Honda ST 1100 (GK) (Archivversion)

Es war schon fast vorauszusehen: An der ST 1100 geht so gut wie nichts kaputt, daher gibt’s so gut wie nichts zu schrauben, so gut wie keine Tips und somit so gut wie keine 100 Mark.

1990 saß ich zum ersten Mal auf einer Pan und war nach wenigen Kilometern von einem Virus befallen, dem ich mich bis heute nicht entziehen kann. Egal, ob die Fahrt zum Supermarkt oder die große Urlaubsreise, die genüßliche Vollgasfahrt auf der Autobahn (die Öko-Fraktion möge mir verzeihen), das zügige Dahingleiten auf der Landstraße oder die verzwickte Schlängelei durch den Stadtverkehr - mit der ST ist alles möglich. Das souveräne Handling, der moderate Verbrauch ( im Schnitt sechs Liter) und die hohe Alltagstauglichkeit zusammen mit dem seidenweichen Lauf machten sie mir zu einer treuen Gefährtin, deren Verführungskünsten ich 1992 ein weiteres Mal - diesmal mit ABS - erlag. Leider brachte mich die Diskussion um Fahrverbote im November letzen Jahres dazu, mir eine K 1100 RS mit Kat zuzulegen. Ob ich sie auch zulasse? Gute Frage. Lieber würde ich einer Pan European mit geregeltem Kat das Jawort geben.Peter Camp, MünchenAls die ersten Bilder von der ST veröffentlicht wurden , konnte ich nur mit dem Kopf schütteln: Wer kauft so eine Plastikschüssel? Nach einer Probefahrt von berauschenden 400 Kilometern die Bekehrung: Die ST hat Drehmoment ohne Ende und taugt für grenzenlose Kurvenhatz. Vier Tage später, im Juni 1991, war die ST 1100 auf meinen Namen zugelassen. Mittlerweile stehen 55 000 Kilometer auf der Uhr, die Freude und der Spaß sind bis heute geblieben. Geblieben ist auch die von MOTORRAD festgestellte Zuverlässigkeit. Keine Reparaturen, kein Schaden, kein Ausfall, nichts. Was negativ auffällt, ist der relativ hohe Verbrauch von Bremsbelägen und die Tatsache, daß die Reifen aus dem Hause Metzeler hinten gerade mal 8000 und vorn mit Ach und Krach 9000 Kilometer halten. Und die Tatsache, daß Metzeler offenbar Fertigungsprobleme hat. Ich habe zwei Hinterreifen wegen Höhenschlag und zwei Vorderreifen wegen Karkassenschäden (Maschine ließ sich ab 160 km/h wegen Lenkerschlagens nicht mehr halten) zurückgegeben. Ein Griff in die Bastlerkiste machte es möglich, auch den Abblendfaden der zweiten Frontlampe zu aktivieren, was eine wesentlich bessere Ausleuchtung der Fahrbahn bei Dunkelheit mit sich bringt.Erich Bock, BiebertalMeine Erfahrungen auf der ST 1100 habe ich seit 1990 auf drei Maschinen dieses Typs gesammelt: Mit der ersten 60 000 Kilometer bis 1992, mit der zweiten 80 000 bis 1995 80 000 und seit März 1995 mit der dritten 25 000 Kilometer - die beiden letzen Modelle mit ABS/TCS. Trotz einiger Bedenken mit Honda-V4-Motoren habe ich mir die ST 1100 schon im Erscheinungsjahr zugelegt. Für meine Courage wurde ich belohnt: Nicht einmal bin ich außerplanmäßig zu einem Werkstattbesuch gezwungen worden, hatte an keiner Maschine technische Defekte zu bemängeln. Die Fahrleistungen sind für eine Tourenmaschine allemal ausreichend, das Gewicht ist nach den ersten Metern vergessen. Einen Defekt hatte ich doch: Bei meiner ersten ST 1100 starb mir auf dem Heimweg aus der Schweiz in einer langgezogenen Linkskurve auf der Autobahn bei Tempo 180 km/h urplötzlich der Motor ab. Nur mit viel Mühe und einem gehörigen Adrenalinstoß konnte ich das schlingernde Motorrad wieder fangen. Wie sich später herausstellte, war wahrscheinlich der Neigungswinkel-Sensor wohl schuld. Da ist es doch beruhigend, wenn Honda schon 1995, also fünf Jahre später, auf so einen Vorfall mit einer Rückrufaktion reagiert. Ansonsten hatte ich an dem ersten Modell noch mit schlechter Lackqualität zu kämpfen, was aber immer schnell und unbürokratisch im Rahmen der Garantie behoben wurde. Bemängeln möchte ich die schlechte Lackierung der Leichtmetall-Felgen. Bei allen drei Maschinen platzte der Lack durch Steinschlag ab. Als Konsequenz lasse ich die Felgen jetzt pulverbeschichten. Aus einem Stück Moosgummi habe ich mir einen Wasserblocker geschnitten, der bei Bedarf in den Schlitz zwischen Verkleidung und Scheibe geschoben wird. Als Zubehör habe ich montiert: Alarmanlage, hohe JF-Scheibe, White Power-Gabelfedern, Corbin-Sitzbank, Givi-Topcase Maxia. Die bislang besten Erfahrungen habe ich in diesem Jahr mit der Reifenpaarung Metzeler ME Z2 und ME Z1 Front gemacht.Dirk Heideker, PinnebergAls überzeugter BMW-Fahrer bin ich im März 1995 auf eine neue Pan-European umgestiegen, nachdem mein Boxer-Gespann zu klein geworden war und ich auch nach längerer Suche keine K zu einem vernünftigen Preis für einen Neuaufbau gefunden hatte. Mittlerweile habe ich mit dem Gespann 9000 begeisterte und absolut schadenfreie Kilometer im Gespannbetrieb zurückgelegt.Olaf Kupke, Karlsruhe1994 bekam ich von einem Freund ein Angebot, das ich nicht ablehnen konnte: eine ST 1100 von 1991 mit 22 000 Kilometern für 12 000 Mark. Als diese Honda neu auf den Markt kam, war sie für mich der Inbegriff von Häßlichkeit. Die ST 1100 wurde sofort die Favoritin meines privaten Fuhrparks. Von Stuttgart aus besuchte ich 1994 jedes Wochenende eine Freundin in Hamburg. Mit der Pan European kein Thema. Selbst bei langen Staus ist man schneller als der ICE. Die monatliche Fahrleistung erreichte damals bis zu 7 000 Kilometer. Das Gewicht der Mühle ist beträchtlich und im Rangierbetrieb etwas hinderlich, aber wenn der Brocken erst einmal rollt, ist er handlicher als mache Halbliter-Enduro.Pawel Nabe, Berlin.

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