Gebrauchtkauf-Tipps (Archivversion)

Im Blickpunkt

Wer sich beim Kauf einer Gebrauchten ausreichend Zeit für die Besichtigung und die Probefahrt nimmt, spart sich unter Umständen eine Menge Ärger – und Geld.

Darüber müssen sich Käufer von Gebrauchtmotorrädern im Klaren sein: eine Gebrauchte ist eine Gebrauchte ist eine Gebrauchte. Mit anderen Worten: Bei Maschinen, die schon einige Jahre und Kilometer auf dem Buckel haben, sind Gebrauchsspuren wie Kratzer, Macken, faltige Sitzbänke oder mitgenommene Verschleißteile nicht ungewöhnlich.
Dennoch gibt es viele Punkte, die man vor einem Kauf genauer unter die Lupe nehmen sollte. Zeigen sich allzu viele Bauteile in fragwürdigem Zustand, lohnt es sich selbst bei vermeintlichen Schnäppchen nicht zuzuschlagen. Am besten nimmt man zur Besichtigung noch jemanden mit, der sich mit Motorrädern gut auskennt. So lassen sich Lastwechselreaktionen auf der Probefahrt beim Hinterherfahren leichter feststellen. Außerdem sehen vier Augen bekanntlich mehr als zwei.
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Gebrauchtkauf-Tipps zur Besichtigung und Probefahrt (Archivversion)

n Armaturen: Funktioniert die gesamte Instrumentenbeleuchtung? Lässt sich der Tageskilometerzähler zurückstellen? Stimmt der Tachostand mit den Angaben des Verkäufers überein? Lassen sich sämtliche Schalter einwandfrei bedienen?
n Auspuff: Original- oder Zubehördämpfer? Besitzt der Nachrüstdämpfer eine ABE, eine EG-Betriebserlaubnis, oder ist er in die Fahrzeugpapiere eingetragen? Sind sämtliche Verbindungsstellen der Auspuffanlage dicht? Scheppert es beim Dagegenklopfen im Innern des Dämpfers?
n Batterie: Sind die Pole korrodiert? Stimmt bei nicht wartungsfreien Batterien der Säurestand?
n Beleuchtung: Funktionieren alle Lampen wie Blinker, Abblend-, Fern-
und Standlicht sowie die Bremsleuchte?
n Bowdenzüge: Sind sie leichtgängig?
n Bremsbeläge: Ist ausreichend Belagstärke vohanden?
n Bremsscheiben: Sind sie stark riefig, eingelaufen, extrem verfärbt oder sogar rissig?
n Bremssystem: Sind die Leitungen undicht oder rissige Stellen zu entdecken?
n Fahrzeugpapiere: Stimmt das besichtigte Motorrad (Fahrgestellnummer) mit dem Fahrzeugbrief überein?
n Federbein: Zeigen sich undichte Stellen? Sind beim Ein- und Ausfedern Gurgelgeräusche zu hören? Ist die Dämpfung ausreichend, oder wippt das Heck nach?
n Felgen: Laufen sie absolut rund? Sind die Felgenhörner stark zerkratzt oder gar verbeult?
n Hauptständer: Ist er verbogen? Steht das Motorrad stabil?
n Kardan: Undichte Stellen?
n Kettensatz: Wie verschlissen sind Ritzel, Kettenrad und Kette?
n Lenkanschlag: Unbeschädigt oder verbogen?
n Lenkkopflager: Ist die Lenkung leichtgängig? Rastet der Lenker in Geradeausstellung ein? Knackt es bei starkem Eintauchen? Lässt sich Spiel feststellen?
n Lenkschloss: Funktionstüchtig? Leichtgängig?
n Ölstand: Füllmenge in Ordnung?
n Ölundichtigkeiten: Ist am Motor irgendwo Öl zu sehen?
n Räderflucht: Stehen Vorder- und Hinterrad bei geradem Lenker in einer Linie, oder sind sie seitlich versetzt?
n Radlager: Weist es übermäßig Spiel auf?
n Reifenprofil: Ausreichend Profiltiefe (mindestens 1,6 Millimeter) vorhanden?
n Reifentyp: Stimmen die aufgezogenen Reifen mit den Fahrzeugpapieren überein?
n Schlüssel: Sind auch die Zweitschlüssel vorhanden, und passen sie?
n Schwingenlager: Weist es übermäßig Spiel auf?
n Standrohre: Dicht? Kratzspuren oder Steinschlagschäden?
n Tank: Kein Rost im Innern sichtbar?
Tankfalze intakt und nicht verrostet?
n Umlenkhebel: Übermäßiges Spiel? Korrosion?
n Unfallspuren: Verkleidungsteile, Lenkerenden und Hebel sowie Motorseitendeckel ohne Schrammen?
n Verkleidung: Sturzspuren oder Risse an den Halterungen? Scheppert’s beim Dagegenklopfen?
n Zubehör: Sind Sonderzubehör wie
Verkleidung, Lampen, Fußrasten, Lenker- umbauten, Stahlflexleitungen oder
sonstige zulassungspflichtige Änderun-
gen in die Papiere eingetragen?

n Anlassen: Ist der Motor kalt? Springt er problemlos an?
n Bremsen: Wirkung? Pulsiert der Bremshebel aufgrund verzogener Bremsscheiben?
n Fahrwerk: Schaukelt das Motorrad beim Überfahren von Bodenwellen nach?
n Geradeauslauf: Bleibt das Fahrzeug beim Freihändigfahren in der Spur?
n Getriebeheulen: Dringen beim Fahren in bestimmten Gängen (meist
im letzten Gang) heulende Geräusche
aus dem Motor?
n Instrumente: Zeigen Tacho und Drehzahlmesser an? Funktioniert die Dämpfung der Zeiger oder schlackern diese auffällig?
n Killschalter: Stirbt der Motor beim Betätigen ab?
n Kupplung: Rutscht sie beim Beschleunigen im großen Gang durch (geht die Drehzahl dabei ungewöhnlich hoch)?
n Lastwechsel: Entfleuchen beim Gasgeben oder Gaszudrehen blaue Wölkchen aus dem Auspuff?
n Motorlauf: Läuft der Motor im Stand gleichmäßig rund?
n Ölverlust: Ist der Motor auch nach der Probefahrt noch überall dicht?
n Schaltbarkeit:Lassen sich alle Gänge sauber hoch- und runterschalten?
n Seitenständerschalter: Funktioniert der Zündunterbrecherschalter?

Gebrauchtkauf-Tipps zur Besichtigung und Probefahrt (Archivversion)

Ralph Andreß, Rechtsanwalt in
der Kanzlei Herrmann, Gass & Kollegen in Heilbronn, zur Gewährleistung
bei Gebrauchtmotorrädern.
Worin besteht der Unterschied zwischen Gewährleistung und Garantie bei einem gebraucht gekauften Motorrad?
Als Gewährleistung bezeichnet man den gesetzlichen Anspruch des Käufers, dass das gekaufte Motorrad keine Sach- und Rechtsmängel hat. Unter einer Garantie versteht man die freiwillige Zusicherung des Verkäufers, für bestimmte Eigenschaften einzustehen. Eine Garantie tritt neben die gesetzlichen Gewährleistungsansprüche.
Muss auch bei Privatverkäufen eine Art Gewährleistung gegeben werden?
Die gesetzlichen Regelungen gelten auch bei Privatverkäufen. Hier kann
allerdings die Gewährleistung ausgeschlossen werden. Damit der Verkäufer später nachweisen kann, dass die Gewährleistung tatsächlich ausgeschlossen wurde, sollte dies immer schriftlich und ausdrücklich im Kaufvertrag erfolgen. Anders beim Kauf vom Händler, der kann die Gewährleistung bei gebrauchten Motorrädern nicht ausschließen, sondern nur von zwei Jahren auf ein Jahr verkürzen.
Was macht man, wenn das kürzlich gekaufte, gebrauchte Motorrad nach wenigen
100 Kilometern einen kapitalen Motorschaden erleidet?
Fein raus ist der, der sein Gebrauchtmotorrad beim Händler gekauft hat. Für die ersten sechs Monate ab dem Kauf gilt die Vermutung, dass die »Anlage« für den Motorschaden schon bei Übergabe vorhanden war. Das Gegenteil wird der Händler schwer beweisen können. Nach Wahl des Käufers – nicht des Händlers – muss dieser reparieren, ein neues Motorrad liefern, das defekte Motorrad
zurücknehmen oder einen Teil des Kaufpreises zurückzahlen. Anders sieht es
beim Privatkauf aus. Der Verkäufer kann einmal die Gewährleistung komplett
ausschließen, zum anderen gilt die Beweislastumkehr nicht. Der Käufer muss beweisen, dass die »Anlage« zum Motorschaden beim Verkauf schon vorgelegen hat. Bei geringer Laufleistung mag dies noch möglich sein, nach ein paar tausend Kilometern wird dies fast unmöglich.
Angenommen, es stellt sich heraus, dass es sich bei dem gebrauchten Motorrad um ein Unfallmotorrad handelt, obwohl dies im Kaufvertrag dementiert wurde: Hat der Käufer dann ein Recht, das Motorrad zurückzugeben?
Der verschwiegene Unfall stellt einen Sachmangel dar, erst recht, wenn im Kaufvertrag Unfallfreiheit zugesichert ist. Der Käufer kann deshalb vom Vertrag zurücktreten und das Motorrad gegen Rückzahlung des Kaufpreises zurückgeben, § 437 Abs. 1 Nr. 2 BGB.

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