Harley-Davidson: Firmenporträt und Historie (Archivversion)

Christian Arnezeder (Geschäftsführer, links), 43, und Bernhard Gneithing (Marketing Director), 39, arbeiten bei der Harley-Davidson GmbH in Mörfelden. Von dort aus kümmern sich insgesamt 30 Mitarbeiter ums Harley-Ge- schäft in Deutschland und Österreich.

Die Company hat gerade ihr 20. Erfolgsjahr in Folge hingelegt. Da können Sie in Deutschland nicht mithalten, 2005 gab’s ein Minus von rund 4,5 Prozent, 2004 war es noch größer. Kriegen Sie jetzt Druck aus Milwaukee?
Arnezeder: Harley-Davidson und Buell haben ihren Marktanteil seit 1999 in Deutschland um 15 Prozent gesteigert, bei Motorrädern über 650 cm³ sogar um 40 Prozent. Unser Marktanteil im Chopper- und Cruiser-Segment stieg um 230 Prozent. Das Mutterhaus ist sich sowohl der Situation auf dem deutschen Motorradmarkt als auch der Verbesserung, die wir hinsichtlich des Marktanteils erzielt haben, bewusst.
Harley-Davidson verkauft rund 80 Prozent seiner Produktion auf dem Heimatmarkt. In dieser Fixierung liegt doch auch ein gewisses Risiko, oder?
Arnezeder: Bei dieser Frage spielen gewachsene Strukturen eine große Rolle. Nach dem Bankrott von Indian 1953 blieb Harley-Davidson als einziger US-Motorradhersteller übrig. Wer als Amerikaner ein amerikanisches Motorrad fahren wollte, fuhr also fortan eine Harley. Trotz des erfreulichen Erfolgs in den USA ist Harley-Davidson aber keineswegs auf den US-Markt fixiert. Seit geraumer Zeit investiert die Motor Company intensiv in andere Weltmärkte. In Südafrika ist Harley-Davidson beispielsweise bereits erfolgreich unterwegs, in Moskau wurde soeben unsere erste Vertretung eröffnet, in China sind wir eine Partnerschaft mit einem heimischen Konzern eingegangen, um auf dem boomenden asiatischen Markt von Beginn an eine entscheidende Rolle spielen zu
können. Natürlich wird auch in Europa – und
besonders in Deutschland – weiter investiert. So haben wir 2004 in Bonn unsere europäische Service-Schule eröffnet.
Die Treffen in Faak oder Hamburg, im
Mai nun erstmals auch in Mainz, zeugen von einer enormen Markenbindung. Wodurch entsteht die?
Gneithing: Die entscheidende Rolle spielt hier die Markenperipherie, die Erlebniswelt namens Harley-Davidson. Willie G. Davidson hat das vor Jahren in den viel
zitierten Satz gefasst: »Die Kunden kaufen bei uns ein Lebensgefühl. Das Motorrad bekommen sie kostenlos dazu.« Freiheit, Individualität und Nonkonformismus prägen dieses Lebensgefühl und kennzeichnen die Einstellung der Harley-Besitzer, denn wie keine andere Marke repräsentiert Harley-Davidson diese Werte.
Wer heute eine Harley-Davidson erwirbt, der ist meist um die 40 und erfüllt sich einen lang gehegten Traum. Doch damit enden bereits die Gemeinsamkeiten in der Kundschaft. Alle Berufe und alle sozialen Schichten sind vertreten. Harley-Besitzer wissen, worauf es bei ihrem Bike ankommt. Man nimmt sich Zeit für den Genuss. Genuss am Fahren, Genuss an der Natur und Genuss an dem ästhetischen Objekt, auf dem man dahingleitet. Dies eint die »Harley-Gemeinde« – die Harley Owners Group (H.O.G.) tut ein Übriges für die Familienbindung. Wer sich einmal für
eine Harley-Davidson entscheidet, wird auch künftig keine andere Marke wählen.
Wie groß ist denn die Markenbindung?
Gneithing: Harley-Kunden sind die markentreuesten unter den Motorradfahrern. 2005 waren 30 Prozent der Harley-David-son-Neukäufer »Wiederholungstäter«, zirka 60 Prozent fuhren zuvor ein anderes Fabrikat oder sind Wiedereinsteiger, und zirka zehn Prozent kaufen als erstes Motorrad eine
Harley-Davidson.
Wie verteilt sich bei uns der Verkauf der fünf Baureihen?
Arnezeder: Im Jahr 2005 verteilen sich die Neuzulassungen wie folgt: Sportster: 25,9, Dyna: 10,6, Softail: 31,7, Electra Glide: 16,2 und VRSC: 15,6 Prozent. Einige weitere Neuzulassungen wurden nicht erfasst.
Und Ihre erfolgreichsten Modelle?
Arnezeder: Hier unsere 2005er-Hit-
liste: 1. Sportster 1200 Custom, 2. Road King, 3. Fat Boy, 4. Dyna Super Glide Custom, 5. Softail Deluxe. Allerdings kämen die sehr ähnlichen V-Rod VRSCA und VRSCB zusammen genommen auf den ersten Platz.
Mit der V-Rod, noch mehr aber mit der Street Rod haben Sie Ihren Kundenkreis ausgeweitet. Was dürfen wir von dieser Baureihe noch erwarten? Hat Erik Buell schon angefragt, ob er den Revolution-Motor mal verwenden darf?
Gneithing: Unser Unternehmen äußert sich grundsätzlich nicht zu zukünftigen Projekten. Aber die Bedeutung der VRSC-Baureihe ist für Harley-Davidson groß. Natürlich werden wir darüber keinesfalls die ruhmreichen, luftgekühlten V-Twins vergessen. Mit ihnen ist Harley-Davidson groß geworden.
Brembo liefert Bremsen für Harley. Brembo hat auch ein ABS. Wann wird das endlich ein
Thema in der Company?
Arnezeder: Da sich Harley-Davidson nicht zu künftigen Projekten äußert, können wir zum Thema ABS nicht Stellung beziehen.
Nachdem einige Harley-Manager ein millionenschweres Aktienpaket verkauft hatten und kurz darauf die Verkaufsprognose für 2005 gesenkt wurde, gab es eine sehr spektakuläre Anklage von Aktionären. Nun war das 2005er-Ergebnis prächtig; ist diese Klage damit erledigt?
Arnezeder: Zu diesem Thema können wir leider nicht Stellung nehmen.

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