Gebrauchtberatung Yamaha FJR 1300 (Archivversion)

Linientreu

Seit fünf Jahren fast unverändert auf dem Markt und nicht müde: Gebraucht-käufer nehmen die Ausdauer-Sportlerin gerne unter Vertrag.

Fehler können nun mal passieren. Auch
MOTORRAD-Redakteuren. Besonders dann, wenn ein allzu berechtigter Wunsch Vater des Gedankens ist. So war im MOTORRAD-Katalog 2003 zu lesen: »Das Tourer-untypisch kurz übersetzte Getriebe wurde um einen sechsten Gang erweitert. Er senkt das Drehzahlniveau und damit auch den Verbrauch auf schnellen Transit-Etappen.« Wie gesagt, leider nur ein frommer Wunsch, denn die für das Baujahr 2003 modellgepflegte Yamaha FJR 1300, Typ RP08, rollte wie der 2001 erstmals
präsentierte Typ PR04 (Baujahr 2001/2002) nach wie vor mit einem Fünfganggetriebe vom Band. Daran hat sich bis heute
nichts geändert. Und so wünschen sich FJR-Fahrer noch immer einen sechsten Gang, weil selbst bei gemäßigter Landstraßenfahrt der Schaltfuß, im Bestreben hochzuschalten, oftmals unwillkürlich nach oben zuckt.
Die 2003er-FJR mit dem Namenszusatz »A« erhielt bei besagter Modellpflege indes endlich die bei Tourenmotorrädern
in dieser Preisklasse übliche und von
Fans mindestens genauso wie ein sechster Gang herbeigesehnte ABS-Bremsanlage. Außerdem verlängerten die Konstrukteure die elektrisch verstellbare Verkleidungsscheibe und änderten deren möglichen Neigungswinkel. Das für einen Tourer dieser Gewichtsklasse sehr sportlich-straffe Fahrwerk bekam eine komfortablere Abstimmung. Ein Jahr später, 2004, zählten bei der intern als Typ RP11 bezeichneten Yamaha Koffer in Fahrzeugfarbe zur Serienausstattung, zuvor waren diese lediglich als Originalzubehör gegen Aufpreis erhältlich. Und eine neue Kraftstoffpumpe kam zum Einsatz.
Bis auf den vermissten Overdrive gibt und gab es an diesem hervorragenden Kardan-Tourer kaum etwas zu bemäkeln – sehr zum Leidwesen der Konkurrenz von BMW und Honda, in deren Jagdgründen die Yamaha kräftig wildert. Die FJR ist unabhängig vom Baujahr ein zuverlässiges, durch und durch gelungenes Motorrad, das dank seines kompakten, durchzug-
starken Vierzylinders mit rund 140 PS
und 134 Newtonmeter Drehmoment sowie
sehr guter Fahrdynamik zur idealen Reisebegleiterin für sportlich aktive Kilometersammler avancierte. Kaum ein anderes Motorrad strahlt so viel Souveränität aus und ist trotz des stattlichen Gewichts
von vollgetankt 290 Kilogramm derart
einfach handzuhaben. Äußerlich hat sich
die FJR innerhalb der bisherigen Bauzeit
kaum verändert. Diese Linientreue wissen Gebrauchtkäufer zu schätzen. Auch ohne sechsten Gang ist es schlau, sich für
die 1300er-Yamaha zu entscheiden.
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MOTORRAD-Checkpoint (Archivversion)

Marktsituation
Seit 2001 fand die FJR 1300 als Neufahrzeug fast 10000 Käufer. Listenpreis: über 14000 Euro. Als Gebrauchte gibt es sie mittlerweile schon für die Hälfte. Bei Angeboten um die 7000 Euro muss man sich jedoch auf Fahrzeuge mit Laufleistungen jenseits von 40000 Kilometern einstellen, was angesichts der Dauerhaltbarkeit des Motorrads (siehe auch 100000-Kilometer-Langstreckentest in MOTORRAD 23/2003) aber kein Grund zur Sorge ist. Da sich Marathonisti nur ungern von ihrer idealen Reisebegleiterin trennen, sind solche Offerten allerdings eher rar. Häufiger werden Maschinen um die 9000 Euro mit 10000 bis 30000 Kilometern angeboten. Dabei ist die Nachfrage nach Modellen bis 2002 nicht ganz so groß, während FJR mit ABS ab Baujahr
2003 – bei gleicher Laufleistung und ähnlich gutem Pflegezustand nur etwa 500 bis 1000 Euro teurer – den Händlern förmlich aus den Händen gerissen werden.
Speziell Kunden, die den preisgünstigen und drehmomentstarken Tourer XJ 900 Diversion im Yamaha-Neufahrzeugprogramm vermissen, sind typische Anwärter auf eine gut gepflegte FJR zu einem Preis unterhalb der für Gebrauchtkäufer generell geltenden 10000-Euro Schmerzgrenze. BMW- und Honda-Pan-European-Überläufer lassen sich dagegen von einem hohen Einstandspreis eher weniger abschrecken und suchen nach fast neuwertigen Fahrzeugen
um die 12000 Euro, die kaum als Gebrauchte bezeichnet werden können, aber dennoch beinahe 3000 Euro unter Listen-Neupreis liegen. Im Internet unter www.mobile.de und www.
motoscout24.de fanden sich in dieser Preisklasse jedenfalls zur Jahresmitte auffallend viele Vorführmaschinen und Tageszulassungen mit keinen oder nur wenigen Kilometern auf dem Tacho, die nach Angaben verschiedener Händler auch guten Absatz finden.
Das vergleichsweise junge Motorrad wird gebraucht fast ausschließlich über Vertragshändler verkauft, weil die Vorbesitzer meist auf
Neumaschinen umsteigen und durch attraktive Finanzierungs- und Inzahlungnahme-Angebote seitens des Händlers so das beste Geschäft machen. Privatverkäufer bieten ihre Yamaha gelegentlich in der Zeitung an, können bei einer ähnlichen Preisvorstellung jedoch nicht den Service und die Gewährleistung eines Ge-
werblichen bieten. Bei markenunabhängigen Gebrauchthändlern ist die FJR 1300 nach MOTORRAD-Recherchen ein eher seltener Gast. Noch ein Hinweis zum Preisgefüge: Die Angaben in der Schwacke-Liste decken sich ungefähr mit den oben angegebenen realen Forderungen in Kleinanzeigenteilen oder auf Internetmärkten.

Besichtigung
Die meisten FJR 1300 wurden von den Vorbesitzern sorgfältig gepflegt und in moderatem Touring-Stil fortbewegt. Hässliche Gebrauchsspuren oder technische Defekte sind selten. Mehrere Besitzer des Typs PR04 klagen allerdings über eine störende Hitzeentwicklung im Tankbereich (unter anderem im Internetforum unter www.fjr-1300.de) durch den gekapselten Motor, der Wärme nicht ideal ableitet. Um
Abhilfe zu schaffen, erhöhte Yamaha ab dem 2003er-Modell die Zahl der Isolationsmatten unter dem Tank. Zweifel am tadellosen Zustand des Motors sollten durch eine ausführliche
Probefahrt ausgeräumt werden. Da vereinzelte FJR nach Händlerauskünften Probleme mit den Ventilführungen hatten, ist ein lückenloses Serviceheft unerlässlich, welches alle Inspektionen und etwaige Reparaturen dokumentiert. Apropos Inspektionen: Alle 10000 Kilometer fallen Kosten zwischen 150 und 250 Euro an, beim Einstellen der Ventile alle 42000 Kilometer kommen rund 150 Euro hinzu. Ist alles picobello, der Preis fair, und sind die Verschleißteile okay, gilt die auch als Gebrauchte nicht gerade kostengünstige FJR 1300 als sichere Bank mit gutem Werterhalt.

Modellpflege (Archivversion)

2001 Modelleinführung der FJR 1300,
Typ RP04, zum Preis von 26135 Mark in den
Farben Silber, Schwarz und Blau

2003 FJR 1300 A, Typ RP08, kommt mit
ABS und Wegfahrsperre auf den Markt; vordere Blinker in die Verkleidung integriert; zusätzliches Staufach in der Verkleidung; Windschild um 40
Millimeter verlängert und Verstellung der Scheibenneigung geändert; Federelemente auf mehr Komfort abgestimmt; Durchmesser der vorderen Bremsscheiben wächst von 298 auf 320 Millimeter; Modifikation der Kraftstoffpumpe

2004 Der Typ RP11 wird auch ohne ABS
gebaut, in Deutschland jedoch lediglich mit ABS
angeboten; Koffersystem serienmäßig; neue
Kraftstoffpumpe mit integriertem Druckregler
Tests In
MOTORRAD*
11/2005 (VT), 1/2005 (VT), 22/2004 (KV),
18/2004 (KV), 16/2004 (KV), 23/2003
(LT/100000 km), 16/2003 (VT), 13/2003 (VT),
6/2003 (T), 16/2002 (VT), 14/2002 (VT),
11/2002 (LT/50000 km), 10/2002 (VT), 7/2002
(VT), 2/2002 (VT), 20/2001 (VT), 16/2001 (KV), 11/2001 (VT), 9/2001 (TT).

Technische Daten (Archivversion)

DATEN
(Typ RP11, Baujahr 2005)

Motor
Wassergekühlter Vierzylinder-Viertakt-Reihenmotor, zwei oben liegende, kettengetriebene Nockenwellen, vier Ventile pro Zylinder, Tassenstößel, Nasssumpfschmierung, Einspritzung, Ø 42 mm, geregelter Katalysator mit Sekundärluftsystem, Lichtmaschine 490 Watt, Batterie 12 V/12 Ah, hydraulisch betätigte Mehrscheiben-Ölbadkupplung, Fünfganggetriebe, Kardan.
Bohrung x Hub 79 x 66,2 mm
Hubraum 1298 cm3
Verdichtungsverhältnis 10,8:1
Nennleistung 105,5 kW (143 PS) bei 8000/min
Max. Drehmoment 134 Nm bei 7000/min

Fahrwerk
Brückenrahmen aus Aluminium, Telegabel, Ø 48 mm, verstellbare Federbasis, Zug- und Druckstufendämpfung, Zweiarmschwinge aus Aluminium, Zentral-
federbein mit Hebelsystem, verstellbare Federbasis und Zugstufendämpfung, Doppelscheibenbremse vorn, Ø 320 mm, Vierkolben-Festsättel, Scheibenbremse hinten, Ø 282 mm, Doppelkolben-Schwimmsattel, ABS.
Alu-Gussräder 3.50-17; 5.50-17
Reifen 120/70 ZR 17, 180/55 ZR 17

Maße und Gewichte
Radstand 1515 mm, Lenkkopfwinkel 64 Grad, Nach-
lauf 109 mm, Federweg v/h 135/125 mm, Sitzhöhe* 800 mm, Gewicht vollgetankt* 290 kg, Zuladung* 186 kg, Tankinhalt/Reserve 25/5 Liter.

messungen
(MOTORRAD 11/2005)

Fahrleistungen
Höchstgeschwindigkeit1 245 km/h
Beschleunigung
0–100 km/h 3,0 sek
0–140 km/h 4,9 sek
Durchzug
60–100 km/h 4,1 sek
100–140 km/h 4,1 sek
Verbrauch
5,8 l (bei 130 km/h), 5,6 l (Landstraße), Normalbenzin

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