Gebrauchtberatung (Archivversion)

BMW R 1200 CL

Zu Anfang wurde sie belächelt und verspottet – die BMW R 1200 C. Doch schnell scharte sie eine große Fangemeinde um sich. Boxer-Cruiser fahren hat was. Das zeigt sich auch an den gesalzenen Gebrauchtpreisen.

Eine der ungewöhnlichsten Neuerscheinungen des Jahres 1997 war zweifellos die BMW R 1200 C, der erste Cruiser aus Bayern. Einen glänzenden Auftritt verschafften ihr nicht nur reichlich Chromflächen, sondern die für dieses Genre ungewöhnlichen Fahreigenschaften. Dank ABS (Aufpreis rund 1000 Euro) verzögert die BMW jederzeit vehement und aufgrund der Telelever-Vorderradführung ohne lästiges Einknicken der Front. Die Schräglagenfreiheit ist für einen Cruiser ungewöhnlich groß und das Fahrwerk erstaunlich komfortabel.

Der Motor strotzt mit nur gut 60 PS zwar nicht gerade vor Kraft, dafür gibt’s bezüglich Zuverlässigkeit keinerlei Klagen – weit über 50000 Kilometer Laufleistung ohne die geringsten Probleme sind keine Seltenheit. Gegen das teilweise sehr nervige Konstantfahrruckeln hilft ein für wenige Euro beim BMW-Händler erhältlicher Codierstecker, der die Leerlaufdrehzahl etwas anhebt. Eine Maßnahme, die wohl die meisten Besitzer längst durchgeführt haben und die sich spätestens auf der Probefahrt offenbart. Bei dieser sollten Kaufinteressenten verstärkt auf die Schaltbarkeit des Getriebes achten. Leichtes Krachen beim Einlegen des ersten Gangs ist quasi serienmäßig. Wollen die Zahnräder jedoch partout nicht einrasten und sich auch höhere Gangstufen verweigern, dann ist Vorsicht geboten. Sollte auf der Testrunde urplötzlich der Motor absterben, liegt’s möglicherweise an einem unbemerkten Fußkontakt mit dem nahe der Raste platzierten Seitenständerausleger, der daraufhin die Zündung unterbricht.

Dass sich BMW nach vielen Jahren Marktpräsenz dazu entschlossen hat, die R 1200 C-Modelle Ende 2005 vom Markt zu nehmen, war und ist vielen Motorradfans unverständlich. Denn der Erfolg des ungewöhnlichen Cruisers fiel mit weltweit über 30000 verkauften Modellen weitaus größer aus, als von den meisten erwartet. Doch wer weiß, vielleicht basteln die Münchner ja bereits an einem Nachfolger. Bis dahin müssen sich Boxerfans weiterhin mit gebrauchten R 1200 C begnügen.
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Besichtigung (Archivversion)

Rein äußerlich sollten sich Kaufinteressenten sämtliche Chrombauteile und -flächen genauer anschauen. Hier nagt der Zahn der Zeit besonders häufig und nahezu unabhängig vom Pflegeaufwand des Besitzers. Vor allem die Felgen älterer Baujahre sind davon betroffen. Auch die Chromflächen der Standrohrabdeckungen neigen zum Abplatzen. Bei Modellen mit Speichenrädern obligatorisch: das Abklopfen aller Speichen, um gelockerte oder gar gebrochene Kandidaten aufzuspüren.

Vor und nach der Probefahrt empfiehlt es sich, nach verdächtigen Ölspuren im Bereich des Kardans suchen – leckende Dichtungen sind nicht allzu selten und teuer zu reparieren. Alles in allem kennt die R 1200 C jedoch keine eklatanten Schwächen und gehört zu den besonders zuverlässigen Gebrauchtbikes. Verlaufen Besichtigung und Probefahrt, bei der auch das ABS auf Funktion geprüft werden sollte, glatt und problemlos, steht einem Kauf nichts im Weg.

Marktsituation (Archivversion)

Mit einem Bestand von rund 10000 Stück gehört die R 1200 C mit all ihren Varianten (Classic, Independent, Montauk, CL) zu den zahlenmäßig besonders beliebten Cruisern in Deutschland. Allerdings trennen sich viele Besitzer nur ungern von ihrem Schätzchen, da die R 1200 C eines der seltenen Modelle im Cruisersegment mit einem (optionalen) ABS ist. Und wenn, dann zu gesalzenen Preisen. Unter 5000 Euro geht gar nichts – außer Unfallware. Für CL-und Montauk-Modelle der jüngeren Baujahre werden teilweise noch deutlich über 10000 Euro verlangt. Immerhin können Gebrauchtkäufer, die viel Geld für den BMW-Cruiser in die Hand nehmen müssen, sicher sein, dass sich der Wertverlust der exklusiven Bajuwarin in Grenzen hält. Voraussetzungen: regelmäßige Inspektionen beim Vertragshändler und penible Pflege der anfälligen Chromteile.

Technische Daten (Archivversion)

Motor
Luft-/ölgekühlter Zweizylinder-Viertakt-Boxermotor, vier Ventile pro Zylinder, Nasssumpfschmierung, elektronische Saugrohreinspritzung, Motormanagement, geregelter Katalysator, hydraulisch betätigte Einscheiben-Trockenkupplung, Fünfganggetriebe, Kardan.
Bohrung x Hub: 101 x 73 mm
Hubraum: 1170 cm3
Nennleistung: 45 kW (61 PS) bei 5000/min
Max. Drehmoment: 98 Nm bei 3000/min

Fahrwerk
Tragende Motor/Getriebeeinheit mit geschraubtem Hilfsrahmen, längslenkergeführte Telegabel mit Federbein, Eingelenk-Einarmschwinge aus Stahlrohr, Zentralfederbein, Doppelscheibenbremse vorn, Scheibenbremse hinten.
Drahtspeichenräder2.50 x 18; 4.00 x 15
Reifen100/90 H 18; 170/80 H 15

Maße+Gewichte
Radstand 1650 mm, Lenkkopfwinkel 60,5 Grad, Nachlauf 86 mm, Federweg v/h 144/100 mm, Sitzhöhe* 750–800 mm, Gewicht vollgetankt* 277 kg, Zuladung* 173 kg, Tankinhalt/Reserve 17/5 Liter.

Messungen
(MOTORRAD 22/1997)
Höchstgeschwindigkeit: 181 km/h
Beschleunigung: 0–100 km/h5,5 sek
Durchzug: 60–140 km/h13,8 sek
Verbrauch: 5,7 l/100 km (Landstraße);6,7 l/100 km (130 km/h), Super

17/1997 (T), 22/1997 (VT), 4/1999 (VT), 12/2000 (VT), 5/2002 (VT), 20/2003 (VT), 4/2004 (VT)

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