Gebrauchtkauf Yamaha GTS 1000 (Archivversion) Dumm gelaufen

Der von Yamaha erwartete Erfolg des High-Tech-Sporttourers GTS 1000 blieb aus. Für Interessenten großer Tourenmaschinen ein Vorteil. Denn wo sonst auf dem Gebrauchtmarkt gibt es soviel modernste Motorradtechnik für sowenig Geld.

Bei ihrer Präsentation auf der IFMA 1992 sorgte die Yamaha GTS 1000 für viel Aufsehen. Doch als das High-Tech-Bike mit Achsschenkellenkung, elektronischer Einspritzanlage mit geregeltem Drei-Wege-Katalysator und wahlweise mit Antiblockier-System als GTS 1000 A ab 1993 dann für die Kundschaft bereitstand, wollte es kaum jemand haben. Das Aussehen der mächtigen Einarmschwinge im Vorderrad mit dem gewaltigen Federbein erregte Mißfallen. Außerdem entpuppte sich der theoretische Vorteil der Achssechenkellenkung - sensibleres Ansprechen, stabilere Radführung und Wegfall der Bremsnickbewegungen gegenüber der konventionellen Telegabel - bei den ersten Testberichten scheinbar als Nachteil. Hohe Einlenkkräfte, kippliges Fahrverhalten und starke Aufstellneigung beim Bremsen schmälerten das Fahrvergnügen erheblich. Doch die Ursache lag eher am überdimensionierten Vorderreifen und dem hohen Gewicht als an der neuen Technologie.Die optimistische Prognose von Yamaha, pro Jahr rund 1000 Stück abzusetzen, ging gründlich daneben - die GTS 1000 erwies sich in den ersten beiden Jahren als Ladenhüter. Yamaha Deutschland versuchte zu retten, was zu retten war, und offerierte die GTS im Frühjahr 1995 zu Dumping-Preisen. Statt anfänglich rund 25000 Mark mit ABS und 23000 ohne wurden nur noch 20000 beziehungsweise 18000 Mark verlangt. Ab 1996 standen jedoch wieder die alten (hohen) Preise in der Verkaufsliste. Ein großer Erfolg war die Sonderangebotsaktion offensichtlich nicht. Heute sind von der Yamaha GTS 1000 gerade mal 1300 Stück zugelassen. Dabei hat die (mit ABS) rund 290 Kilogramm schwere Tourenmaschine einiges zu bieten. So zum Beispiel den Vierzylindermotor, der zwar mit dem Fünfventil-Triebwerk der FZR 1000 identisch, aufgrund zahmerer Steuerzeiten aber viel elastischer ist und samtweich läuft. Auch beim entspannten Touren über Landstraßen ist kaum Schaltarbeit vonnöten, der letzte Gang zieht (fast) alles. Guten Wind- und Wetterschutz bieitet die Verkleidung, die mit zwei verschieden hohen Scheiben geliefert wird. Die Sitzposition ist sowohl für den Fahrer wie Beifahrer bequem und für das große Touren ergonomisch sehr ausgewogen. Überragend auch der bis zur Höchstgeschwindigkeit optimale Geradeauslauf. Bei der zunächst kritisierten Achsschenkellenkung vorn stellte sich heraus (siehe MOTORRAD 11/1993), daß das schwierige Fahrverhalten der GTS weniger ihr, sondern vielmehr dem 130 Milimeter breiten Vorderreifen zuschreiben ist. Bei ausführlichen Fahrversuchen mit einem 120er Reifen auf der 17-Zoll-Felge erübrigten sich Kritikpunkte wie extreme Aufstellneigung beim Bremsen in Schräglage und kraftaufwendige Lenkbetätigung. Yamaha hielt jedoch stur an der 130er Dimension fest, homologierte allerdings die 120er Dimension nach.Bei dem generell sehr überzeugenden Motor wurde nicht nur bei der Langstrecken-Testmaschine (siehe MOTORRAD 20/1994) der Schieberuckel-Effekt im Drehzahlbereich zwischen 2500 und 3000/min moniert. Gerade, wenn die Einspritzung für den Kat vorschriftsmäßig eingestellt ist, mager das Gemisch ab. Die optimale Einstellung sollte bei laufenden Kühllüftern zirka 3,3 bis 3,5 Prozent CO betragen, um den nötigen Kompromiß zwischen Ansprechverhalten und Effektivität des Katalysators zu erreichen.Ist die GTS ein Säufer? Bei Autobahnjagerei kann der Benzinverbrauch schon mal über zehn Liter auf 100 Kilometer schnellen, wenn die Benzin-Kontrolle aufleuchtet, sind bei maßvoller Gashand allerdings noch gut 60 Kilometer Distanz möglich. Eines ist die GTS ganz sicher nicht, eine Maschine zum Do- it- yourself-Schrauben. Allein die Demontage der sechsteiligen Verkleidung bringt nervöse Finger zur Verzweiflung. Größere Schwierigkeiten innerhalb der ersten 50 000 Kilometer tauchen bei der Yamaha in der Regel aber auch nicht auf. Defekte, hakende Zündschlösser wurden im Rahmen der Kulanz ausgetauscht, der Kurbelwellen-Lagerschaden an MOTORAD Langstrecken-Exemplar war offensichtlich eine Ausnahme.Zu achten ist für Gebrauchtkäufer darauf, ob sich an der Verkleidung Virbationsrisse zeigen oder ein dezenter Ölfilm am vorderen Federbein ein baldiges Ende andeutet. Ein neues kostet immerhin fast 1300 Mark, da wäre dann ein saftiger Preisnachlaß schon angesagt.Modellgepflegt wurde das High-Tech-Bike seit seinem Erscheinen nicht, obwohl viele erwartet hatten, daß Yamaha die Kette ersetzen würde. Schließlich kommt es bei den vielen Kilos auf das Gewicht eines Kardans auch nicht mehr an. Der Interessent muß nur entscheiden, ob er sich auch noch das ABS gönnen will. Ab 1996 wird nur noch die GTS 1000 A, also volles Equipment, angeboten. Maschinen des ersten Jahrgangs werden bereits einiges unter 10 000 Mark gehandelt. Allerdings seltener von privaten Verkäufern als von Händlern, die eine GTS in Zahlung genommen haben. Die obere Kante pendelt sich um die 18 500 Mark ein.

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