Honda CBR 1000 F: Gebrauchtberatung (Archivversion)

Modellgeschichte
Äußerlich kann (und will) die FJ 1200 ihre Herkunft aus den Achtzigern nicht verbergen. Ihre wuchtige Halbschale, ein Bugspoiler, das wirkt im Vergleich zu den schnittigen Joghurtbecher-Bikes aus den frühen Neunzigern so kleidsam wie ein Häkelpulli oder eine Bundfaltenhose. Doch egal, die Verkleidung bietet hervorragenden Windschutz, und da modische Gepflogenheiten gerne als Retro-Look wiederkehren, ist das Aussehen der Yamaha heutzutage durchaus wieder salonfähig.
Die Vorgängerin FJ 1100 lag 1984 jedenfalls voll im Trend, nicht nur, was ihr Äußeres betraf. Mit aufgebohrtem Motor und einer modifizierten Verkleidung ging die 1200er im Jahr 1986 an den Start. Freilich mit wenig sportlichen Ambitionen, denn mit ihr wollte die Kundschaft nicht möglichst schnell ums Eck braten,
sondern möglichst weit reisen. Die FJ, Typ 1XJ, chauffiert noch heute die Kilometersammler überall hin, solange die Reifen auf Asphalt rollen. Der Sitzkomfort sucht seinesgleichen, das Fahrwerk ist jedoch bei flotter Kurvenfahrt zu instabil. Geradezu unverwüstlich scheint
der nach Messungen von MOTORRAD 117 PS starke, hübsch feingerippte Vierzylinder.
Allerdings neigt der luftgekühlte Vierzylinder
im mittleren Drehzahlbereich zu starken Vibrationen.
1988 kam die modellgepflegte 3CW mit 17-Zoll- statt antiquiertem 16-Zoll-Vorderrad, digitaler Zündung sowie, Vierkolben-Bremssätteln aus dem Supersportler FZR 1000 daher, und das überflüssige Anti-Dive-System an der Gabel entfiel. Beim Modell 3YA ab 1991 lagerte Yamaha den Motor und die Sozius-Fußrasten elastisch in Gummi, was der Fahrstabilität nicht zuträglich war. Beim Federbein wuchs der
Hub von 40 auf 48 Millimeter, allerdings änderte Yamaha auch den bis dato so praktischen Verstellmechanismus, so dass Dämpfung und Federbasis nunmehr äußerst fummelig zu justieren waren. Die Gabel musste seit der 3YA ohne Dämpfungsverstellung auskommen. Dafür war die FJ 1200 seit 1991 gegen Aufpreis mit ABS zu haben. Das Käuferinteresse ging dennoch zurück, 1996 rollten nach zehnjähriger Bauzeit die letzten FJ 1200 vom Band.

Kaufempfehlung
3CW oder 3YA, das ist hier die Frage. Attrak-
tiv: die 3YA (ab 1991) mit ABS. Schließlich sind
FJ 1200 A beim Gebrauchtkauf kaum teurer als die Basisversion, in den Kleinanzeigen oder beim Händler jedoch nur selten zu finden. Die meisten 3YA kosten deutlich über 3000 Euro
bei Kilometerständen jenseits von 50000. Bei der Fahndung nach preisgünstigeren Model-
len mit geringerer Laufleistung geraten sehr
gut gepflegte 3CW-Modelle (1988 bis 1990)
mit wenigen Vorbesitzern ins Visier. Spannend wird es, wenn Koffer, neue Verschleißteile
oder gar ein renoviertes Fahrwerk im Preis inklusive sind.

Tipps
Dem brachialen Antritt dieses Big Bikes ist die Kupplung auf Dauer nicht gewachsen. Clevere FJ-Besitzer bauen deshalb die stärkere Kupplung des Naked Bikes XJR 1300 ein. Zuwendung benötigt das schlappe Fahrwerk. Mit
progressiven Gabelfedern und einem voll
einstellbaren Austausch-Federbein der Spezialisten Wilbers, Telefon 05921/717179, Wirth, Telefon 04189/811020, White Power, Telefon 05924/7836-0, oder Öhlins, Telefon 08669/ 848-0, lässt sich das Motorrad erheblich
aufwerten. Fans der FJ tauschen sich unter www. effjott-ig.de aus.

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