Gebrauchtkauf BMW K 1100 RS (Archivversion) Oans, zwoa, gsuffa

Bayern sind durstig. Nicht nur die fröhlichen Zecher im Hofbräuhaus können davon ein Lied singen, sondern auch BMW K 1100 RS-Besitzer. Die müssen manchmal häufiger nachschütten, als ihnen lieb ist.

Einen großen Schluck genehmigt sich die BMW K 1100 RS gern. Natürlich nicht Bier, sondern Öl. Das passiert zwar nur bei hohen Drehzahlen auf schnellen Autobahnetappen, aber dafür ist der Bajuwaren sportlichstes Flaggschiff von Mitte der 90er Jahre eigentlich auch gebaut. Da kann schon mal ein Liter auf 1000 Kilometer durchlaufen. Und wenn man die Antworten der Händlerschaft auf genervte Anfragen der K 1100-Besitzer ernst nimmt, geschieht dies, ohne daß der Motor einen Schaden aufweist.Ab Werk verwenden die Bayern relativ verschleißfeste Zylinder-Laufbahnen, die eine lange Einlaufphase benötigen. Das bedeutet also: Einfahren nach alter Väter Sitte. Die Prozedur sollte allerdings nicht zu zögerlich vorgenommen werden, sonst ist die einjährige Garantiezeit - zur doppelten Zeitspanne von zwei Jahren wie die japanische Konkurrenz konnten sich die Weißblauen immer noch nicht durchringen - schneller vorbei, als die Einfahrzeit beendet. Nach den ersten 10 000 Kilometern nimmt der Ölverbrauch in der Regel kontinuierlich ab, um sich bei zirka 0,3 Litern einzupendeln. Kein Grund zur Beunruhigung bei der Ölkontrolle ist ein leeres Schauglas, denn dann fehlt gerade mal ein halber Liter des nötigen Schmierstoffs. Trotzdem kommt es immer wieder vor, daß Piloten die unmäßigen Trinksitten ihrer Weißblauen beklagen.1993 kam die K 1100 RS als Nachfolgerin der K 100 RS auf den Markt und wurde im Frühjahr 1997 von der K 1200 RS abgelöst. Zirka 65 Prozent der K-Kunden griffen in den ersten beiden Jahren zum geregelten Katalysator als Sonderausstattung, gar 90 Prozent zum Anti-Blockier-System. Nach der erste Generation der elektronisch gesteuerten Stopper, wie schon von der K 1 bekannt, kam im Frühjahr 1994 das verbesserte ABS II auf den Markt.Seit 1995 ist der geregelte Katalysator, seit 1996 auch das ABS II serienmäßig. Mit diesen Innovationen stieg allerdings auch der Neupreis dieser RS von 22400 Mark (1993) auf über 27000 Mark (1996) an. Knapp zwei Drittel der rund 4500 zugelassenen K 1100 besitzen die Tutto-Completto-Ausstattung, für die sich auch die meisten Gebrauchtkäufer interessieren. Auf der anderen Seite werden gerade die ABS- und Kat-losen Maschinen zu einem lukrativen Preis angeboten werden müssen, sollen sie nicht zu Rekordstanduhren degenerieren wie die K1 seligen Angedenkens.Von dieser unterscheidet sich der K 1100 RS-Vierventiler durch ein höheres Drehmoment und einen gleichmäßigeres Drehmoment. Damit und mit dem fahrstabilen Paralever-Fahrwerk war sie der BMW-Platzhirsch unter den Sporttourern. Die hohe Kilometerleistungen und das streßfreie Reisen hinter der effektiven, gegenüber der K1 viel gefälligeren Vollverkleidung wußte das Stammpublikum trotz kleiner Nickligkeiten zu schätzen.Altes Übel seit der K 100 ist das Beschlagen der Instrumentengläser. Hersteller MotoMeter nahm sich des Problems mit der Montage von Gore-Tex-Membranen zwar an, doch der Erfolg blieb aus. Bekannt auch die Elektronik-Macken, wenn beim Start des Motors der Spannungsabfall in der Batterie zu groß und das ABS nicht aktiv wird. Meistens hilft eine Wiederholung des Startvorgangs. Schlimmstenfalls muß eine BMW-Werkstatt die Elektronik überprüfen. Die normale Funktion der Bremse bleibt in jedem Fall erhalten, der Fahrer sollte auf dem Weg zur Werkstatt allerdingsnie so kräftig wie mit intaktem ABS am Bremshebel ziehen. Die meisten Elektrikprobleme (Blinker, Instrumente) sind auf Kontaktschwierigkeiten der Steckverbindungen zurückzuführen. Ein BMW-Mechaniker rät: Einmal im Jahr mit Ballistol-Waffenöl einsprühen, ist die beste Vorsorge.Legende ist die Klage über ein hakendes und schwer zu schaltendes Getriebe. Die Hamburger Niederlassung sieht das völlig unproblematisch: »Das muß sich einlaufen wie die Kolbenringe. Mit richtig justierter Kupplung und Synthetiköl der Viskosität SAE 90 gibt’s bald keine Probleme mehr.« Wenn das neue Sechsganggetriebe der K 1200 RS das hören könnte, müßte es sich glatt überflüssig vorkommen.Leben muß der RS-Fahrer mit den barmenden Geräuschen der Benzinpumpe, wenn die Tankfüllmenge ungefähr den Fünfliter-Level erreicht hat. Da die Innenschmierung der Pumpe dann trockenzulaufen droht, sollte schon aus diesem Grund an der nächsten Tankstelle der Spritpegel wieder angehoben werden.Ein Tip noch für Fahrer, die mit der Durchzugskraft des Motor zwischen 5000 und 6000/min hadern: Statt des Originalluftfilters verspricht ein auswaschbares Exemplar von K & N für zirka 120 Mark satteren Durchzug. Apropos Trinkgewohnheiten: Die gebrauchten BMW K 1100 RS werden, scheckheftgepflegt, mittlerweile so viele Kilometer hinter sich haben, daß ihr Öldurst schon lange vorüber ist.

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