Herbstausfahrt 2005 mit den MOTORRAD-Dauertestmaschinen (Archivversion) Berg- und Talfahrt

Das Moseltal zwischen Koblenz und Trier mit seinen über 50 Kurven, Kehren und Schleifen ist ein ideales Terrain, den Dauertestmotorrädern auf den Zahn zu fühlen. Besonders, wenn man die Bergrennstrecken rechts und links der Weinlandschaft mit einbezieht.

Sie erinnern sich noch? Herbstausfahrt 2004, Borgo Val di Taro, Italien. 700 Kilometer Anfahrt von Stuttgart. Sturm, Regen, nichts als Regen. Kübelartig und dauerhaft. Das soll uns nicht noch einmal passieren. Heuer bleiben wir gleich in Deutschland. Die Aussichten sind nicht rosig, aber zwischen Hunsrück und Eifel könnte es schön werden, meldet der Wetterbericht. »Fahrt doch ins Moseltal. Toll! Traumhaft schön«, meint Redakteurskollege Werner »Mini« Koch. »Und es soll in der Gegend noch ein paar alte Bergrennstrecken geben.« Perfekt. Danke für den Tipp.
Im Gegensatz zur Strecke steht die Zusammenstellung der Testmotorräder schon lange fest. Es handelt sich um den Dauertest-Fuhrpark, eine bunte Mischung an Maschinen aller Kate-
gorien. Auf der einen Seite die grazile Schönheit MV Agusta F4 1000 S mit schierer Kraft für kompromisslosen Sporteinsatz. Auf der anderen Seite die Yamaha XT 660 X. Ein bollernder Einzylinder, der von der Enduro zur Supermoto mutierte. Das Sextett komplettieren die Sporttourer BMW K 1200 S, Triumph Sprint ST und MZ 1000 S sowie ein überaus markantes Muscle-Bike, die kompakte Buell Lightning XB12S.
Die MZ und die Yamaha haben die 50000 Kilometer bald
geschafft, stehen kurz vor dem Abschluss. Sind sie noch bei so guter Kondition, dass sie sich auf den kurvenreichen Straßen
zwischen Hunsrück und Eifel keine Blöße geben? Da haben es BMW, MV Agusta und Triumph deutlich leichter, bei den MOTORRAD-Testern einen guten Gesamteindruck zu hinterlassen. Die drei haben kaum mehr als ein Fünftel der Gesamtdistanz absolviert. Doch sind solch schwere Boliden wie die K 1200 S und die Sprint ST geeignete Untersätze für die kurvenreichen Land-
sträßchen der Moselregion? Oder findet die rennsportambitionierte
F4 1000 S auf den Bergrennstrecken ihre ideale Spielwiese? Auf
den folgenden Seiten geben die sechs Testfahrer ihr ganz per-sönliches Urteil ab, ob sie für die diesjährige Herbstausfahrt von MOTORRAD die richtige Wahl getroffen haben.
Im Reigen der hubraum- und leistungsstarken Motorräder wirkt die Yamaha leicht untermotorisiert. Zumindest auf der Autobahn von Stuttgart nach Koblenz. Der XT-Pilot Peter muss sich in Geduld üben. Aber auch die Buell ist alles andere als ein idealer Autobahnbrenner. Während sich die Kollegen hinter den Verkleidungen ihrer Motorräder klein machen können, kämpft Stefan auf der XB12S wie ein Stier gegen den Winddruck an.
Zu frühes Ankommen wird an diesem Morgen jedoch eh mit
Warten bestraft. Noch legt sich Bodennebel über das Moseltal. Die Bergrücken indes stehen bereits in der prallen Sonne. Ideale Voraussetzungen für unsere Tour.
Was wir nicht bedacht haben: Es ist Oktober und Weinlese. Tausende Touristen wollen dabei sein. Wer kein Hotelzimmer
gebucht hat, ist mit dem Wohnmobil unterwegs. Wir flüchten schnellstens in die Berge und Seitentäler. Da finden wir sie auch, die alten Bergrennstrecken.
Zwei von ihnen, Alken und Veldenz, sind längst nicht mehr in Betrieb. Bei Letzterer kann sich von den Anwohnern sogar kaum mehr einer daran erinnern, dass die Strecke in den 50er Jahren für Rennen genutzt wurde. Beim heutigen miserablen Zustand der Straße absolut verständlich. In Klotten und am Thommer Berg präsentiert sich ein ganz anderes Bild. Mit Sport- und Tourenwagen wird dort noch heute um Zehntelsekunden gekämpft. Sogar die Deutschland-Rallye hält hier regelmäßig eine Sonderprüfung ab. Und was Autos recht ist, kann MOTORRAD-Testern nur billig sein. Ob Supersportler, Sporttourer, Muscle-Bike oder Super-
moto. Hier hat wohl jeder seinen Spaß.

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