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So bekommt Redakteur Rolf Henniges seine Harley Street Bob durch den den zu kleinen Türrahmen.

Motorräder der Redaktion Harley Street Bob vs.Türrahmen

Wie bringt man eine Harley-Davidson Street Bob durch einen zu kleinen Türrahmen? Redakteur Rolf Henniges hat einen Weg gefunden - mittendurch. Video und Schilderung gibt's hier:

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Es sind keine Traummaße: 78-190-24. Doch damit muss ich leben. Die meisten haben 80-200-0. Was in meinem Fall deutlich besser wäre. Nein, halt! 110-200-0 wäre super. Wie, darunter können Sie sich nichts vorstellen?

Es sind Türmaße. Die Normtür ist 200 Zentimeter hoch, 80 breit und im Idealfall stufenlos. Die Tür, um die es sich hier handelt, ist 78 Zentimeter breit und 190 hoch. Bevor man durch sie in den Hof gelangt, muss eine 24 Zentimeter hohe Stufe bewältigt werden. Das klingt nicht gerade wie etwas, über das man schreiben muss, ich weiß. Abwarten.

Das Video: Sieht leicht aus, ist aber gar nicht so einfach.
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So ein Kauf ist wie verliebt sein

Hätt ich bloß mal nachgemessen! Aber so ist das nun mal mit der Liebe. Hab die Dicke gesehen, bin sie gefahren und hab sie gekauft. So ein Kauf ist wie verliebt sein. Man ist blind. Man macht Dinge, die man besser lassen sollte. So kam es, dass ich zuerst meine Harley Street Bob gekauft und mir anschließend Gedanken darüber gemacht habe, wo sie denn stehen soll. Das ist in etwa so, als würde man zuerst ein Haus bauen und dann den Keller darunter graben. Eine Garage hab ich nicht. Und eine mieten, wo ich wohne? Für die Kohle kriegst du in Norddeutschland ein ganzes Haus. Aber es gab einen alten Abstellraum neben meiner kleinen Werkstatt. „Wenn du den Bock da reinbekommst, kannst du den Raum quasi als Garage nutzen“, meinte mein Vermieter. Die dazugehörige Tür ist 95 Zentimeter breit.

Bedeutet, der 305-Kilo-Brocken muss durch zwei Türen rein. Und durch zwei Türen wieder raus. Dass dies beileibe nicht einfach wird, ahne ich bereits, während ich die Harley Street Bob beim Händler vermesse: Der Lenker baut vom Kupplungs- zum Bremsgriff 101 Zentimeter breit. Ach, egal. Bin früher Enduro-Rennen gefahren. Damals mussten die Maschinen auch durch eine schmale Tür. Nix wie ran, Fußboden des Raums verschönern und eine Rampe basteln. Eine, die sechs Zentner Harley und 70 Kilo Mensch verkraftet.

Blöder geht es kaum!

Wochen später steht das gute Stück stampfend und bollernd auf dem Hof und lockt die Nachbarn aus ihren Häusern. „Na“, meint der Erste und blickt geringschätzig auf meine selbst gebaute Rampe, „wenn das mal hält!“ Der Zweite brummt: „Eventuell kriegst du die Maschine da rein. Aber bestimmt nie wieder raus.“ Und der Dritte: „Besseren Diebstahlschutz gibt’s kaum. Die Harley klaut dir keiner, weil sie niemand unbemerkt rauskriegt.“

Zugegeben, nachdem die Maschine zum ersten Mal auf ihrem warmen Parkplatz stand, fehlte der Tür eine Zierleiste. Und die Zarge war waidwund, als hätte sie ein tollwütiger Hund bearbeitet. Im Laufe nachfolgender Wochen wurden die Türverletzungen geringer, und die fürs Ausparken benötigte Zeit verkürzte sich drastisch.

Mittlerweile hab ich die Sache im Griff. Bin innerhalb von drei Minuten startklar. Was sich lapidar anhört, bedarf gekonnter Rangierarbeit. Denn der trockene Parkplatz ist keine „Sackgasse“, sondern ein Durchgangsraum mit insgesamt drei Türen, die von der Harley nicht zugestellt werden dürfen. Als Erstes muss die Harley Street Bob um 90 Grad gedreht werden. Fünfmaliges Hin- und Herschieben, leichtes Lenken. Dann durch die erste Tür zirkeln. Fußrasten hochklappen, außermittig mit dem Vorderrad durch, abklappen, das Heck nachziehen. Tief durchatmen. 305 Kilo amerikanischer Stahl warten drauf, über die Stufe geschoben zu werden. Wieder gilt: außermittig Vorderrad rausschieben, Lenker dabei einschlagen und…

Foto: Henniges

Ja, genau: und! Scheibenkleister. Blöder geht es nämlich kaum. Da hockst du im Sattel der Maschine, deren Front Sonnenlicht tankt, während das Heck noch im Raum weilt. Du stehst schief, den Lenker eingeschlagen. Meine Füße bekomme ich gleichzeitig nicht auf den Boden - 680 Millimeter Sitzhöhe, breiter Sattel, 24 Zentimeter Stufe. Der Lenker schief, die Beine in der Schwebe. Jedes Mal, wenn ich kurzzeitig in dieser Stellung verharre, denke ich an Peter, den Nachbarn über mir. Als die Harley bezahlt und ich mir der Sache mit den Türen und der Stufe bewusst war, hatte ich bei ihm geklingelt. „Du, Peter, ich habe ’ne Harley gekauft, die ist so schwer, dass ich sie nicht allein durch die Tür schieben kann.“ Peter guckte misstrauisch: „Aha! Und nun soll ich jedes Mal rausschieben helfen, wenn du zum Flanieren fährst, oder wie?“ Ich schaute zu Boden und antwortete: „Nein, ich wollte dir nur sagen, dass ich die Maschine im Raum starten werde, damit ich rausfahren kann.“ Wie gut, dass Peter schwerhörig ist. Der Sound meiner Bob lässt nichts zu wünschen übrig.

Okay. Final ist es eine letzte, fließende Bewegung, die aus Gang reinklicken, sorgsamem Einkuppeln, Lenker drehen, Sich-aus-der-Tür-Winden und Anfahren besteht. Das letzte Mal, als wir schnell mal wohin wollten, stand mein Sohn Paul daneben und meinte: „Papa, warum kaufst du dir nicht einfach einen anderen Lenker?“

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