Grand Prix-Rennmaschinen der 500er-Klasse: Chronik (Archivversion) Die Bikes der 90er

Die Technik der Königsklasse ist inzwischen sehr übersichtlich geworden. V4-Zweitakter mit Membransteuerung sind heute der Schlüssel zum Erfolg. Bis zu 200 PS mobilisieren diese Triebwerke mittlerweile, doch die pure Leistung ist schon lange nicht mehr das Thema der Konstrukteure in den Rennabteilungen. Es geht viel mehr darum, die brachiale Power auch auf den Boden zu bringen. Fahrwerksingenieure und Reifentechniker sind deshalb besonders gefragt.Um die Reifen zu schonen, entwickelte Honda Anfang der 90er Jahre den sogenannten Big Bang-Motor. Er zündet nicht mehr regelmäßig nach jeweils einer viertel Umdrehung der Kurbelwelle, sondern Honda reduzierte den Zündversatz auf rund 25 Grad. Die vier Kerzen zünden also kurz hintereinander in einem Bereich, der etwa einem Viertel einer Kurbelwellenumdrehung entspricht. Da der Motor seine Leistung nun in einem komprimierten Bereich abgibt, kann der Reifen in den Phasen dazwischen geschont werden und baut im Rennen nicht so schnell ab. Die Konkurrenz hatte das neue Prinzip der sanfteren Kraftentfaltung bald übernommen, doch inzwischen heißt es bei Honda: Kommando zurück. Auf Wunsch von Michael Doohan, der wieder einen aggressiveren Motor wollte, feierte die herkömmliche Zündtechnik ihr Comeback.Drei Marken prägten die 500er WM in den 90ern. Zunächst war Yamaha mit Wayne Rainey am Drücker, dann holte Kevin Schwantz einen Titel für Suzuki, und seit 1994 heißt der Champion Michael Doohan auf Honda. Das wird sich in diesem Jahr ändern, denn der noch amtierende Weltmeister ist nach seinem Jerez-Trainingssturz ein paar Wochen außer Gefecht und hat keine Chance mehr, seinen Titel zu verteidigen.

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