Gebrauchtkauf Honda NX 650 (Archivversion) Abstauber

Trotz ihrer gefälligen Erscheinung hat es die Honda NX 650 faustdick hinter den Ohren. Seit acht Jahren hat sie in allen Vergleichen die Konkurrenz abgeledert.

Als Honda 1988 seinen bisher größten Einzylinder, die NX 650, selbstbewußt und unübersehbar mit der Zusatzbezeichnung »Dominator« auf dem Tank präsentierte, hielten das viele lediglich für einen PR-Gag. Doch die Honda macht ihrem Beinamen alle Ehre: Seit mehr als acht Jahren spielt sie eine dominierende Rolle auf dem Markt der Soft-Enduros. Die Qualität des Einzylinders lag und liegt noch heute in seiner Ausgewogenheit. In der Summe der Kriterien hat die Dominator gegenüber ihren Kontrahentinnen die Nase immer eindeutig vorn.Seit ihrer Präsentation macht die NX 650 ästhetisch viel her. In der auffällig roten Lackierung, mit der in den ersten Jahren sehr schlanken, homogenen Verkleidung und der Doppelport-Auspuffanlage mit denzwei hochgezogenen Endrohrenwirkt die Honda auf den ersten Blick eher wie ein Funbike für die Promenade. Doch der elastische, durchzugsstarke Motor macht in Verbindung mit dem ungemein leicht zu manövrierenden Fahrwerk sowohl auf der Straße als auch im mittelschweren Gelände eine hervorragende Figur. Eine effektive Bremsanlage und gut abgestimmte Federelemente komplettieren den grundsoliden Eindruck.In der langen Produktionszeit hat es Honda verstanden, die Modellpflege unauffällig, aber sinnvoll zu betreiben. So übernahm 1990 die deutsche Version für bessere Abgaswerte das Sekundär-Luft-System, das in der Schweiz schon ab 1988 installiert war. Dafür entfiel leider die Einstellschraube für das hintere Federbein. Für 1991 wurde mit einer modifizierten Auspuffanlage und geänderter Vergaserbedüsung der nochmals rigideren Gesetzgebung entsprochen - Folge: Der Motor leistete fortan 44 statt 45 PS.Modelljahrgang 1992 brachte etwas mehr ins Auge fallende Änderungen: Der größere Tank - 16 statt bisher 13 Liter - verlangte eine neue, voluminösere Verkleidung mit integrierten Blinkern sowie eine anders geformte Sitzbank. Diese Änderungen kamen zwar der Reisefraktion der Enduristen entgegen, die Geländefreaks allerdings ziehen die schmale Version vor. Auch das Zentralfederbein wurde modifiziert. Dafür fiel der assistierende Kickstarter weg, sehr zum Leidwesen von Kunden, die mit dem Elektrostarter nach längerer Standzeit Schwierigkeiten haben.Seit 1996 wird die Dominator im italienischen Honda-Werk Atessa in den Abruzzen gefertigt: Zum neuen Edelstahl-Auspuff gesellt sich wieder die schmalere Verkleidung mit freiliegenden Blinkern. Noch einen anderen Vorteil bietet die Italo-Version: Durch den günstigeren Lira-Kurs gegenüber dem harten Yen ist das aktuelle Modell 1200 Mark billiger geworden - Neupreis jetzt 10240 Mark.Die Ausgewogenheit des Alleskönners - wobei die Betonung darauf liegt, daß er außer schweren Geländepassagen wirklich alles überdurchschnittlich gut kann - verführt Vielfahrer auf der Anreise zu ihren Urlaubsgebieten natürlich auch dazu, viele Kilometer auf der Autobahn herunterzuspulen. Obwohl das nicht die Domäne von Einzylindermotoren ist, verkraftet das NX-Triebwerk verkraftet auch die Parforce-Jagden klaglos. Allerdings monieren eilige NX-Piloten, daß dafür der letzte Gang etwas zu kurz übersetzt sei. Kilometerleistungen von mehr als 60 000 ohne Kolbenwechsel sind an der Tagesordnung. Auch der relativ komplizierte Zylinderkopf - eine Nockenwelle steuert über ein ausgeklügeltes System von Kipp- und Schlepphebeln die vier radial angeordneten Ventile - spielt seinen Part gut und überzeugt mit hoher Lebensauer. Lediglich die kurzen Ölwechsel-Intervalle von nur 3000 Kilometern verderben kostenbewußten Fahrern die gute Laune. Apropos Schmierstoff: Auf den genauen Ölstand muß penibel geachtet werden, da ansonsten Zylinderkopf und Kolben schnell in Mitleidenschaft gezogen werden. Vornehmlich bei Fahrern von Gelände-Passagen, wird noch der sich schnell zusetzende Luftfilter kritisiert. Da der Luftfilterkasten ohne genügend große Abdeckung zum Reifen die Luft ansaugt, findet der durch das Hinterrad aufgeirbelte Staub ziemlich ungehindert Zugang zum Filter. Dem Vorschlag, eine zusätzliche Plastikabdeckung zwischen Luftfilterkasten und Reifen zu installieren, dürfte in der Praxis ein sich aufheizendes Federbein und daraus resultierende nachlassende Dämpfung entgegenstehen.Die im ersten Modelljahr verwendeten Nuten in den Bremsscheiben gaben vornehmlich vorn Anlaß zu Rissen. Mit Bohrungen trat dieser Defekt nicht mehr auf.Moniert wird außerdem häufig die vorn sehr schmale und weichen Sitzbank, die das Sitzfleisch mancher Fahrer schon nach 200 Kilometern mehr als nötig strapaziert. Die Radikalkur empfiehlt Christoph Henrichsen mit der Umrüstung auf die kommodere Bank der BMW F 650.Doch das sind alles Kleinigkeiten, die die Gebrauchtpteise nicht tangieren. Auf die hat sich selbst der deutlich gesenkte Neupreis kaum ausgewirkt. Unterstes Level für eine frühe, zusammengerittene NX 650 sind 3500 Mark. Ab 5500 Mark lohnt sich das Umschauen. Die Jahrgänge 1994 und 1995 gehen kaum unter 7500 Mark weg. Denn die Nachfrage übersteigt noch immer das Angebot.

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