Honda Hornet 600/S (Archivversion) Die Unkonventionelle

Der Trend zum 600er-Naked-Bike ist weiterhin ungebrochen. Machen Second-hand-Käufer mit der eigenständig gestylten Honda Hornet 600 einen guten Stich?

Dem fulminanten Erfolg der Suzuki Bandit 600 konnte die Konkurrenz zunächst nichts entgegensetzen. Erst seit 1998 bieten Honda mit der Hornet und Yamaha mit der Fazer dem Bestseller von Suzuki Paroli. Im Gegensatz zu den eher konventionell gehaltenen Allroundern von Yamaha und Suzuki setzte Honda bei der Hornet voll auf Show. Mit dicken Reifen und einem weit hochgezogenen Schalldämpfer im Streetfighter-Look sowie der schlanken Tank-Sitzbank-Linie versuchte Honda, besonders die jüngere Fahrergeneration anzusprechen. Das Experiment ging zwar in Italien auf, wo die Hornet in den letzten beiden Jahren die Zulassungsstatistik anführte, aber hierzulande konnte die Hornet die preisgünstigere Bandit und die leichtfüßigere Fazer nicht von den Spitzenplatzierungen in der Mittelklasse verdrängen.Einer der Gründe für die anfänglich etwas verhaltene Nachfrage liegt vermutlich an den überbreiten Rad-Reifen-Kombinationen, die mit jenen der älteren Fireblade-Modelle (bis 1999) identisch sind und der kleinen Hornet das spielerische Einlenken sowie das problemlose Handling der Mittelklasse-Konkurrenz verwehren. Außerdem sorgt das 16-Zoll-Vorderrad mit dem umstrittenen 130er-Reifen zusammen mit der 180er-Walze hinten für eine deutliche Aufstellneigung auf Bodenwellen in Schräglage oder beim Bremsen.Über jede Kritik erhaben ist hingegen das wassergekühlte, nominell 94 PS starke Vierventil-Triebwerk, das der CBR 600 (PC 31) von 1995 entstammt und seine Zuverlässigkeit selbst bei hohen Dauerdrehzahlen zigtausendfach unter Beweis gestellt hat. Allerdings genehmigt sich der kleine Treibsatz bei forcierter Fahrweise gerne Mal einen Extraschluck des teuren Sprits.Zum Jahrgang 2000 erhielt die Hornet nicht nur eine Leistungsspritze von einem PS, sondern auch ein Schwestermodell mit Halbschalenverkleidung zur Seite gestellt. Sowohl diese S-Variante als auch das unverkleidete Basismodell rollen seither mit einer 17-Zoll-Felge und schmalerem 120er-Vorderreifen vom Band. Damit waren die Klagen über Fahrwerksunstimmigkeiten aus der Welt. Auch das Manko der Bremsanlage vorn – mangelnde Dosierung und hohe Handkraft – konnte Honda mit der Verwendung anderer Bremsscheiben, -zangen und -beläge sowie teilweise stahlummantelten Bremsleitungen eliminieren.Wer also sportlich ambitionierte Fahrweise bevorzugt, sollte sich besser gleich nach einem 2000er-Modell umsehen. Denn der Umbau der älteren Jahrgänge auf den größeren Felgendurchmesser beläuft sich mit den zugehörigen Reifen auf mindestens 1500 Euro. Für Tourenfahrer helfen fürs Erste schon mal Sintermetall-Bremsbeläge, die weniger Handkraft bei effektiverer Verzögerung verlangen. Gebrauchtkäufer, die mit 34 PS einsteigen müssen, tun ebenfalls gut daran, gleich nach der entsprechenden Variante zu suchen, da die Driosselung aufwendig ist und mit Eintragung zirka 500 Euro verschlingt.Günstig für Anfänger mit kurzen Beinen ist die Hornet mit nur 770 Millimetern Sitzhöhe sowieso. Es geht aber noch niedriger: Honda bietet für 200 Euro eine noch mal 20 Millimeter flachere Sitzbank an. Damit verlieren auch Nachwuchs-Streetfighter nie die Bodenhaftung.

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