Gutes vom Bauern: Bio-Kraftstoffe (Archivversion)

Die Benzinvorräte der Zukunft wachsen. Und zwar jedes Jahr neu auf dem Acker und im Wald.

Henry Ford wollte sein T-Modell, erstes Großserien-Automobil und Auslöser der Massenmotorisierung, eigentlich mit Ethanol betreiben. Wohl auf Betreiben der jungen US-Ölindustrie schwenkte er um – die Konsequenzen kommen uns heute teuer zu stehen. Die Produktion von Bio-Kraftstoffen stag-
nierte nämlich, lange Zeit verschwendete niemand viele
Gedanken in neue Verfahren.
Um den hohen Erdölpreisen zu entkommen, steigerte zuerst Brasilien die Ethanol-Herstellung, vornehmlich aus Zuckerrohr, jetzt entdecken Amis (Freedom Petrol) und Schweden die nachwachsende Mobilitätshilfe. Ethanol ist nichts anderes als Alkohol, er kann modernen Motoren ins Benzin gemischt werden, ohne dass groß was verändert werden müsste. Erst Konzentrationen über 25 Prozent verlangen nach resistenteren Gummischläuchen und -dichtungen sowie einem angepassten Zündmanagement: Ethanol hat mehr Oktan als Benzin. Es verdampft auch schlechter, weshalb für niedrige Temperaturen Vorkehrungen getroffen werden müssen, die
einen problemlosen Start ermöglichen.
Seit kurzem fahren übrigens alle Europäer mit Ethanol: Laut Gesetz schreibt Brüssel die Beimischung zum Benzin vor, bis 2010 muss der Anteil bei 5,75 Prozent liegen. Zur Herstellung von Ethanol eignen sich zucker- und stärkehaltige Pflanzen, Enzyme spalten ihre Inhaltsstoffe auf, Hefen vergären dieses Vorprodukt dann zu Alkohol. Während in den USA hauptsächlich Mais aufbereitet wird, bietet sich in unseren Breiten auch die gute alte Zuckerrübe an.
Weniger wählerisch geht es beim Bio-Sprit der kommenden Generation zu: Biomass to Liquid (BtL) heißt das synthetische Verfahren, bei dem nicht nur oben genannte Pflanzen mit Stumpf und Stiel, sondern praktisch alles, was wächst, bis hin zu Holz in einen Reaktor wandert. Dort wird es – unter Hinterlassung einiger Schlacke und geringer Mengen diverser anderer Gase – in Wasserstoff, Kohlenmonoxid und Kohlendioxid aufgespalten. Diese werden in der Synthese dann
zu äußerst leistungsfähigen Kraftstoffen zusammengefügt.
Der große Vorteil von BtL: Der Ertrag pro Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche steigt von bislang rund 2500 Litern bei der klassischen Ethanol-Gewinnung auf enorme 4000 Liter. Damit, rechnen kluge Köpfe jetzt schon vor, wären viele Energieprobleme gelöst. VW und Daimler beispielsweise stecken richtig Geld in diese Technik, Shell startet demnächst eine
Pilot-Anlage.
Andere schüren die Goldgräberstimmung der jungen Branche mit Prognosen von 5000 Litern oder mehr und verweisen auf vielversprechende Experimente mit »neuen« Hefen und Schimmelpilzen in der Ethanol-Produktion.

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