Honda CB 1000 (GK) (Archivversion) Klassikmix

Der große Renner war Hondas nacktes Big Bike - ein raffinierter Mix aus klassischen und modernen Elementen - nicht. An den Qualitäten der CB 1000 lag das allerdings nicht.

Hondas Entscheidung, auch auf dem deutschen Markt wieder ein nacktes Big Bike anzubieten, geriet zögerlich. Erst 1993, zwei Jahre nach der Präsentation in Japan, offerierte die deutsche Niederlassung die CB 1000. Am Aussehen der vornehmlich in Schwarz angebotenen, deutlich über fünf Zentner schweren Maschine schieden sich jedoch die Geister der Anhänger solcher Boliden. Rund um das Vierzylinder-Triebwerk hatten die japanischen Designer einen konventionellen Rohrrahmen gebogen, der den gewaltigen Radstand und die schiere Muskelkraft nicht hinter schwülstigem Retro-Look wie bei der Konkurrenz verbergen sollte. Auch das zeitgemäße Layout des wassergekühlten Motors verzichtete bewußt auf die Simulation überflüssig gewordener Kühlrippen. Die Nostalgiker, die schon bei modernen Leichtmetall-Gußfelgen geschluckt hatten, fühlten sich ästhetisch endgültig auf den Schlips getreten. Außerdem erleichtere der stolze Anschaffungspreis von rund 18000 Mark die Kaufentscheidung nicht - schließlich lag die Konkurrenz von Kawasaki und Suzuki gleich um mehrer Tausender darunter.Die Honda CB 1000 wurde ein Ladenhüter. Ob’s tatsächlich an ihrem eigenwilligen Aussehen lag, läßt sich nicht definitiv sagen. Betrachtet man den heutigen Erfolg der großen Suzuki Bandit und der Yamaha XJR 1200, war die Honda CB 1000 ihrer Zeit vielleicht einfach nur voraus. Ab Ende 1995 jedenfalls entschlossen sich die Händler, die nackte Dicke über zum Teil erheblichen Preisnachlaß zu verhökern, u sie in Deutschland schließlich ganz aus dem Programm zu nehmen. Wer heute eine neue Honda CB 1000 sucht, kann in Österreich noch fündig werden.Die außerordentliche Qualität des Big Bikes bot auf jeden Fall wenig Anlaß zu Kritik. Die Manövrierbarkeit des Trumms von Maschine ist erstaunlich, der Geradeauslauf überragend: kein Pendeln bei hoher Geschwindigkeit wie bei der Konkurrenz im Vergleichstest (MOTORRAD 11/1993). Das Triebwerk, mit sanfteren Steuerzeiten und kleineren Vergasern aus dem vollverkleideten Sporttourer CBR 1000 übernommen, überzeugt mit Laufruhe und souveräner Kraftentfaltung. Obendrein scheinen dem CB 1000-Motor Laufleistungen von 100000 Kilometern überhaupt nichts auszumachen. Keine einzige der zahlreichen Lesererfahrungen berichtet von einem Motorschaden. Tenor: Wer den kaputt fährt, ist selber schuld.Dennoch ist das Triebwerk nicht ganz ohne Tadel: Für einen 1000er Motor ist so mancher Pilot von der Power unter 4000/min enttäuscht. Ein Dynojet-Kit aus dem Zubehör (mit Einbau zirka 350 Mark) kann das Ansprechverhalten im niedertourigen Bereich verbessern. Doch Vorsicht: Man muß erst mal einen TÜV-Beamten finden, der einem das einträgt. Kritik von CB-Treibern kommt, wenn überhaupt, über zu abrupte Lastwechselreaktionen wegen zuviel Spiel im Antriebsstrang auf. Sensible Fahrer monieren außerdem am Getriebe, daß die beiden ersten Gänge nicht butterweich einrasten, sondern vernehmlich krachend beim einlegen reagieren. Häufiger wird vermerkt, daß die Endübersetzung etwas lang geraten ist und der fünfte Gang mit Sozius und Gepäck quasi zum Overdrive verkommt. Fahrer, die so beladen auf Tour sind, spendieren übrigens öfters der Gabel härtere Gabelfedern von Wirth (Telefon 04189/811020, Preis zirka 160 Mark).Viel- und Spätbremser attestieren der Bremsanlage vorn zwar gute Standfestigkeit, monieren aber die hohe Handkraft am Hebel. Armierte Leitungen der Firma Spiegler (im Zubehör zirka 160 Mark) ermöglichen einen besseren Druckpunkt. Noch mehr Biß versprechen die Bremsbeläge der ersten CBR 900 Fireblade, die auch für die CB 1000 passen. Vorsichtige Honda-Händler allerdings sind skeptisch, ob die beiden Scheiben das ohne Hitzeverzug überstehen.Beim Vergleich der Ersatzteilpreise zwischen 1993 und heute fällt auf, daß die Kosten bei den Sturzteilen, zum Beispiel bei den Posten Vorderrad und Schalldämpfer, um bis zu einem Drittel gestiegen sind. Verschleißteile wie Kettenkit und Brembeläge sind dagegen eher billiger geworden -. die Konkurrenz der großen Zubehörketten hat hier Preissteigerungen verhindert.Nur gut 1000 Stück sind von der Big One, wie Honda sie selbstbewußt beim Europastart 1993 getauft hatte, auf Deutschlands Straßen unterwegs - ein Name übrigens, dem ein noch kürzeres Leben als dem Motorradmodell gegönnt war: Nach dem Einspruch von Suzuki, die die Bezeichnung Big schon bei ihrer dicken Enduro DR verwendet hatte, hieß die Honda schlicht CB 1000.Bei den Gebrauchtpreisen ist beachtenswert, daß der Trend zur CB 1000 heute, anders als noch vor zwei, drei Jahren, wieder steigend ist. Das spricht für die These, daß Anfang der 90er die Zeit für unverkleidete Boliden einfach noch nicht reif war.

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