Honda CBR 1000 F: Gebrauchtberatung (Archivversion)

Modellgeschichte
Die Jagd nach Rundenzeiten überließ die GSX 1100 F ihrer Big-Bike-Schwester GSX-R 1100. Sie selbst hingegen sollte auf Kundenfang im sporttouristischen Lager gehen. Der Start ging allerdings daneben, denn die ersten im Herbst 1987 in Deutschland ausgelieferten Exemplare litten unter erheblichen Fahrwerksproblemen. Suzuki reagierte prompt und verpasste der während der gesamten Bauzeit intern als GV 72 C bezeichneten Maschine 1988 progressive Gabelfedern und ein neues Federbein. Ein Jahr später wurde der Rahmen verstärkt, außerdem sollten eine um 25 Millimeter längere Schwinge sowie ein flacherer Lenkkopf für besseren Geradeauslauf sorgen.
Nun konnte die F mithalten. Zwar nicht in sportlicher Hinsicht, dafür fehlte es an Schräglagenfreiheit, die Gabel war noch immer zu weich und die Bremsen schlecht zu dosieren. Aber für damalige Verhältnisse bei modernen Tourern konnte sie dank der Modellpflege punkten. Die elektrisch verstellbare Scheibe mag mancher als Spielerei abtun, auf jeden Fall sorgt sie für guten Windschutz. Positiv fällt trotz des Gewichts eine erstaunliche Leichtfüßigkeit auf, die auf die Reifendimensionen zurückzuführen ist. Auch wenn diese Anfang der Neunziger nicht mehr zeitgemäß waren: Die Kombination aus 16-Zöllern mit vorne 120 und hinten 150 Millimeter Breite
erzeugt erfreulich wenig Aufstellneigung beim Bremsen in Schräglage. Allerdings monieren manche Fahrer, dass das Motorrad in engen Kurven kippelig sei.
Der Motor blieb während der fast zehnjährigen Bauzeit der F über alle Zweifel erhaben. Mit einer offenen Nennleistung von 136 PS blies er auf der Autobahn und auf Landstraßen-Geraden zur Attacke, und der GSX-Pilot konnte reinrassige Tourer locker verblasen. Die 1100er war zwar nie ein Verkaufsrenner, ihre Daseinsberechtigung verteidigte sie dennoch erfolgreich. Nach dem Abverkauf waren 1997 insgesamt 4700 Fahrzeuge zugelassen, im aktuellen Bestand befinden sich immerhin noch rund 4000 Stück.

Kaufempfehlung
Zu Redaktionsschluss offerierte unter www. mobile.de ein bayrischer Privatverkäufer sein 1992er-Modell: 38150 Kilometer, erste Hand, Langstrecke, Sommer-Garagenfahrzeug, unfallfrei, Tankrucksack, Batterie und Bremsbeläge neu. 2350 Euro, Verhandlungsbasis. Da lohnt sich ein Probefahrttermin auf jeden Fall. Für rund 500 Euro mehr finden sich zwei Jahre jüngere Exemplare mit ähnlich vielen Kilometern auf der Uhr. Die Schwacke-Liste
empfiehlt für ein 1995er-Modell mit zirka
50000 Kilometern Laufleistung 3120 Euro als Verkaufspreis. Da die GSX 1100 F seit 1990
technisch weitgehend unverändert blieb, sollte
der Gebrauchtkäufer eher auf Kilometerstand, den allgemeinen Pflegezustand und sinnvolle Dreingaben wie etwa ein Koffer-Set achten und weniger auf das Baujahr des Fahrzeugs.

Tipps
Ein Schwachpunkt sind verschleißfreudige Kupplungsreibscheiben. Ist der Leerlauf schwierig zu finden, krachen die Gänge während
der Probefahrt schwerfällig hinein oder rutscht die Kupplung im letzten Gang durch, müssen die Scheiben getauscht werden. Vorsicht, wenn verdächtige Geräusche (von leichtem Klickern bis schwerem Mahlen) aus dem Zylinderkopf kommen. Das könnten Folgen von Ölmangel im Ventiltrieb sein. Eine regelmäßig in der Werkstatt gewartete F (Service-Heft vorlegen lassen!) wird diese Probleme vermutlich nicht kennen.

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