Honda CBF 600 S und KTM 690 Duke Traum und Wirklichkeit

In schlaflosen Nächten träumen wir uns als Helden der Straße. Verstand und Tageslicht enthüllen uns andere, manchmal sogar erfreulichere Prioritäten.

Sie kennen das sicher: Sie wollen einschlafen, aber es geht nicht. Tausend Gedanken rasen durch den Kopf, lassen Sie nicht los. Sie wälzen sich hin und her. Womöglich zählen Sie Schäfchen, aber irgendwann kommen sie wieder, die Gedanken, und alles beginnt von vorn.

Auch bei Jens ist es in dieser Nacht so. Die KTM 690 Duke will ihm einfach nicht aus dem Kopf. Sie fesselt ihn, raubt ihm seit Tagen schon die letzten ruhigen Minuten, verfolgt ihn bis in den Schlaf. Dieses radikale Outfit aus scharfen Kanten und geraden Linien, so außergewöhnlich, befremdend und faszinierend zugleich. Wie alle KTM will auch diese Duke so gar nicht dem Mainstream modernen Motorraddesigns folgen. Ihre Formen, ihr Auftritt lassen Jens einfach nicht mehr los. Und dann dieser wohl rabiateste Einzylinder der Welt. Von MOTORRAD auf dem Prüfstand bestätigte satte 70 PS stark. Wow! Allein bei dem Gedanken läuft Jens ein Schauer über den Rücken. Rau soll der Single sein, ohne Umwege direkt, manchmal unerbittlich, aber niemals langweilig und schon gar nicht normal. Konstruiert für den maximalen Spaß, will er von starker Hand gezähmt werden. Nichts zum Rumrutschen oder Gassiführen ist diese KTM.

Alles hat er über die Duke gelesen. Jede Zeile in den einschlägigen Magazinen könnte er über seine KTM runterbeten. Da gibt’s zum Beispiel die "Unter-3000/min-Falle" – die Drehzahl, unter die man den Einzylinder niemals absacken lassen darf, sonst schlägt und hackt die Kette den halben Motor entzwei, und es geht trotzdem nichts vorwärts. Wer mit der Duke tanzen will, muss lernen, mit Drehzahlen umzugehen, sie einzusetzen, permanent, hinauf bis in Regionen, wo andere Einzylinder längst die weiße Fahne schwenken.Jens sieht seine Kumpels vor sich, ahnt ihre Kommentare: „Was hast’n du da für ein Spielzeug gekauft!“ Und dann wird er ihnen und ihren vor PS strotzenden GSXen, Fireblades und ZX-10 zeigen, wo der Bartl, nein, wo der Jens den Most holt. Augen werden sie machen, wenn er zum Angriff bläst und zu guter Letzt Kreise um sie zieht. Vor seinen Augen läuft der Film von seiner Hausstrecke ab. Er sieht, wie seine Kumpels sich abmühen, auf dem kurven- und trickreichen Geschlängel zwischen Untermittelsbach und Vorderhinterkufen Boden gutzumachen. Doch Jens und seine Duke lassen sich nicht abschütteln. Der bocksteife Gitterrohrrahmen mit voll einstellbarem WP-Fahrwerk hat die Ruhe weg, und die breiten Schlappen kleben wie Uhu auf der Straße. Den Rest erledigen die satten Bremsen, die stets wie Anker wirken. Jens fackelt nicht lange, pfeffert die 160 Kilogramm Lebendgewicht an den Supersportlern vorbei ins Eck, driftet durch die Kurve, um am Ende mit abhebendem Vorderrad auf und davon zu ziehen. Obwohl Jens Nichtraucher ist, sieht er sich am Ende Zigarette rauchend auf seine Kumpels warten.

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