Gesucht: Der Motorradfahrer des Jahres 2003 (Archivversion)

Aufbauarbeit

Den Kandidaten zum Motorradfahrer des Jahres wird allerhand abverlangt. Einiges mehr allerdings haben diejenigen zu leisten, die für den reibungslosen Ablauf der Veranstaltung sorgen.

FahrenEs ist nach acht am Freitag, als der rot-silberne Lkw an drei dösigen Wachhabenden vorbei den Fliegerhorst Ahlhorn im niedersächsischen Nirgendwo verlässt. Während die Teilnehmer dieser Vorrunde zum Motorradfahrer des Jahres sich im trauten Heim schon über die abendliche Wurststulle hermachen, hat Andreas Otto vom ACTION TEAM Kilometer zu fressen. Gut 250 bis Wittenburg, wo in 14 Stunden die nächsten Kandidaten ihren Anspruch mit ihren fahrerischen Fähigkeiten vergleichen wollen. 250 von über 10000 Kilometern, die der Truck zu einer der fast 30 Vorrunden durch die Republik kreuzte. Berlin, München, Dortmund, Frankfurt... Jetzt, zum Schluss, Wittenburg. Autobahn, etwa drei Stunden. Das Gespann könnte zwar schneller, aber angesagt sind 80. Und manchmal Schritttempo. Stau. Der Tätowierte auf dem Beifahrersitz eines Toyota kurbelt das Fenster runter, zeigt erst auf den Hänger, dann auf sich. Was hat er denn? »Hey, ich, ich. Ich bin euer Mann.« Aha, er hat die Aufschrift am Truck gelesen – Gesucht: Der Motorradfahrer des Jahres. Weil solche Scherzkekse unterwegs rudelweise lauern, hat Andi, auch auf längsten Touren gelassen, eine Standardantwort parat: »Sag’s doch gleich. Ich fahr’ das halbe Jahr durch die Gegend und such‘ dich.«AufbauenIn Wittenburg steht ein einsamer Auflieger mitten auf dem Parkplatz des Autohofs. Und weil man von denen, die Motorradfahrer des Jahres werden wollen, zwar einiges erwarten kann, nicht aber, dass sie schnurstracks durch den Hänger eines 40-Tonners kacheln, stellt der Auflieger ein Problem dar. Das Gelände war wohl abgesperrt, auf dass genau dort der Parcours hätte aufgebaut werden können. Aber es brauchte nicht mehr als zwei schlabberige Truckerarme, das Plastikband zu zerreißen. Improvisationstalent: »Wir stellen unseren Lkw davor, arrangieren den Parcours rechts und links davon.« Und so wenig wie ein dämlich im Weg stehender Anhänger das Team aus dem Konzept bringen kann, so wenig kann ihnen der anschließende Aufbau die Laune und den Spaß an der Sache vermiesen. Keine Stunde später spannt sich also ein riesiges Transparent zwischen vier Metalltraversen, ein Pavillon beschattet eine Reihe von Biertischen, ein paar Werbeaufsteller verlieren sich auf dem Areal, ein viertel Kilometer Kabel füttert das mobile Büro mit Strom, und 70 Pylonen markieren den Parcours. Die ersten murksen sich auf ihrem Motorrad unterm Absperrband durch, als Instruktor Frank Mohr die letzten Hütchen aufstellt.Muss er den Kurs selbst nicht mehr abfahren? »Nö«, sagt er, »wenn du den mal so oft aufgestellt hast, hast du im Gefühl, ob’s passt.« Außerdem: »Das soll ja gar nicht alles so einfach sein. Wir müssen am Ende die Guten von den Besseren unterscheiden, und das können wir nicht, wenn alle alles schaffen.« InstruierenZuweilen muss der Mensch feststellen, dass die Wirklichkeit sich nicht ganz deckt mit dem Bild, das er sich bis dahin von ihr gemacht hat. Diese Erkenntnis zieht nicht automatisch Einsicht nach sich. Genau aus diesem Grund kommen die Instruktoren nicht ohne einen ausgeprägten Sinn für Verantwortung und viel Fingerspitzengefühl aus. Wenn sie zum Beispiel Teilnehmer über den technischen Zustand ihres Motorrads informieren müssen. »Wir hatten da mal eine Emme, der sprudelte es nur so aus dem Kettenkasten, das Öl.« Andere kommen mit völlig krummem Bremshebel an oder blitzeblanken Reifen. Ausreden haben sie alle parat. Und der Instruktor ist in solchen Fällen zwangsläufig böse. »Schicken wir solche Leute nach Hause, ärgern sie sich. Tun wir’s nicht, und sie schlagen sich beim Bremsen hin, weil ihnen der Hebel abbricht oder der kalte Reifen wegrutscht, ärgern sie sich auch.« Nicht weniger diplomatisches Geschick braucht’s beim Erklären der Übungen. Damit hinterher keiner sagt, er habe ja nicht gewusst, was er wie tun sollte, und nur deshalb sei er so zwischen den Hütchen umhergeritten. Diskussionen verbieten sich in solchen Fällen schon aus Zeitgründen. Man schleust nicht 40 Teilnehmer am Tag durch sechs Übungen, wenn man sich bereits mit einem stundenlang anlegt. Deshalb: klare Ansagen, wenn auch nicht ohne Humor. Die meisten verstehen’s. Die anderen hätten in der Zwischenrunde eh nix verloren.Organisieren Fast 2000 Leute haben sich dieses Jahr zum Wettbewerb angemeldet, über 1100 Startplätze wurden ausgelost. Die 125 Besten haben sich jetzt für die Zwischenrunden qualifiziert. Weniger Teilnehmer bedeuten allerdings nicht weniger Stress. Denn jede einzelne Veranstaltung bedingt einen enormen organisatorischen und logistischen Aufwand. Welche Plätze sind wann verfügbar? Wie kommt der Truck auf kürzestem Weg von A nach B? Wie viel Personal brauchen wir vor Ort? Wann muss das Infomaterial an die Teilnehmer raus? Und, klar, wie kommen die Motorräder für die Sieger zum Finale am Nürburgring? Dort wird sich am 24. September herausstellen, was vorher nun wirklich nicht planbar ist: Wer wird Motorradfahrer des Jahres 2003?
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Termine (Archivversion)

Die Zwischenrunden finden statt am: 20. Juli in München, 27. Juli in Boxberg, 3. August in Berlin, 9. August in Rheinberg und 10. August in Ahlhorn/Bassum. Dort werden die 25 Kandidaten ermittelt, die sich vom 21. bis zum 24. September beim Finale am Nürburgring messen dürfen. Zuschauer sind zu allen Veranstaltungen ganz herzlich eingeladen.

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