Honda CBR 1100 XX, Kawasaki ZZ-R 1100 (VT) (Archivversion) «Diese Selbstvergessenheit bedeutet eine Ausblendung des Umfelds“

Professor Bernt Spiegel, Senior-Partner des Spiegel Instituts Mannheim für Antrophotechnik und Marktpsychologie und langjähriger Instruktor bei den MOTORRAD-Perfektionstrainings, sprach mit Axel Westphal über psychologische Hintergründe des Motorradfahrens.Warum glaubt macher, das stärkste und schnellste Motorrad haben zu müssen?Das muß nicht heißen, daß er damit glaubt, auch selbst der Stärkste und der Schnellste zu sein, sondern in der Psychologie spricht man da vom sogenannten »Inzenierungspotential«, ohne das die ganze Wirtschaft nicht mehr funktionieren würde. Es heißt, ich will etwas gar nicht unbedingt voll ausnutzen, aber mir schmeichelt, daß ich das jederzeit könnte. Wer nützt schon sein Ferienhaus auf Ibiza aus oder die Möglichkeiten seines PC. Wir sollten da übrigens nicht ungerecht sein und ein starkes Motorrad schlicht für unvernünftig erklären. Die ganze Motorradfahrerei ist ja so vernünftig auch wieder nicht!Welches Beschleunigungsvermögen, welche Höchstgeschwindigkeit verträgt eigentlich ein mittelmäßig routinierter Biker?Sicher viel weniger, als die allermeisten Motorräder bieten - jedenfalls solange er nicht speziell trainiert ist. Alle Motorradfahrer sind freilich mehr oder weniger trainiert, also an bestimmte Geschwindigkeits- und Beschleuinigungsspannen angepaßt, es fragt sich nur, ob es für ihr Motorrad ausreicht.Welche Folgen kann die untrainierte Geschwindigkeit haben? Sie bedeutet überraschende Situationen, denen man dann nicht gewachsen ist, und sie birgt immer auch die Gefahr einer Enthemmung im Sinne einer Euphorisierung. Das geht bei einem Motorrad, das ein so wundervolles Handling wie die XX hat, um so schneller!Hat das etwas mit dem Phänomen des `Flow` zu tun?Ja, sicher. Der Flow ist das selbstvergessene und glückhafte Aufgehen in einer Aufgabe, wobei diese Selbstvergessenheit eine Ausblendung des Umfelds und damit auch der Gefahren bedeutet. Der Flow ist zwar ein äußerst nützlicher Helfer für den Langstreckenfahrer, aber er kann tödlich für den Anfänger sein.Du selbst bewegst eine Honda Fire Blade, auch nicht gerade ein untermotorisiertes Fahrzeug.Stimmt, es kommt dabei immer drauf an, daß man weiß, wer der Schnellere ist, das Motorrad oder man selber. Im meinem Fall ist ganz klar, daß das die Fire Blade ist. Ich hoffe, daß ich das auch beim Fahren nie vergesse.

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