Gebrauchtkauf Honda VFR 750 R (Archivversion)

Beziehungskiste

Ein Seitensprung mit der Honda VFR 750 R ist oft der Beginn einer intensiven Beziehung: Einmal der Faszination dieser Exotin erlegen - nie mehr davon losgekommen.

Mitte der achtziger Jahre beherrschte Honda mit den V4-Werksmaschinen vom Typ RVF 750 die TT-Formel 1 und die Endurance-WM. Ende 1987 war es dann soweit: Mit der VFR 750 R präsentierten die Japaner eine käufliche Replika der Werksrennmaschinen. Nie zuvor gab es soviel Renntechnik in einem Serienmotorrad. Leichte Titan-Pleuel, zahnradgetriebene Nockenwellen, Einarmschwinge und Achsschnellverschlüsse an der Gabel sind nur einige Features, die die Honda- Rennabteilung HRC dem Edelrenner mit auf den Weg gegeben haben. Rund 27 500 Mark kostete die von Insidern nach dem Entwicklungscode nur RC 30 genannte Maschine im Erscheinungsjahr 1988. Zuviel für den Ottonormal-Motorradfahrer, aber günstig genug für alle diejenigen, die in den Superbike-Sport einsteigen wollten. Und für die hielt Honda für weitere 15000 Mark einen Rennkit bereit, der die Motorleistung auf sagenhafte 133 PS bei 12500/min ansteigen ließ. Genug, um der Konkurrenz die Zähne zeigen zu können. Kein Wunder also, daß viele der rund 350 nach Deutschland importierten RC 30 ihr Leben auf irgendeiner Rennstrecke ausgehauchten. Einige Exemplare haben aber auch den Weg auf die Straße gefunden.Handlich und spurstabil pfeilt die VFR durch jede noch so enge Biegung, getrieben vom mächtigen Bums des V4-Triebwerks, das Ganze untermalt vom ureigenen Sound der RC 30, der allein schon süchtig macht. Das eng gestufte Sechsgang-Renngetriebe mit dem langen ersten Gang und das breite nutzbare Drehzahlband lassen die Honda jede Fahrsituation souverän beherrschen. In Sachen Alltagstauglichkeit müssen bei der VFR 750 R freilich Abstriche gemacht werden. So läßt die extrem sportliche Sitzposition längere Strecken zur Tortur werden. Außerdem muß der RC 30-Pilot mangels Sitzplatz auf die Mitnahme eines Passagiers verzichten, und das dürftige Licht empfiehlt eine Fortbewegung nur am hellichten Tage. Als technisch sensible Diva ist das Kraftbündel aber keineswegs verschrien - im Straßenbetrieb werden Laufleistungen von 40000 Kilometern problemlos erreicht, gute Pflege und regelmäßige Wartung natürlich vorausgesetzt. Schließlich stellt eine verkappte Rennmaschine andere Ansprüche als irgendein Brot-und-Butter-Motorrad.Daß die RC 30 technisch sehr ausgereift ist, zeigt auch, daß Honda nur ein einziges Mal nachbessern mußte. Die Werkstoffpaarung Ventil/Ventilsitz des 1988er Modells war nicht optimal gewählt und führte so zum vorzeitigen Einschlagen der Ventile. Alle betroffenen Maschinen wurden auf dem Garantieweg mit geänderten Zylinderköpfen bestückt. Kurzzeitige Klagen über erhöhten Ölverbrauch beseitigte Honda mit verbesserten Kolben. Ansonsten gab es keinerlei Änderungen an der Replika.Wird der VFR 750 R durch Stop and Go-Verkehr der kühlende Fahrtwind genommen, ringt der Hochleistungsmotor nach Luft, und das Kühlwasserthermometer strebt zügig dem roten Bereich entgegen. Das Entfernen der seitlichen Innenverkleidungen sorgt für eine raschere Wärmeabfuhr und der Ausbau des Thermostats dafür, daß immer der große Kühlkreislauf zur Verfügung steht. Das Problem aus der Welt schaffen aber erst größere Wasserkühler, wie sie unter anderem der Rennkit beinhaltet. Mit Preisen von 2300 Mark für den oberen Kühler und 1500 Mark für das untere Pendant leider eine recht teure Angelegenheit. Unverzichtbar ist ebenfalls die im Rennkit enthaltene Frischluftschale für die Vergaser. Für 220 Mark hält sie den Vergasern die Motorabwärme vom Leib und verhindert so die Dampfblasenbildung im Kraftstoff.Wer die VFR 750 R ihrer eigentlichen Bestimmung - der Jagd nach Rundenzeiten - zuführen möchte, dem stehen unzählige Möglichkeiten der Optimierung und Leistungssteigerung offen. Engagierte Honda-Händler wie Gaidosch (Telefon 06441/8656), Eckert (Telefon 07944/2055) oder Wellbrock (Telefon 04298/3254) halten hierzu ein umfangreiches Angebot bereit. Schlechter sieht es dagegen bei den Ersatzteilen von Honda aus. Die Produktion von Technik-Teilen wurde bereits eingestellt, und der Bestand neigt sich langsam, aber sicher dem Ende zu. Selbst Kleinteile wie Kupplungsfedern sind mittlerweile echte Mangelware. Von Kit- und Spezialteilen gar nicht zu sprechen. Und die Originalteile sind nicht nur rar, sondern auch - das freilich schon immer - teuer. Eine einfache Motorüberholung - bei verstärktem Rennbetrieb nach rund 5000 Kilometern notwendig - schlägt mit zirka 5000 Mark zu Buche. Liegt gar einen kapitaler Motorschaden vor, so wird leicht eine fünfstellige Summe fällig. Auf ähnlichem Preisniveau wie die Ersatzteile bewegen sich die Kosten für die sturzgefährdeten Verkleidungsteile. Wer seine RC 30 komplett original einkleiden will, muß mit rund 13000 Mark rechnen. Immerhin ist die Lackierung der Teile im Preis enthalten. Billiger und den Originalteilen qualitativ ebenbürtig sind viele Verkleidungsnachbauten. Ab 1200 Mark gibt’s eine komplette Verkleidung samt Sitzhöcker, da bleibt noch genügend Luft für eine Lackierung nach Wahl.Wer eine intensive Liaison mit einer RC 30 eingehen möchte, braucht nicht nur viel Kapital, sondern auch Zeit. Gepflegte Maschinen im Originalzustand sind rar und nicht unter 20000 Mark zu kriegen. Wer auf 100prozentige Originalität kein Wert legt, kann für rund 17000 Mark fündig werden. Wem das immer noch zuviel ist, der findet bei Tamiya eine VFR 750 R im Maßstab 1:12 für schlappe 48,95 Mark. Generell gilt, die VFR 750 R ist auf dem Weg zum Sammlerstück: Preistendenz steigend.
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Lesererfahrungen Honda VFR 750 R (Archivversion)

Auch wenn die als Rennmotorrad konzipierte RC 30 im Alltagsbetrieb doch einige Schwächen an den Tag legt, so ist ihr Wesen als reine Fahrmaschine über jeden Zweifel erhaben.
Im April 1996 habe ich mir eine VFR 750 R mit 1993er Erstzulassung für 12000 Mark gekauft. Die Laufleistung betrug laut Vorbesitzer 25000 Kilometer. Der Motor war kurz vorher von Honda auf Kulanz überholt worden. Aufgrund thermischer Probleme wurden neben der Innenverkleidung und dem Thermostat auch einer der zwei Kühlerventilatoren entfernt. Als weitere Extras habe ich noch eine Frischluftvergaserschale und Moriwaki-Krümmer mit einem modifizierten Originalendschalldämpfer montiert, da der Moriwaki-Endschalldämpfer selbst für Radaufreunde eine Zumutung ist. Des weiteren kommen zum Einsatz: die HRC-Höhenverstellung für das Federbein, ein Vorderrad aus der VFR 400 R, ein PVM-Hinterrad in der Größe 6 x 17 Zoll, Stahlflexbremsleitungen und Bremsscheiben von der CBR 1000. Ein zusätzlich montierter HRC-Vergaserkit in Verbindung mit einem K&N-Plattenluftfilter sorgt für ein deutliches Leistungsplus.Ich fahre die RC 30 ausschließlich auf der Rennstrecke, wo sie durch die gleichmäßige Leistungsentfaltung des Motors und das gutmütige Fahrverhalten begeistert. Nach zwei Jahren und rund 20000 Kilometern habe ich keinen nennenswerten Defekt gehabt. Fazit: ein faszinierendes Motorrad mit Charakter.Robert Heilbert,Bergisch GladbachIm Frühjahr 1990 kaufte ich meine erste RC 30, nicht ahnend, was sich im Laufe der Zeit daraus entwickeln würde. Bis heute habe ich dann noch weitere vier gebraucht gekauft. Die wichtigsten Änderungen, die ich nur jedem RC 30-Fahrer empfehlen kann, sind der Einbau von größeren Kühlern, dem Vergaserkit mit Frischluftschale und der Auspuffumbau von Gaidosch. Außerdem sollten die Serienräder gegen Räder der Größe 3,5X17 und 5,5X17 getauscht werden. Als Ersatz für die stets rubbelnden Serienbremsscheiben empfehlen sich die Gußscheiben von Spiegler in Verbindung mit Stahlflex- oder Kevlar-Bremsleitungen.Nach rund 40000 Kilometern, davon 90 Prozent auf der Rennstrecke, bleibt nur zu sagen: Auch wenn sich mit montiertem leisem Auspuff bereits moderne 600er über uns hermachen, würde ich mich unter normalen Umständen nicht von meinen RC 30 trennen. Mit ihrem sagenhaften Sound, dem Gemisch aus Ansauggeräusch und dem V4-Sound aus dem offenen Auspuff bleibt sie einfach einzigartig.Rainer Kopp, ButzbachIm Dezember 1995 kaufte ich mir meine VFR 750 R bei einem freien Importeur. Die RC 30 ist für mich das Motorrad schlechthin. Der momentane Kilometerstand beträgt 31000. Bis auf verzogene vordere Bremsscheiben bei Kilometer 6000 gab es keine Probleme. Die Maschine befindet sich mit Ausnahme einiger HRC-Teile (Vergaserkit und Frischluftschale, Kühler oben und unten, Fahrwerk und Auspuff) im Originalzustand. Auf den Serienfelgen haben sich in bezug auf Fahrverhalten und Laufleistung die Reifen Metzeler ME Z 1 Racing für vorne und Metzeler ME Z 2 für hinten bewährt. Die thermischen Probleme lassen sich durch den Ausbau des Wasserthermostats auch ohne Kitkühler mildern. Die Ventilatoren schalte ich manuell bei einem Ansteigen der Wassertemperatur auf über 70 Grad Celsius zu.Die RC 30 ist so schnell, wie ich es will, und so sicher, wie ich es brauche. Und der Auspuffsound...himmlisch.Bernd Salomon, GelsenkirchenMeine RC 30, Baujahr 1991, hat derzeit rund 9000 Kilometer abgespult und ist noch immer ein Begeisterung hervorrufendes Motorrad. Wobei sie nicht als Alltags-Bike taugt. Die lange Übersetzung des ersten Gangs und die thermische Empfindlichkeit des Motors lassen einen Gebrauch im Stadtverkehr fast nicht zu. Die RC 30 ist eben eine Fahrmaschine, die auf die Landstraße beziehungsweise auf die Rennstrecke gehört und nur dort ihr wahres Potential ausspielen kann.Probleme gab es bisher nur mit rubbelnden Bremsscheiben. Da die Originalscheiben rund 800 Mark pro Stück kosten, greift man besser zu Gußscheiben aus dem Zubehör. Die Änderung der Sekundärübersetzung auf 15/42 läßt im Straßenverkehr mehr Freude aufkommen.Beim Gebrauchtkauf ist Vorsicht geboten. Da die meisten RC 30 für Rennzwecke mit anderen Verkleidungsteilen und Felgen bestückt wurden, können die zum Verkauf montierten einwandfreien Originalteile einen falschen Gesamtzustand vortäuschen. Also zur Besichtigung besser jemanden mitnehmen, der sich auskennt. Ansonsten treten bei entsprechender Wartung keine Probleme auf.Richard Tschernitsch, Wien

Gebrauchtkauf Honda VFR 750 R (Archivversion)

Honda VFR 750 RTechnische DatenMotorWassergekühlter Vierzylinder-Viertakt-90-Grad-V-Motor, je zwei obenliegende, zahnradgetriebene Nockenwellen, vier über Tassenstößel betätigte Ventile pro Zylinder, Naßsumpfschmierung, gleitgelagerte Kurbelwelle, kontaktlose Zündanlage mit elektronischer Zündverstellung, vier Keihin-Gleichdruckvergaser, 0 35,3 mm, E-Starter.Hubraum 748 cm3Nennleistung 100 PS (74 kW) bei 11000/minFahrwerkAluminium-Brückenrohrrahmen aus Vierkantprofilen, Telegabel, Steuerkopf kugelgelagert, Standrohrdurchmesser 43 mm, mit verstellbarer Federbasis, Zug- und Druckstufendämpfung, Einarm-Hinterradschwinge aus Aluminiumguß, kegelrollengelagert, Zentralfederbein, über Hebelsystem angelenkt, mit verstellbarer Federbasis, Zug- und Druckstufendämpfung, Doppelscheibenbremse vorn mit Vierkolbensätteln und schwimmend gelagerten Bremsscheiben, 0 310 mm, Scheibenbremse hinten, 0 220 mm, Alu-Gußräder.Federweg vorn/hinten 120/130 mmMaße und GewichteNachlauf 91 mmRadstand 1410 mmSitzhöhe 785 mmLenkerbreite 680 mmTankinhalt/Reserve 18/3,5 LiterGewicht vollgetankt 208 kgZul. Gesamtgewicht 322 kgService-DatenService-Intervalle alle 6000 km TestwerteHöchstgeschwindigkeit Solo 234 km/hBeschleunigung 0-100 km/h Solo 4,9 sekVerbrauch 8,9 LiterKraftstoff Super bleifrei Ersatzteil-PreiseSturzteileKupplungs-Hebel 35,50 MarkLenker komplett 595,20 MarkRückspiegel 89,30 MarkBlinker vorn 87,90 MarkTachometer 399,70 MarkGabelstandrohr 480,30 MarkSchutzblech vorn 246,70 MarkVorderrad 1238,90 MarkAuspuff (Schalldämpfer) 2050,30 MarkTank, lackiert 1404,30 MarkRahmen 4842,10 MarkRahmenheck 2000,80 MarkVerkleidungsoberteil (lackiert) 4456,90 MarkVerkleidungsunterteil (lackiert) 3563,30 MarkSitzbank (lackiert) 4980,90 MarkScheibe 769,20 MarkKettenkit 659,90 MarkBremsbeläge vorn, ein Satz 135,60 MarkKupplungsbeläge, ein Satz 168,80 MarkBremsscheibe vorn 704,00 MarkLuftfilter 117,20 MarkÖlfilter 19,20 MarkGaszug 61,20 MarkTachowelle 40,90 MarkBatterie 163,20 MarkGabeldichtring 43,80 Mark Stärken und SchwächenStärkenHervorragende VerarbeitungErstklassiges HandlingSehr gut ansprechende FederelementeSchwächenMotor thermisch empfindlichEingeschränkte AlltagstauglichkeitHohe Ersatzteilkosten Test in MOTORRAD1Test 7/1988Vergleichstest 17/1988Vergleichstest 16/1989Vergleichstest 18/1990 Reifenfreigaben Typ RC 30vorn hinten120/70V17 170/60 VR 18Dunlop K 755 F Dunlop K 855Bridgestone Exedra G 553 Bridgestone Cyrox-08 RadialDunlop Sportmax Dunlop SportmaxAlternativbereifung120/70 ZR 17 170/60 ZR 18Metzeler ME Z 2 Metzeler ME Z 2Pirelli MTR 03 Pirelli MTR 04Bridgestone BT 54 FG Bridgestone BT 54 RGModellpflege1988: Neue Zylinderköpfe mit geänderten Einlaß-VentilsitzenFußnoten:1Tests können beim Verlag bestellt werden, Telefon siehe Kasten auf Seite xxx.

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