Gebrauchtkauf: Kawasaki ZX-6R (Archivversion)

Modellgeschichte
Drei Modellwechsel innerhalb von fünf Jahren sind normalerweise alles andere als eine vertrauensbildende Maßnahme für ein Motorrad. Nicht so im Fall der Kawasaki ZX-6R, bei der das ständige Streben nach Verbesserungen weniger dem Ausmerzen anfänglicher Malaisen galt, sondern vielmehr Ausdruck des knallharten Wettbewerbs in der popu-
lären Supersportklasse war und ist.
Bereits bei der Markteinführung 1995 mischte die Ninja ZX-6R die Konkurrenz gewaltig auf, und zwar sowohl auf der Rennstrecke als auch im Alltagsbetrieb. Insbesondere der kraftvolle, durchzugsstarke und laufruhige Motor, das gleichermaßen stabile wie komfortable Fahrwerk mit Top-Bremsen sowie die im Vergleich zu anderen Sportlern bequeme Sitzposition überzeugten die MOTORRAD-Tester und die Käufer. Kritik gab es vor allem für das unangenehme Gabelflattern beim harten Bremsen sowie für den kaum vorhandenen Windschutz und das etwas kippelige Einlenkverhalten.
Den Konter der erstarkten Konkurrenz parierte Kawasaki 1998 mit einer tiefgreifend überarbeite-
ten Variante (Typ ZX600-G1), die zudem gegen Aufpreis erstmals mit einem ungeregelten Katalysator erhältlich war (ZX600-H1). Aufgrund der zahlreichen Änderungen konnte man die 1998er-ZX getrost als neues Modell bezeichnen, das die Mitbewerber um den Thron in der Supersportklasse im direkten Vergleich prompt in fast allen Belangen distanzierte.
Für die Saison 2000 überarbeitete Kawasaki die
ZX-6R erneut in vielen Punkten. Damit konnte sie den Mitbewerbern im Alltag noch immer das schlanke Heck zeigen, aber auf der Rennstrecke zog sie wegen des – je nach Serienstreuung – immer noch auftretenden Gabelflatterns gegen eine Yamaha YZF-R6 den Kürzeren.
Vor zwei Jahren mutierte die 600er durch eine
um zwei Millimeter erweiterte Bohrung schließlich zur 636, womit sich die zivile ZX-6R-Version aus
der Supersport-Klasse verabschiedete, während das lediglich in begrenzter Stückzahl lieferbare Schwes-
ter-Modell namens ZX-6RR weiterhin dem Supersport-Reglement entspricht.
Marktsituation
Die ZX-6R ist ein Bestseller im Kawasaki-Programm. Zwischen 1995 und 2001 verkaufte der Importeur hier zu Lande exakt 16587 Stück. Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) führt heute knapp 14000 Exemplare im Bestand, wobei sich die Zahlen gleichmäßig auf die drei bis Ende 2001 verkauften Modellvarian-
ten (ZX600-F/G/J) verteilen.
Trotz des großen Angebots haben viele Händler Schwierigkeiten, die nach wie vor rege Nachfrage nach gebrauchten ZX-6R zu befriedigen. Besonders gesucht sind Maschinen zu Preisen zwischen 2500 und 4000 Euro. Diese sind vor allem bei jüngeren Motorrad-Aufsteigern beliebt, die sich den Traum vom 600er-Supersportler erfüllen wollen, aber nur ein begrenztes Budget zur Verfügung haben. In der Regel stammen solche Kawasakis noch aus der ersten Serie, sind zwischen 30000 und 50000 Kilometer gelaufen und wechseln zumeist von Privat
den Besitzer.
Im Gebrauchthandel sind eher Modelle ab 1998
anzutreffen, für die hohe Preise verlangt und auch bezahlt werden. Die liegen oftmals sogar über den Schwacke-Notierungen, welche den Händlerverkaufs-
preis für eine ZX-6R von 1998 (zirka 48800 Kilometer) auf rund 4000 Euro taxieren, eine 2000er-ZX mit 33000 Kilometern soll rund 5600 Euro Wert
sein, ein Exemplar von 2001 (24800 Kilometer) 5800 Euro. Speziell die jüngeren Exemplare weisen jedoch häufig geringere Laufleistungen auf und werden entsprechend teurer offeriert.
Schnäppchen sind also eher die Ausnahme. Es sei denn, das angebotene Stück ist in Schwarz, Rot, Gelb oder Silber lackiert: Bei der ZX-6R spielt nämlich die richtige Farbe eine bedeutendere Rolle als bei vielen anderen Gebrauchtmotorrädern. Eine Kawa kann
eigentlich nur grün sein.

Besichtigung
Bei der Besichtigung einer gebrauchten ZX-6R empfiehlt es sich, neben dem Motorrad auch dem
Besitzer auf den Zahn zu fühlen. So manche ZX wurde von ihrem Piloten im Rahmen diverser Renntrainings richtig ausgequetscht, was zwangsläufig einen höheren Verschleiß bedeutet. Besondere Vorsicht ist angebracht, wenn der Vorbesitzer sich
bestimmter Tuning-Maßnahmen rühmt, da speziell die Triebwerke der ersten Serie bereits im Originalzustand leistungsmäßig nahezu ausgereizt waren und Leistungssteigerungen ab und an mit einem Motorschaden quittierten.
Im Serienzustand gelten die Triebwerke aller Bau-
reihen allerdings als sehr robust, sofern die regelmäßigen Wartungsintervalle, besonders die Kontrolle des Ventilspiels, eingehalten wurden. Bei älteren Exemplaren sollte man jedoch auf erhöhten Ölverbrauch achten, erkennbar an den typischen Ölfahnen beim Lastwechsel. Weitere Checkpunkte bei der
Probefahrt sind die Kupplung, das Lenkkopflager sowie die Bremsscheiben, die speziell bei den Modellen bis Jahrgang 1998 gerne mal zum Rubbeln neigen. Falls die Kawasaki ZX-6R mit einer ver-
zögerten Gasannahme auffällt, sind unter Umständen die Vergasermembranen verhärtet und müssen ausgetauscht werden.
Ansonsten gilt der prüfende Blick noch verräteri-
schen Sturzspuren (Kratzer, beschädigter Lenkan-
schlag), verschlissenen Gabel-Dichtringen sowie der rostanfälligen Auspuffanlage der ersten Serie. Bei den ZX-6R von 1995 sollten zudem die Rahmenprofile zwischen Steuerkopf und oberer Motorhalterung genauer inspiziert werden, da es in diesem Bereich in der Vergangenheit vereinzelt zu Rissen kam.

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