Gebrauchtberatung Yamaha FZR (Archivversion)

Power-Preis

Gemessen am Preis-Motorleistungs-Index fährt die einstige Sport-Bombe FZR 1000 als Gebrauchte noch heute ganz vorn mit.

Moderner Deltabox-Alu-Rahmen, 136 PS starker Vierzylinder mit fünf Ventilen pro Brennraum – bei ihrem Erscheinen 1987 zählte die Yamaha FZR 1000 auf dem Sportplatz zum Kreis der
Favoriten. Den Erfolg der seinerzeit 15000 Mark teuren und rund 230 Kilogramm schweren »Genesis« (Typ 2 LA) führte die »Exup« (Typ 3 LE) zwei Jahre später mit neu konstruiertem Motor und nun nominell 145 PS fort. Technische Besonderheit: Eine Walze im Auspuff sorgte für mehr Drehmoment im unteren und mittleren Drehzahlbereich. 1991 ersetzte ein rautenförmiger DE-Projektionsscheinwerfer den vorherigen Doppelscheinwerfer. Obwohl Hondas Fireblade zeitgleich die Krone der besten Sportlerin für sich beanspruchen durfte, spielte die mit vollgetankt 242
Kilogramm etwas übergewichtige »Exup« technisch und optisch immer noch in der ersten Liga mit. Doch 1993 schwächelte dann der Absatz: nur noch 804 verkaufte Neumaschinen.
Daraufhin verpasste Yamaha der FZR 1994 das Design der moderneren YZF-Modelle inklusive derer mandelförmigen Augen und versuchte so, ihr wieder
mehr Anziehungskraft zu verleihen. Von der inzwischen knapp 21000 Mark teuren Maschine fanden allerdings bis zum Abverkauf 1998 keine tausend Neufahrzeuge einen Besitzer. Sehr gefragt waren zu dieser Zeit indes ältere Modelle, die ebenso zuverlässig, aber deutlich preisgünstiger waren. Doch das Bessere ist bekanntlich des Guten Feind. Und 1998 betrat eine Maschine die Bühne und stahl allen, nicht nur der FZR sowie ihrer Nachfolgerin YZF 1000 R Thunderace, die Show: die damals atemberaubende YZF-R1. Fortan sparten markentreue Yamaha-Sportfreaks lieber ihr Geld für das neue Traummotorrad R1 und begnügten sich nicht mehr mit einer leicht angestaubten FZR. Seit 2000, so die Aussage vieler Händler, spielt der ehemalige Technologieträger auch als Gebrauchte keine große Rolle mehr.
Touristen und speziell deren Mitfahrer freunden sich mit der vergleichsweise unbequemen Sitzposition nur ungern an, Hobby-Racern ist die Tausender zu schwer, und für den Alltagsgebrauch ist
sie den meisten im Unterhalt zu teuer.
Was also spricht heutzutage für die
antiquierte FZR 1000? Simple Antwort: das günstige Preis-Leistungs-Verhältnis. Das ist im wahrsten Sinne des Wortes gemeint, denn kaum ein anderes Motorrad bietet so viele Pferdestärken für so wenige Euros. Immer noch zaubert die FZR 1000 ein breites Grinsen ins Gesicht, wenn
der Fahrer am Hahn zieht. Und das ist allemal sein Geld wert.
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Marktsituation (Archivversion)

Marktsituation
Händler haben wenig Interesse am Ankauf des Ein-Liter-Sportlers, schließlich müssten sie beim Wiederverkauf Gewährleistung bieten – bei einer mehr als zehn Jahre alten Maschine durchaus riskant. Deshalb werden gebrauchte FZR überwiegend privat gehandelt. Und beim Privatverkauf weichen die geforderten Preise teilweise erheblich von einer realistischen
Einschätzung ab. Speziell aufwendige Streetfighter-Umbauten, in die der Besitzer zweifelsohne einmal viel Geld investiert hat, stehen sich die Reifen platt, wenn sie deutlich über 4000 Euro kosten sollen. Anders sieht es aus, wenn kleinere Umbauten wie etwa ein Superbike-Lenker oder ein schlanker Auspuff die Yamaha zieren, da sich solche Teile eher wertsteigernd auswirken.
Ab 1500 Euro ist eine FZR 1000 zu bekommen, für diesen Preis darf der Käufer allerdings nicht allzu viel erwarten. Und selbst Fahrzeuge um die 2500 Euro haben selten weniger als 50000 Kilometer auf dem Buckel, samt entsprechender Gebrauchsspuren. Die ersten Genesis-
Modelle von 1987/88 (Typ 2 LA) sind zwar rar, genießen jedoch keinen Kultstatus und erzielen daher keine Liebhaberpreise. Die Mehrzahl der Angebote sind Exup-Modelle (Typ 3 LE) der Baujahre 1989 bis 1992. In diesen besten Verkaufsjahren der FZR setzte Yamaha in Deutschland insgesamt rund 7500 Stück ab. Liebevoll behandelte Exemplare mit Laufleistungen unter 30000 Kilometern liegen bei rund 3000 Euro, Modelle mit Erstzulassung ab 1995 erzielen kaum einen höheren Preis als 4000 Euro,
Originalzustand vorausgesetzt.

Besichtigung
»...Originalzustand, top gepflegt, erste Hand, Garagenmotorrad, Reifen und Kettensatz neu...« – treffen diese Angaben auf gebrauchte FZR tatsächlich zu, wird’s spannend. Denn solche Offerten gibt’s nicht häufig. Zwar sind heute noch über 8000 Exemplare auf deutschen Straßen unterwegs, und nicht wenige davon werden auf dem Gebrauchtmarkt angeboten, doch zahlreiche Exemplare sind aufgrund mittelmäßigen Pflegezustands mit Sturzspuren oder eigenwilligen, nachträglichen Lackierungen nur wenig attraktiv. Wie bei vielen in die Tage
gekommenen Hochleistungs-Sportmaschinen setzen auch der FZR starke Vibrationen auf Dauer zu. Kleinere Risse an den Aufhängungspunkten der Verkleidung sind unschön, aber genau wie kleinere Kratzer und sonstige Gebrauchsspuren in Anbetracht des Alters normal. Bei großen Rissen und Kratzern ist dagegen Vorsicht geboten, denn sie weisen vermutlich auf einen Sturz hin.
Der Motor gibt nur selten Anlass zur Sorge.
Allerdings haben sich die vom Hersteller
empfohlenen Intervalle zur Ventilspielkontrolle
von 42000 Kilometern als zu groß erwiesen.
Erfahrungswerte zeigten, dass speziell die Einlassventile nach 30000 Kilometern häufig kaum noch Spiel besitzen. Viele Besitzer lassen die Ventile daher lieber alle 24000 Kilometer überprüfen, was beim Wiederverkauf durch Unterlagen belegt werden können sollte. Modelle mit Laufleistungen über 40000 Kilometer leiden
gelegentlich durch defekte Kolben und Ringe unter erhöhtem Ölverbrauch. Ein deutliches Zeichen dafür ist blauer Dunst aus dem Auspuff bei Lastwechseln. Außerdem sollten keine auffälligen mechanischen Geräusche im Stand und während der Fahrt vernehmbar sein. Probleme sind jedoch die Ausnahme, denn bei regelmäßiger Wartung verträgt der Motor Laufleistungen über 100000 Kilometer.

Technische Daten (Archivversion)

DATEN
(Typ 3 LE, Baujahr 1991)

Motor: wassergekühlter Vierzylinder-Viertakt-
Reihenmotor, zwei oben liegende, kettengetriebene Nockenwellen, fünf Ventile pro Zylinder, Tassenstößel, Nasssumpfschmierung, keine Abgasreinigung, vier Gleichdruckvergaser, Ø 38 mm, Transistorzündung, Lichtmaschine 440 Watt, Batterie 12 V/12 Ah, hydraulisch betätigte Mehrscheiben-Ölbadkupplung, Fünfganggetriebe, O-Ring-Kette.
Bohrung x Hub 75,5 x 56 mm
Hubraum 1002 cm3
Verdichtungsverhältnis 12:1

Nennleistung* 74 kW (100 PS) bei 9500/min
Max. Drehmoment 88,3 Nm bei 5250/min

Fahrwerk: Brückenrahmen aus Aluminium, Upside-down-Gabel, Ø 41 mm, verstellbare Federbasis, Zweiarmschwinge aus Aluminium, Zentralfederbein mit Hebelsystem, verstellbare Federbasis und Zugstufendämpfung, Doppelscheibenbremse vorn, Ø 320 mm, Vierkolben-Festsättel, Scheibenbremse hinten, Ø 267 mm, Zweikolben-Festsattel.
Alu-Gussräder 3.50-17; 5.50-17
Reifen 130/60 VR 17; 170/60 VR 17

Maße und Gewichte
Radstand 1470 mm, Lenkkopfwinkel 64 Grad, Nachlauf 108 mm, Federweg v/h 120/130 mm, Sitzhöhe 770 mm, Gewicht vollgetankt 242 kg, Zuladung 198 kg, Tankinhalt/Reserve 19/3,5 Liter.

messungen
(MOTORRAD 1/1991)

Fahrleistungen
Höchstgeschwindigkeit 231 km/h

Beschleunigung
0–100 km/h 3,7 sek
0–140 km/h 6,5 sek

Durchzug
60–120 km/h 7,2 sek
60–140 km/h 9,4 sek

Verbrauch
6,1 bis 9,1 l/100 km, Normalbenzin

Modellgeschichte (Archivversion)

1987 Markteinführung der FZR 1000 Genesis,
Typ 2 LA, mit Deltabox-Alu-Rahmen und geschraubtem Heck aus Stahlrohren, Doppelscheinwerfer, 120er-
Reifen vorn und 160er hinten, offene Leistung 136 PS, Preis: 15300 Mark

1989 Die FZR 1000, Typ 3 LE, kommt mit
so genannter Exup-Auslasssteuerung, einer im Auspuffsammler integrierten Steuerwalze, die durch Rückstau der Abgase für eine bessere Befüllung der Brennräume im unteren und mittleren Drehzahlbereich sorgt. Motorleistung nominell nun 145 PS. Rahmen komplett
aus Aluminium. Reifendimensionen: 130/60-17 vorn
und 170/60-17 hinten. Doppelscheinwerfer

1991 neue Verkleidung mit rautenförmigem
DE-Projektionsscheinwerfer. Upside-down-Gabel statt Telegabel. Preis: 18500 Mark

1994 Neues Design der Verkleidung mit so
genanntem Fox-Eyes-Doppelscheinwerfer (eben-
falls DE-Projektionsscheinwerfer). Sechs- statt Vierkolben-Bremszangen

1995 Letztes Baujahr, Abverkauf in sehr geringen Stückzahlen noch bis 1998. Listenpreis: 20980 Mark

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