Gebrauchtberatung Yamaha YZF-R1 (Archivversion) R1 oder keins

Keine Kompromisse – mit ihrem radikalen Konzept mischte die R1 seinerzeit die Motorradwelt mächtig auf. Aktuell gibt es für viele Gebrauchtkäufer keine Alternative zur supersportlichen Yamaha.

Schön, biestig, scheinbar unbezwingbar. Selten hat eine japanische Maschine so viele Emotionen ausgelöst. Nach der ersten Preisgabe von Eckdaten stand für viele bereits Monate vor der Markteinführung 1998 fest: Dieses Motorrad ist ein großer Wurf. Tatsächlich erfüllte die 150 PS starke und lediglich 200 Kilogramm leichte Tausender die hohen Erwartungen. Der Technik- und Design-Hammer wurde zum Bestseller und bedeutete für etliche Besitzer eine Heraus-, des Öfteren gar Überforderung. Bedingt durch die kompromisslose Bauart konnten selbst gestandene Sportfahrer die Neue mit ihrer brachialen Gewalt und mitunter fiesen Tendenz zum Lenkerschlagen kaum im Zaum halten. Speziell die erste Serie (RN01) gebärdete sich bei schneller Gangart auf Landstraße und Rennstrecke zickig.
Ein Grund mehr, sich in sie zu verlieben – in eine rassige Sprinterin, nicht in eine Langweilerin zum Pferde stehlen. Für Fans steht fest: Sie soll es sein. Muss es sein. Keine andere. Innerhalb von sieben Jahren gab es viermal eine Modellpflege. Trotz permanenten Wettrüstens im Supersport-Segment interessieren sich Gebrauchtkäu-
fer für alle R1-Typen – solange sie sturzfrei und möglichst im Originalzustand sind. Selbst die stark modifizierte RN09 (2002/
2003) mit Einspritzung statt Vergasern und steiferem, nun schwarz lackiertem Rahmen setzt sich gebraucht in der Beliebtheit von den Vorgängermodellen nicht signifikant ab, und auch das neu konstruierte 2004er-Modell macht ältere Fahrzeuge längst nicht zu Mauerblümchen. Auffällig ist jedenfalls, dass kein anderer Supersportler fernöstlicher Herkunft unabhängig vom Baujahr eine vergleichbare Loyalität für sich verbuchen kann.
Das hat Gründe: Ninja, Gixxer, Blade – ebenfalls radikale Maschinen, die zwar berechtigt mit der Yamaha um die Supersport-Krone streiten, aber eben nicht so kultig sind wie die R1 mit ihrem zeitlos
modernen, minimalistischen Design. Dieses unverkennbare Aussehen ist offensichtlich beim Kauf ausschlagebender als Eigenschaften wie eine optimierte Fahrdynamik, ein sanfter zu schaltendes Getriebe oder mehr Leistung. Punkte, die der als äußerst zuverlässig geltenden Yamaha im Laufe
der Jahre anerzogen wurden. Superlative
werden ohnehin ständig getoppt und sind
beliebig. Die Modellbezeichnung R1 indes ist schon heute wie in Stein gemeißelt.

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