Gebrauchtkauf Yamaha XS 400 DOHC (Archivversion)

Frühstart

Das hausbackene Design kostete die Yamaha XS 400 dohc früher Spitzenplätze. Doch solide, haltbare Technik machen sie für Einsteiger attraktiv.

Die Yamaha XS 400 dohc ist heute gerade für Einsteiger eine durchaus ernstzunehmende Alternative zu fahrwerkstechnisch moderneren Konstruktionen. Vom Charakter her eine gutmütige Tourenmaschine, bietet sie mit bequem aufrechter Sitzposition und einer Sitzhöhe von knapp 80 Zentimetern nahezu ein Passepartout- Format. Auch Handlichkeit und Spurstabilität des Cantilever-Fahrwerks wissen heute noch zu überzeugen wissen. Außerdem ermöglicht der Verbrauch von kaum fünf Litern in Verbindung mit dem großen Tank Aktionsradien von reichlich 300 Kilometern bis zum nächsten Tankstopp. Lediglich die schmalen Reifen sind im Vergleich zu den moderneren Niederquerschnitts-Formaten von heute in Sachen Haftung deutlich unterlegen.Damals reagierte Yamaha ausgesprochen schnell. Als die Verkaufszahlen des Dauerbrenners XS 400 mit einer Nockenwelle - zwischen 1978 und 1981 mehr als 10 000 mal verkauft - zu sinken begannen , preschte Yamaha vor. Die Japaner präsentierten für die Saison 1982 ein völlig neues Modell mit einem potenten Doppelnockenwellen-Motor mit 45 PS Nennleistung und verpackten das Triebwerk in ein modernes Fahrwerk mit einem zentralen Federbein. Im Nachhinein betrachtet gibt es wohl mehrere mehere Gründe, warum sich das neue 400er Modell in der von den vier japanischen Motorradfirmen heiß umkämpften Mittelklasse nicht so souverän durchsetzen konnte wie das Vorgängermodell: Yamaha verzichtete trotz der völligen Neukonstruktion auf einen neuen Modellnamen, hängte zur Kennzeichnung lediglich die für deutsche Nichttechniker etwas kryptisch klingende Bezeichnung dohc (double overhead camshafts) für den Doppelnockenwellen-Zylinderkopf an die alte Bezeichnung an. Doch obwohl die Neue aufwendig über zwei neue Nockenwellen, eine geänderte Zündanlage, Ansaugstutzern und Düsenbestückung für die 27- PS-Kur gedrosselt wurde, waren gegenüber dem Vorgängermodell lediglich beim Durchzug aus niedrigen Drehzahlen leichte Vorteile zu verbuchen. Mit höheren Drehzahlen war der alte Motor trotz heftigerer Vibrationen sogar kräftiger als das neue Triebwerk. Als sich die 45-PS-Version in den letzen Jahren zunehmend schleppender verkaufte (nur knapp 20 Prozent der Käufer wählten die offene Version mit 45 PS, die restlichen 80 Prozent nahmen mit der versicherungsgünstigen 27 PS-Variante vorlieb), wurde sie zum Modelljahrgang 1989 ganz aus dem offiziellen Programm genommen. Aber der wirkliche Knackpunkt für viele Interessenten war wohl das zu Beginn der 80er Jahre doch sehr stark gewöhnungsbedürftige Aussehen. Der neue Motor baute mit der Lichtmaschine hinter der Zylinderbank zwar schmal und kompakt, Wirkte aber als mittragendes Teil in dem Blechpreßteil von Rahmen ohne Unterzug etwas verloren. Mit der starker Betonung der Kanten - viereckiger Scheinwerfer, eckige, nicht sehr gut abzulesende Instrumente, stark taillierter Tank und ein ungewöhnlich spitz zulaufendes Heck - wirkte die neue XS in Verbindung mit dem zu biederen Design der gegossenen Vierspeichenfelgen zwar ungewöhnlich, aber auchunscheinbar. Ihr fehlte das gewisse Extra.Typische Schwächen oder Reparaturanfälligkeit sind dem Triebwerk unbekannt. Laufleistungen von deutlich über 50 000 Kilometern mit dem ersten Paar Kolben sind bei entsprechender Wartung und sachgemäßen Behandlung des luftgekühlten Zweizylinders üblich. Häufigster Mangel bei Maschinen mit längerer Standzeit: durchgerostete Endschalldämpfer. Doppelt ärgerlich, weil Krümmer und Endstück jeweils aus einem Stück sind und schon für eine Seite 1100 Mark kosten. Bei Anzeichen tiefsitzender Korrosion in den Schalldämpfern ist also beim Kauf deutlicher Preisnachlaß angesagt.Die Zündbox unter dem rechten Seitendeckel hat in einigen Fällen gestreikt und mußte ausgetauscht werden, auch dieses Teil kostet fast 800 Mark. Leser Norbert Klaßmüller wagte sich an das komplizierte Aggregat und verschloß es mit Gießharz gegen eindringende Nässe und damit verbundene Zündaussetzer.Die XS 400 dohc wurde in den Jahren 1982 bis 1990 in den PS-Varianten mit 27 und 45 PS rund 6000mal verkauft, davon sind heute noch rund 4000 Stück zugelassen. Andere Modellvarianten oder Modifikationen wurden in der neunjährigen Laufbahn nicht angeboten. Wer heute als Einsteiger eine XS 400 erwirbt und die Maschine länger als die ersten zwei Jahre fahren will, ist mit der 45-PS-Version, die er dann über Reduzierscheiben für knapp 200 Mark drosseln lassen kann, besser bedient. Denn nachträglich eine Original-27-PS -Version auf die volle Leistung zu bringen, ist ein kostspieliges Unternehmen. Allein die Nachrüstteile kosten (mit zwei neuen Nockenwellen) ohne Montage über 1400 Mark.Ob eine Yamaha über die Nockenwellen oder mit Reduzierscheiben auf 27 PS gedrosselt wurde, klärt ein Blick in die Fahrzeugpapiere. Die simpel gedrosselte Version gibt ihre Höchstleistung schon bei 7500/min ab, die andere erst bei 8 000/min. Alte Maschinen mit hohen Laufleistungen werden in den günstigsten Fällen schon für weniger als 1000 Mark angeboten. Auch Maschinen mit wenigen Kilometern auf dem Zähler kosten kaum über 2500 Mark. Und wenn nicht gerade die Zündbox defekt oder die Auspuffenden durchgerostet sind, kann der neue Besitzer in den meisten Fällen mit einer pannenfreien, preisgünstigen Saison rechnen.
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Yamaha XS 400 dohc (GK) (Archivversion)

Einsteiger sind mit der harmonischen Leistunsabgabe der gedrosselten Yamaha XS 400 dohc sehr zufrieden. In den Genuß der vollen Power nach zwei Jahren allerdings kommen die wenigsten - zu teuer.
Meine XS 400 dohc, Baujahr 1989, kaufte ich im Januar 1994 mit 15 000 Kilometern für 2600 Mark. Kurze Zeit später baute ich trotz verständnislosen Kopfschüttelns meines Yamaha-Händlers die zur Entdrosselung auf 45 PS nötige Teile wie Nockenwellen, Ansaugstutzen, Zündbox der Version 12 R ein. Auf den bis jetzt zurückgelegten 30 000 Kilometern traten bis auf den mehrmaligen Ausfall der Zündbox keine Defekte auf. Das Teil versagte bei jeder längeren Regenfahrt den Dienst. Weil mir eine neue Box zu teuer war - schlappe 950 Mark - und das Ding auch mit Silikon nicht dichtzukriegen war, entschloß ich mich zur Radikalkur: Ich griff kurz entschlossen zu Gießharz und füllte die Box damit. Teuer wurde dagegen der Wechsel der rostenden Auspuffanlage. Yamaha verlangt dafür 2 600 Mark, also wechselte ich zur Laser K2 (kostet nur ein Drittel, hält aber doppelt so lange). Bei den Reifen finde ich die Metzeler ME 77 optimal, die auch im Grenzbereich noch gutmütig sind. Die XS 400 kann Typen, denen Understatement liegt, bei der Jagd auf Vertreter der Stummellenker-Fraktion eine Menge Spaß bereiten.Roman Klaßmüller, HeilsbronnObwohl ich sie zuerst eher häßlich fand, kaufte ich 1993 eine XS 400 dohc, Baujahr 1984, mit einem Kilometerstand von 25 000 für 2350 Mark. Kaufargumente waren der gute Zustand, neue Reifen, neue Endtöpfe und ddas positive Urteil diverser Zeitschriften. Der erste Defekt war bei 32 0000 Kilometern eine gebrochene Drehzahlmesser-Welle. Mit zunehmendem Verschleiß des Hinterradreifens (Dunlop K 127) nahm auch die Längsrillen-Empfindlichkeit zu, war aber mit einem neuen Metzeler ME 77 vollständig aus der Welt geschafft. Bei 33 000 Kilometern wurden die eingelaufenen Lenkkopf-Kugellager durch Kegelrollen-Lager ersetzt. Die Fahrleistungen (27 PS) riefen zwar keine Jubelstürme hervor, und beim Bremsen mit Sozius muß man schon etwas kräftiger am Bremshebel ziehen. Dafür war meine Sozia mit dem gebotenen Komfort zufrieden, und viereinhalb bis fünf Liter Benzinverbrauch sind auch okay: Wer eine Maschine zum Fahren statt zum schrauben sucht, ist gut bedient.Carsten Bender, Bochum Im Juni erwarb ich als Zweitmaschine eine XS 400 dohc, Baujahr 1984, mit Kilometerstand 28 000 und neuem TÜV für 2500 Mark. Mit der 45- PS-Version schaffte ich nach Tacho 155 km/h. Folgende Schäden traten während einer 4000-Kilometer-Urlaubsfahrt auf: Membran des Benzinhahns defekt, leider mußte ich den ganzen Hahn für 95 Mark ersetzen, da Einzelteile nicht angeboten werden. Der Dichtring am rechten Gabelholm wurde undicht, die Tachobeleuchtung war durchgebrannt und die Welle im Tacho für das Zählwerk gebrochen. Da ein Ersatzteil bei den Gebrauchtteilehändlern nicht zu kriegen war, mußte ich einen neuen Tacho für 270 Mark kaufen. Zwei Rostlöcher im linken Auspuff habe ich mit verzinktem Stahlblech, Alu-Folie und zwei Schlauchschellen abgedichtet. Trotzdem bin ich nach der Reise so mit dem Bock zufrieden, daß ich mich entschlossen habe, ihn zu behalten.Peter Dulitz, SeligenstadtMeine XS 400 mit 27 PS, mit der ich zwischen 1984 und 1990 rund 48 0000 Kilometer zurückgelegt habe, kaufte ich neu zum Preis von 3500 Mark. Das Motorrad besitzt zwar ein gewöhnungsbedürftiges Design, aber auch eine Vielzahl positiver Eigenschaften, die es zu einem angenehmen und wirtschaftlichen Fahrzeug machen. Die aufwendige Drosselung führt zu einer komfortablen Motorcharakteristik, macht allerdings ein Entdrosseln auf 45 PS wirtschaftlich uninteressant. Zum anderen besitzt die Maschine ein handliches und gut beherrschbares Fahrwerk, das jedoch mit moderneren Fahrwerken nicht mehr mithalten kann. So pendelt die XS 400 oberhalb von 140 km/h, die hintere Federung ist zu weich, die schmalen Pneus bieten nicht die Haftung von Niederquerschnittsreifen, und die vordere Scheibenbremse ist unterdimensioniert und ohne fühlbaren Druckpunkt. Lobenswert sind die entspannte Sitzposition auf der auch für zwei Personen sehr komfortablen Sitzbank, die große Zuladung, die große Reichweite und das gute Licht. ich würde jedem, der ein gutes Motorrad für ganz wenig Geld sucht, zur XS 400 dohc raten.Stefan Herd, MarburgNach dem Erwerb des Führerscheins 1989 kaufte ich mir aus dritter Hand die XS 400 mit 40 0000 Kilometern. Nach sechs Wochen flog mir der Motor mit gerissener Steuerkette auseinander. Die Vorgängerin hatte die Wartung wohl etwas vernachlässigt. Der neue Motor, den meine Vertragswerkstatt einbaute, hielt einwandfrei und benötigte keinerlei Reparaturen bis zum Verkauf bei ungefähr 75 000 Kilometern. Ich halte die XS 400 dohc für die Einsteiger-Maschine, die leicht zu handhaben ist, wenig Wartungsaufwand benötigt und auch auf größeren Touren voll bepackt ihre Fahrerin sicher nach Hause brachte. Ich habe die mir sehr ans Herz gewachsene kleine Maschine nur in Zahlung gegeben, weil mit der Tochter mehr Gepäck dazu kam und die 27 PS sich mit dem Mehrgewicht an Steigungen etwas schwer taten.Sabine Nierhaus, Hamminkeln

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