Honda Pan European (Archivversion)

Mit der von 1990 bis 2001 angebotenen ST 1100 Pan European landete Honda bei der Tourenfraktion einen Volltreffer und sackte in dem von BMW dominierten Marktsegment kräftig Anteile ein. Perfekter Antriebsstrang, sehr komfortable Unterbringung der Besatzung sowie sehr guter Windschutz ge-hören zu den überzeugendsten Argumenten für die in Europa entwickelte Maschine. Die 2002 vorgestellte Nachfolgerin STX 1300 sollte diese Geschichte fortsetzen. Und die Voraussetzungen waren mehr als gut. Mehr Platz, mehr Wetterschutz, mehr Dampf im Keller, mehr Komfort und ein nochmals verbessertes Fahrverhalten versprach Honda. Doch der Ruf der 1300er geriet schnell ins Wanken. Denn sie neigte zum Pendeln. Nicht alle, aber viele Exemplare verloren unter bestimmten Umständen (volle Beladung, Topcase, hochgefahrene Scheibe, neue (!) Bereifung) jenseits von 130 km/h ihre Contenance und pendelten mehr oder weniger ausgeprägt. In mehreren Produktoptimierungsaktionen versuchte Honda, das Problem mit geänderten Motorhalterungen, Verschraubungen und Bolzen der Schwingen-lagerung in den Griff zu bekommen. Jedoch nicht immer mit dem gewünschten Erfolg.
Die Pendelneigung ist aber das Einzige, was der Pan zum Vorwurf gemacht werden kann. In allen anderen tourenrelevanten Punkten wie Reichweite, Ausstattung, Handlichkeit, Gepäckunterbringung et cetera liegt sie nicht nur auf Augenhöhe mit der Konkurrenz, sondern oft darüber. Vor allem der Motor ist nicht nur kultiviert und kräftig, sondern nahezu unzerstörbar. Ebenfalls sehr positiv: die serienmäßige Verbundbremse mit ABS, die auch ungeübten Fahrern unter widrigen Bedingungen kurze Bremswege erlaubt. Für Touristen, die viel im tempobegrenzten Ausland unterwegs oder mit der Richtgeschwindigkeit zufrieden sind, gibt es keinen Grund, keine Pan zu kaufen. In jedem Fall ist eine ausgiebige Probefahrt sehr zu empfehlen.

Plus

Antrieb: stark, geschmeidig und unkaputtbar
Wind- und Wetterschutz: sehr gut
Ausstattung: sinnvoll und praxistauglich
ABS und Verbundbremse: serienmäßig

Minus

Pendelneigung bei hoher Geschwindigkeit
Staufächer in der Verkleidung heizen sich stark auf

Die zweite Ausgabe der Pan European leidet unter ihrem Image als Pendolino. Dabei sind nicht alle Modelle betroffen und wenn, dann nicht in gleichem Maße. Der Großteil der Angebote stammt von Händlern, bei denen die Pan in Zahlung gegeben wurde. Von der Pendelproblematik abgesehen ist die Honda ein verkanntes Genie. Sie ist komfortabel, agil und gilt als extrem zuverlässig und langlebig. Die Laufleistung ist zweitrangig, wichtiger ist, dass die Optimierungsaktionen durchgeführt wurden. Interessenten sollten nach ausgiebiger Probefahrt über den Preis sprechen. Und zuschlagen.

Wassergekühlter Vierzylinder-Viertakt-90-Grad-V-Motor, 1261 cm³, 93 kW (126 PS) bei 8000/min, Gewicht 326 kg, Zuladung 191 kg, Tankinhalt 29 Liter, Sitzhöhe 810 mm, Höchstgeschwindigkeit 225 km/h, Verbrauch (Landstraße) 5,3 l/100 km, Super

10/2002 (FB), 12/2002 (TT), 14/2002 (VT), 13/2003 (VT), 11/2005 (VT), 15/2006 (VT), 18/2007 (VT), Thema Pendeln: 2/2004, 15/2004, 20/2006

FB = Fahrbericht, TT = Top-Test, VT = Vergleichstest; Nachbestellungen unter Telefon 0711/182-1229

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