erneut Öl, wie Modell-Freunde unter www.gsx-1400.net im Internet monieren. Ebenso ist es ratsam, vor der Probefahrt die Pneus zu überprüfen, denn ist der breite 190er-Hinterreifen schon deutlich abgefahren, reagiert das Fahrwerk der Suzuki
sehr empfindlich.
Typische Umbauten wie eine Cockpitscheibe aus dem Suzuki-Originalzubehör oder von
Givi, Telefon 0911/955100, sowie ein brei-
terer Superbike-Lenker (zum Beispiel LSL,
Telefon 02151/555915, oder Lucas, Telefon 02631/912-0) sind zwar gefragt, steigern
den Verkaufspreis indes nur unwesentlich.
Besonders beliebt ist das schnell entfern-
bare Quick-Lock-Trägersystem von SW Motech, Telefon 06425/816800, zum Neupreis von
169 Euro. Macht die GSX 1400 insgesamt einen
gepflegten Eindruck und ist das Serviceheft lückenlos, kann man – wenn der Preis stimmt – sicher sein, keinen Fehlkauf zu tätigen.

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