Gebrauchtkauf Kawasaki KLX 650 C (Archivversion) BADEN GEGANGEN?

Der starke Auftritt der KLX 650 währte nur kurz. Nach drei Sommern stellte Kawasaki die Auslieferung des zwischenzeitlich lahmenden Patienten ein.

Seit ihrer Präsentation Anfang 1993 sorgte die Kawasaki KLX 650 C für Gesprächsstoff. Endlich schienen die Grünen bei den Straßen-Enduros wieder ein konkurrenzfähiges Eisen im Feuer zu haben. Die Rückbesinnung auf klassische Enduro-Qualitäten wie akzeptables Gewicht (170 Kilogramm), schmaler Tank und großzügige Federwege (mehr als 25 Zentimeter) kam gut an. Das neue Triebwerk baute kompakter, wog fast vier Kilogramm weniger als das fülligere Aggregat des Vorgängermodells KLR und propagierte auf dem Papier einen Leistungszuwachs von zehn Prozent (45 statt 41 PS).Mit dem Rückenwind zustimmender Beurteilung in Einzel- und Vergleichstests ging die sportliche Enduro zunächst weg wie warme Semmeln. 1993 und 1994 verkaufte sich das C-Modell fast 3000mal. Die KLX glänzte mit exzellenter Handlichkeit, und trotz Federelementen, die kaum Einstellmöglichkeiten bieten, überzeugte ihr Fahrwerk im Gegensatz zu der in die Jahre gekommene Konkurrenz der anderen japanischen Marken.Doch schon bald wurde Kritik der Käufer an der Motorleistung laut. Wobei sie sich nicht daran störten, daß von den ursprünglich deklarierten 45 PS in der deutschen Version nur knapp 42 übrig blieben. Doch daß sich aus ominösen Gründen noch weitere Pferdestärken verflüchtigten, gab Anlaß zu vielen Reklamationen (siehe 50000-Kilometer- Langstreckentest in MOTORRAD 4/1995). Kawasaki reagierte und schrieb ein größeres Ventilspiel und eine Reduzierung der Öleinfüllmenge um einen halben Liter vor. Damit erlangten die meisten von der Schwindsucht befallenen KLX 650 C wieder mehr Kraft und schwangen sich zu einer Höchstgeschwindigkeit von gut 150 km/h auf. Bei immer noch unzufriedenen Kunden bauten ambitionierte Firmen wie beispielsweise Popko in Braunschweig gleich den Kolben der ebenfalls 1993 präsentierten Sportvariante KLX 650 R mit höherer Verdichtung ein. Auch Kawasaki reagierte und verwendete ab der Fahrgestellnummer LX 650 C 005350 einen modifizierten Kolben und regelte spezielle Problemfälle auf dem Garantieweg.Bei dem reduziertem Ölstand - im Schauglas steht der Schmierstoff dann lediglich zwei bis drei Millimeter über dem Minimum - muß besonders nach Vollgasetappen penibel kontrolliert werden, ob der Pegel nicht zu weit gesunken ist. Dafür nahmen nach der Minimierung des Ölstands die Klagen über öltriefende Luftfilterkasten ab. Mit Entfernung des Ansaugschnorchels im Luftfilterkasten und größerer Bedüsung nimmt der Motor noch spontaner Gas an, allerdings, so Hans Lier von Popko, »liegt das Ansauggeräusch dann stark am Rande der Legalität«.Springt der Motor per Elektrostarter schlecht an, hat häufig der Dekompressions-Mechanismus des rechten Auslaßventils zu viel Spiel. Das Ventil öffnet dann nicht weit genug, und der Anlasser macht schlapp, weil er noch zuviel Kompression überwinden muß.Bis Kawasaki die ganzen Anfangsschwierigkeiten in den Griff bekommen hatte, war der Ruf des Modells - gerade der schleichende PS-Verlust traf die leistungsbewuße Klientel empfindlich - schon fast ruiniert. Kawasaki Deutschland stellte Ende 1995 den Import des C-Modells ein. Offizielle Begründung: Die Hürde der Abgas- und Lärmrestriktionen für die ABE sei zu hoch. Neben dem Kolben gab es in den drei Jahren Bauzeit noch zwei wichtige Änderungen: 1994 wurden die Trägerplatte und die Gummielemente für den Ruckdämpfer im Hinterrad verstärkt. 1995 fand ein harter abgestimmtes Federbein Verwendung, das alte hatte selbst bei nur gelegentlichem Geländebesuch zu schnell schlapp gemacht. Bei der Bereifung gibt es keine Bindung an bestimmte Hersteller, bei Straßenbetrieb ist der Dunlop Trailmax verbreitet, wer häufiger im Gelände herumkurvt, besohlt eher mit Metzeler Enduro 4. Als sich die Kawasaki KLX 650 C 1995 unerwartet schnell vom Markt verabschiedete, hielt sich das Bedauern in Grenzen. Damals waren gebrauchte Maschinen kaum zu adäquaten Preisen - der Neupreis lag bei zirka 11500 Mark - zu veräußern. Heute hat sich das geändert: Die Nachfolgerin, die KLR 650, die kurioser Weise als Antrieb den Motor des alten Tengai-Vorläufermodells wieder verwendet, geriet deutlich schwergewichtiger, so mancher trauert inzwischen dem schlankeren Allrounder KLX nach. Sie tröstet auch wenig, daß die Firma Zimmerer im bayrischen Oberau (Telefon 08824/1334) seit diesem Jahr wieder das R-Modell, allerdings auf 26 PS gedrosselt, anbietet. Den ist für den Alltag zu spartanisch sportlich.

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